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Woche vom 23.01.2011 bis 29.01.2011




Jutta Wellhöner

Von Jutta Wellhöner, Offenburg, Evangelische Kirche

Getauft: Und was hat es gebracht?

Sonntag, 23. Januar 2011     [Druckversion]

Einen der wichtigsten Augenblicke in meinem Leben hab ich gar nicht richtig mitgekriegt.
Das war meine Taufe.
Ich war ein gutes halbes Jahr alt, als meine Eltern mit mir in die Kirche gezogen sind, weil sie meinten, dass ich nun auch zu dieser Gemeinschaft der Kirche dazu gehören sollte.
50 Jahre ist das in diesem Jahr her - für mich ein guter Anlass, um mich zu fragen: Was hat mir das eigentlich gebracht, dieses „Dreimal Wasser über den Kopf" und der Pfarrer sagt dazu: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Klar, durch meine Taufe bin ich eine von 1 Mrd Christen weltweit und Mitglied meiner Kirche. Aber für mich bedeutet das noch viel mehr: Meine Taufe erinnert mich daran, dass ich bei Gott in guten Händen bin. Ich denke dabei an die Geschichte aus der Bibel, die erzählt, wie Jesus die Kinder gesegnet hat, die zu ihm gebracht wurden und wie er ihnen die Hände aufgelegt hat. So ähnlich muss das ja auch damals bei mir gewesen sein, als meine Eltern mich zur Taufe gebracht haben: Da haben sie mich, ihr Kind praktisch auch Gott in die Hände gelegt, damit er es bewahrt und seine Hand darüber hält.
Das wird mir wieder deutlich, als ich das einzige Foto anschaue, das ich von meinem Tauftag gefunden habe. Ich seh ja ganz fröhlich darauf aus, in meinem hellgelb-gehäkelten Taufkleidchen. Schade nur, sind meine Eltern nicht mit im Bild. Ob die wohl auch fröhlich aussahen, als sie mich zum Taufstein gehoben haben? Waren sie aufgeregt? Oder gerührt? Ich glaube, dass meine Eltern sich schon viele Gedanken darüber gemacht haben, was aus mir wird und in welcher Welt ich wohl groß werde. Dieser Tage hat mir meine Mutter noch erzählt, in welcher Anspannung sie damals gelebt haben. Kurz vor meinem Tauftag wurde die Berliner Mauer gebaut und keiner wusste, ob friedlich es weiter geht.
Ich glaube, meine Eltern waren damals schon froh, dass sie mich Gott anvertrauen konnten.
50 Jahre danach bin ich selber froh, dass ich mir immer wieder sagen kann: Ich bin bei Gott in guten Händen.
Ich bin längst eine gestandene Frau und stehe mit beiden Beinen mitten im Leben - und doch fühle ich mich manchmal wie ein kleines Mädchen, das sich am liebsten in die hinterste Ecke verkriechen würde.
Ich bin meinen Weg gegangen und konnte einiges erreichen - und doch musste ich mir manches auch abschminken und dabei lernen, dass es nicht mit dem Kopf durch die Wand geht.
Es ist mir meistens recht gut gegangen und ich weiß ebenso, dass ich das nicht allein im Griff habe, wies mir geht und wie es weiter geht.
Wie heißt es so schön: Das Leben ist voller Überraschungen, aber eben: Ich versuche diese Überraschungen einfach auf mich zukommen zu lassen. Ich bin doch so oder so in Gottes guten Händen. „Siehe, ich, Gott, bin bei euch alle Tage!" So ist es sicher auch gesagt worden, als ich damals getauft worden bin.
Mit dieser Einstellung möchte ich beherzt und zuversichtlich an die Aufgaben herangehen, die in diesem Jahr anstehen.

Getauft: Bei Gott in guten Händen

Leider hab ich von meiner Taufe damals gar nichts mitbekommen.
Dabei war das doch ein ganz wichtiger Augenblick in meinem Leben, der mich ein Leben lang daran erinnern soll: Ich bin bei Gott in guten Händen.
Ich kann es deshalb gut verstehen, wenn manche Eltern sagen: Mein Kind soll diesen Augenblick ganz bewusst erleben. Manche Eltern lassen ihre Kinder deshalb nicht als Babies taufen, sondern warten, bis sie sich selber entscheiden können.
Früher hab ich mir manchmal gewünscht, meine Eltern hätten mir auch die Entscheidung gelassen, bis ich reif genug bin für die Taufe. Aber wann ist man eigentlich reif genug. Hängt das vom Alter ab? Oder wie oft man in die Kirche geht? Oder wie stark man an Gott glaubt?
Ich hab dieser Tage meine alte Taufurkunde aus dem Familienstammbuch wieder gefunden.
Da steht es also, schwarz auf weiß, mit Siegel und Unterschrift - getauft! Schön, dass es dieses alte Dokument noch gibt. Ich brauch das zwar nicht ständig. Aber ich habe was in der Hand, einen Beleg, etwas, was ich gegebenenfalls vorweisen kann, denn das Taufwasser ist ja schon längst wieder getrocknet.
Und eigentlich ist es ja mit der Taufe selbst genauso, finde ich. Die Taufe ist ein Beleg, der mit dem guten Namen Gottes gezeichnet ist: Die gehört zu mir, die hat einen Vater im Himmel. Ja, ich glaube, dieser Eintrag ins „Familienstammbuch Gottes" ist das Entscheidende, und nicht das, was ich vorzuweisen habe.
Wenn ich nur daran denke, wie das manchmal mit meinem Gottvertrauen bei mir hapert - wie oft geh ich da lieber auf Nummer sicher, damit ja nichts schief geht. Als hätte ich es allein in der Hand...
Auch gelingt es mir nicht immer gleich stark und gleich gut, an Gott zu glauben. Ich finde es tröstlich, dass ich mir gerade dann sagen kann: Gott ist trotzdem da und steht dir bei, auch wenn du das im Augenblick gar nicht so merkst. Darauf habe ich gewissermaßen durch die Taufe Brief und Siegel.
Ich muss dabei an Martin Luther denken, der ein ganzes Leben lang darum gerungen hat, ob es wirklich richtig und gut ist, was er tut. Eine Geschichte erzählt, dass er bei einer schwierigen Verhandlung, als seine Gegner ihn in die Enge treiben wollten, auf den Tisch geschrieben hat: „Ich bin getauft!" Immer wieder soll er sich das gesagt haben „Ich bin getauft!" und ich stelle mir vor, das hat ihm das die Kraft gegeben, seinen Weg zu gehen.
„Ich bin getauft!" das möchte ich mir auch immer wieder sagen.
Ich finde deshalb, es kommt es gar nicht so sehr darauf an, in welchem Alter man getauft worden ist und was man davon bewusst mitbekommen hat. Ich glaube, es kommt doch vielmehr darauf an, dass man Gott beim Wort nimmt und sich sagt: „Bei Gott bin ich in guten Händen."
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und kommen Sie wohl behütet durch die neue Woche!