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Woche vom 15.05.2011 bis 21.05.2011




Thomas Drumm

Von Thomas Drumm, Herschweiler-Pettersheim, Evangelische Kirche

Jubilate

Sonntag, 15. Mai 2011     [Druckversion]

Mit dem Tod ist alles aus. Solche Gedanken kennt, wer schon mal auf dem Friedhof in ein Grab hineingeschaut hat. Der Tod setzt ein Ende - ohne Rücksicht auf unsere Gefühle. Er nimmt uns liebe Menschen und reißt uns auseinander.
Was bis jetzt nicht ausgesprochen worden ist, kann nicht mehr gesagt werden. Und was bis jetzt nicht geklärt ist, kann nicht mehr geklärt werden. Mit dem Tod bricht alles ab. Er hat etwas Endgültiges, Unumkehrbares. Das macht den Tod so grausam.
Doch wir Christen glauben: Der Tod ist kein Schlusspunkt, sondern ein Doppelpunkt. Es geht weiter nach dem Tod. - Woher wir das wissen können?
Gott hat seinen Sohn Jesus Christus auferweckt. Menschen hatten Jesus hingerichtet. Doch nach drei Tagen ist Jesus auferstanden von den Toten. Ein paar seiner Freunde sind ihm damals begegnet. Seither feiern wir Christen Ostern, und wir glauben: Der Tod hat nicht das letzte Wort über uns.
Darauf weist auch der Sonntag heute hin mit seinem Namen: „Jubilate": Jubelt, ihr Menschen, denn Gott hat den Tod besiegt. Ostern - das ist das Ende des Todes.
Steile Sätze sind das. Und die sind auch nicht ohne Weiteres einsichtig. Denn meine Erfahrung spricht eine ganz andere Sprache: Es sterben ja weiterhin Menschen. Und Leid und Tod scheinen die Welt auch nach Ostern fest im Griff zu haben. Von wegen: Tod besiegt.
Und doch: Mit Ostern hat sich etwas geändert - ganz grundlegend. Seit Ostern haben wir Christen eine Hoffnung, die über das Grab hinausreicht. Seit Ostern können wir wissen: Der Tod wird mich nicht festhalten. Denn Gott ist stärker als der Tod.
Wer das für sich weiß, für den verliert der Tod seinen Schrecken. Wer das glauben kann, der kann getröstet sein, auch wenn der Tod ihm einen lieben Menschen genommen hat.
Ich habe von einem Mann aus Afrika gehört. Er hatte seine Tochter durch den Tod verloren. Trauer hat die ganze Familie erfüllt. Aber sie waren auch getröstet durch die Hoffnung auf das ewige Leben.
Auf das Grab der Tochter hat der Vater ein schlichtes Holzkreuz gesetzt und die Worte darauf geschrieben: Der Tod hat keine Hände.
Freunde haben ihn gefragt: Was soll diese Inschrift bedeuten: „Der Tod hat keine Hände"?
Der Vater hat ihnen geantwortet: „Ich weiß, der Tod kann mir mein Kind nicht wegnehmen oder ewig festhalten. Ich werde es irgendwann in Gottes Welt wiedersehen. Seit Jesus auferstanden ist, hat der Tod keine Hände mehr."
So ist es! Seit Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, hat der Tod keine Hände mehr! Der Tod hat verloren. Und darum habe ich auch die Hoffnung, der Tod mich nicht festhalten kann.
Ich werde zwar sterben, aber das bedeutet für mich nicht das Ende. Es geht weiter nach dem Tod.
Jesus ist den Weg vom Tod zum Leben vorausgegangen. Er lebt! Und mit ihm werde auch ich leben. Deshalb feiern wir das Osterfest.

Teil II

Mit Ostern hat sich etwas ganz grundlegend geändert in unserer Welt: Der Tod ist besiegt. Er hat keine Hände mehr. Er kann mich nicht festhalten.
Immer wieder macht es mich traurig, wenn jemand gestorben ist, den ich lieb gehabt habe. Dann scheint mir alles ganz dunkel. Und trotzdem finde ich Lebensfreude und Hoffnung.
Vielleicht ist das so, wie bei den verschütteten Minenarbeitern in Chile im letzten Herbst. Erinnern Sie sich?
Der Zufahrtsstollen war eingestürzt. Dreiunddreißig Bergleute saßen in der Tiefe fest. Mehr als zwei Monate lang waren sie lebendig begraben. Die ganze Welt hat den Atem angehalten und hat mit gebangt um das Leben der Eingeschlossenen.
Für die Rettungsmannschaften begann ein Wettlauf gegen die Zeit. Endlich - nach mehreren Fehlschlägen - war es soweit. Eine Stahlkapsel wurde in die Tiefe gelassen. Und mit dieser Kapsel konnten die eingeschlossenen Bergleute befreit werden.
Der erste, der nach oben gezogen wurde, war Florencio Ávalos. Als er oben angekommen war, brach die Menschenmenge in großen Jubel aus. Der chilenische Präsident persönlich hat den geretteten Bergmann begrüßt.
Und dann kam einer nach dem anderen ans Tageslicht. Man hatte vorher eine Reihenfolge festgelegt, wer wann in die Rettungskapsel steigen darf.
Die Rettung eines Bergmanns dauerte etwa eine dreiviertel Stunde. Das heißt: Die letzten Bergleute mussten fast noch einen ganzen Tag in dem Stollen warten, bis sie endlich an die Reihe gekommen sind.
Doch sobald der erste gerettet war, hatte sich die Situation bei den Kumpels unter Tage grundlegend verändert.
Noch waren sie zwar in der Dunkelheit. Noch mussten sie die Spannung ertragen. Noch konnten sie ihre Lieben nicht in die Arme schließen.
Und trotzdem haben sie unter der Erde schon ausgelassen gefeiert und sich gefreut. Denn sie haben gewusst: Rettung ist nahe.
Der Erste ist durch. Es gibt einen Weg ans Licht. Und dieser Weg ist frei. Einer ist ihn ja schon gegangen. Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis auch wir das Licht sehen.
Für mich ist das eine Ostergeschichte - ein Bild für das, was wir Christen an Ostern feiern. Seit Gott seinen Sohn Jesus Christus von den Toten auferweckt hat, steht fest: Der Erste ist durch.
Der Tod ist keine Endstation. Es gibt einen Weg vom Tod zum Leben. Und dieser Weg ist frei. Einer ist ihn schon gegangen. Jesus Christus ist uns vorausgegangen auf dem Weg durch den Tod ins Leben. Wir werden ihm folgen.
Und so können wir uns heute freuen. Wir haben allen Grund, Jubellieder anzustimmen. Denn der Tod ist besiegt. Der Weg ins Leben ist frei.
In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen frohen Sonntag Jubilate.

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