Woche vom 29.01.2012 bis 04.02.2012 

Von Martin Wolf, Kaiserslautern, Katholische Kirche
Einfach glücklich
Sonntag, 29. Januar 2012
Glück. Man kann es nicht messen. Wir haben nicht mal eine Maßeinheit dafür. Trotzdem wollen wir alle möglichst viel davon. Dabei fällt es unendlich schwer, genau zu sagen, was es eigentlich ausmacht. Warum macht mich eigentlich das eine glücklich und anderes nicht? Die moderne Medizin kann mir zwar erklären, was in meinem Gehirn passiert, wenn ich glücklich bin. Doch für die tägliche Suche nach dem Glück hilft mir das auch nicht weiter. Was vielen beim Stichwort Glück zuerst einfällt sind ja die scheinbaren Glücksbringer. Der Geldgewinn vielleicht. Und natürlich die große, romantische Liebe, um die so viele Fernsehschnulzen kreisen. Je älter ich werde, umso mehr kommen mir allerdings solche Ereignisse wie ein großer Stein vor, der in einen See fällt. Er erzeugt heftige Wellen, die manches aus dem Gleichgewicht bringen können. Doch wie sich die Wasseroberfläche nach einiger Zeit wieder beruhigt, ist es auch mit dem Leben. Dann nämlich, wenn aus dem wilden Liebesglück ein nüchterner und hoffentlich noch immer liebevoller Alltag geworden ist. Oder wenn nach einer üppigen Erbschaft der Alltag mit all seinen großen oder kleinen Sorgen ziemlich bald wieder einzieht. Ist das große Glück also immer nur von kurzer Dauer? Forscher, die sich wissenschaftlich damit beschäftigen, sind da vorsichtiger. Sie sprechen nämlich gar nicht so gern vom Glück. Weil sie wissen, dass es ewiges Glück und endlose Begeisterung genau genommen gar nicht gibt. Was es gibt, sind kleine Glücksmomente. Einfach so. Mitten im Alltag. Wenn mir eine Arbeit besonders gut gelungen ist. Wenn ich zusammen mit einem geliebten Menschen etwas Schönes erleben darf. Oder ganz einfach, wenn ich an einem warmen Sommerabend mit einem Glas Wein im Garten sitzen kann. Mir zeigt das, dass der ewig rosarote Himmel gar nicht entscheidend ist. Der ist sowieso eine Illusion. Viel wichtiger ist die Frage: Bin ich zufrieden mit meinem Leben, so wie es ist? Die Wellen des ganz großen Glücks, das mich vielleicht nur wenige Male im Leben trifft, schütteln mich zwar durch. Doch wenn sie sich gelegt haben bin ich meistens auch nicht zufriedener als zuvor. Das Faszinierendste daran ist für mich, dass dies auch für das Unglück gilt. Ein Unglück kann uns schließlich noch viel heftiger erschüttern. Doch auch Menschen, die chronisch krank wurden, die schwere Schicksalsschläge hinter sich haben, können ja wieder Glück empfinden. Können irgendwann, trotz allem, Frieden mit ihrem Leben machen. Das mag irritieren. Für mich jedoch ist es unglaublich beruhigend. Was immer in Zukunft noch geschehen mag, sagt es mir, dein Glück, deine Zufriedenheit muss nicht für alle Zeit vorbei sein. Du kannst sie wiederfinden. Das braucht Zeit, manchmal sogar sehr viel. Aber es geht.
Teil 2
Geld allein macht nicht glücklich. Ein Schlager aus den fünfziger Jahren. Genug Geld zu haben macht das Leben leichter. Ganz klar. Für Lebensglück und Zufriedenheit aber ist tatsächlich viel weniger nötig als man denkt. Mehr Besitz, mehr Haben bringen eben nicht automatisch mehr Glück. Das neueste Handy oder das schnittigste Auto taugen sicher kurz, um damit anzugeben. Doch zufriedener machen sie mich eigentlich nicht. Auch dann nicht, wenn die Werbung es mir noch so oft verspricht. Manchmal braucht es eine ganze Weile, um das zu bemerken.
Eines Tages machten sich wohl auch die Freunde Jesu Sorgen um ihre Zukunft. Schaut euch doch mal die Lilien auf dem Feld an, gab Jesus ihnen daraufhin zur Antwort. Die machen nichts, stehen einfach nur herum und werden beim nächsten Mähen sogar mit abgeschnitten. Und trotzdem hat Gott sie so atemberaubend schön gemacht. Was meint ihr wohl, wie sehr er sich dann erst um euch sorgt, wenn er sich schon mit simplen Blumen eine solche Mühe gibt. Macht euch also nicht so viele Gedanken. Ihr habt doch, was ihr braucht.
Das klingt ziemlich naiv in einer Welt, die sich heute vor allem über den Konsum definiert. Über Leistung, die sich lohnen muss. Darüber, ob und wie viel ich habe. An Geld, an Bildung, an Ansehen. Doch in dem Wort Jesu geht es ja nicht um ein planloses In-den-Tag-hinein-leben. In den so naiv klingenden Sätzen steckt tiefe Lebensweisheit. Denn was brauche ich wirklich? Was braucht meine Seele, um glücklich zu sein? Die Gier nach noch mehr von dem, was ich eh schon habe, ist es jedenfalls nicht. Sie mag tief in uns stecken. Nur glücklich macht sie nicht. Zwei Dinge haben sich mir eingeprägt, die für meine Lebenszufriedenheit ganz wichtig sind. Zum einen Gerechtigkeit. Die glücklichsten Menschen leben erstaunlicherweise in jenen Ländern, in denen die Unterschiede zwischen oben und unten eher gering sind. Je weiter wir auseinander driften, umso größer die Gegensätze. Umso eher das Unbehagen, ungerecht behandelt, zu kurz gekommen zu sein. Der Einsatz für eine gerechte Verteilung, für einen besseren Ausgleich zwischen Reichen und Armen ist also nicht umsonst. Er ist auch ein Einsatz für mehr Glück und Zufriedenheit.
Am wichtigsten jedoch ist das Gefühl, geliebt und getragen zu sein, was immer auch geschieht. Ich brauche Menschen, die mich unterstützen, meine Freuden und Sorgen mittragen. Mich gegebenenfalls auch mal ehrlich korrigieren, wenn ich auf dem Holzweg bin. Genau so, wie Andere hoffentlich auch mich brauchen. Wir können nicht alleine leben. Wir brauchen einander. Und wer auch glauben kann, der weiß sich eben nicht nur von Menschen, sondern sogar noch von Gott getragen. Und genau das ist auch, was Jesus seinen Freunden sagen wollte.



