Manuskripte

SWR4 Sonntagsgedanken

Aktuelle Woche   Archiv

Woche vom 20.12.2009 bis 26.12.2009




Kalle Grundmann

Von Kalle Grundmann, Koblenz, Katholische Kirche

Zweiter Weihnachtstag und fünfter Jahrestag der Tsunami-Katastrophe

Samstag, 26. Dezember 2009     [Druckversion]

Teil 1

„Krippsche Gucke“ zu gut deutsch „Krippen anschauen“, das machen viele am heutigen 2. Weihnachtsfeiertag . Ist ja auch ganz schön so zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken mit den Kindern oder den Enkelkindern einige Kirchen zu besuchen und sich dort die Darstellungen der Geburt Jesu anzuschauen. Zwar ist der Kern des Geschehens immer derselbe, der Stall, Maria, Josef und das Kind, aber im Drumherum unterscheiden sich die verschiedenen Krippendarstellungen gewaltig. Je nach dem wie viel Zeit, Engagement und auch Geld die jeweilige Kirchengemeinde investiert. Da finden sich ganze Krippenlandschaften, die manchmal ein ganzes Seitenschiff einer Kirche ausfüllen, da werden hunderte von Figuren aufgestellt, Häuser, Plätze, Straßen, Sträucher, Wälder, manchmal wird sogar fließendes Wasser eingebaut oder ein Lagerfeuer lodert auf freiem Feld. Für Kinder gibt’s da viel zu entdecken und zu fragen.
Die Krippe in unserer Kirche in der Koblenzer Innenstadt kann mit einer Besonderheit aufwarten. Gleich hinter dem aufgebauten Stall befindet sich nämlich ein Passionsaltar, ein Altar auf dem die Leidensgeschichte Jesu aufgemalt ist. Und so stehen in unserer Kirche Krippe und Kreuz ganz nahe bei einander. Die Krippe, Zeichen der Geburt des göttlichen Kindes. Symbol für die Freude über die Nähe Gottes zum Menschen. Und das Kreuz, Zeichen des elenden Todes des menschlichen Gottessohnes. Symbol des Leidens und der Trauer. Diese Kombination von Krippe und Kreuz ist gerade für den heutigen zweiten Weihnachtsfeiertag sehr passend. Denn auf der einen Seite feiern wir noch Weihnachten und auf der andern Seite ist heute aber auch der fünfte Jahrestag des Tsunami, des großen Seebebens im Indischen Ozean. Damals am 26. Dezember 2004 brach mitten in die Idylle von Ferienparadiesen in wenigen Augenblicken eine Katastrophe ein, wie man sie bis dahin nicht gekannt hatte. Etwa 230 000 Menschen sind durch dieses Seebeben ums Leben gekommen. Ganze Küstenstreifen wurden verwüstet, unsägliches Leid wurde in viele Familien gebracht. Urplötzlich ist für viele in die Freude von Urlaubstagen aus heiterem Himmel Trauer und Verzweiflung, Tod und Krankheit eingebrochen. Krippe und Kreuz, die dicht neben einander stehen, erzählen auch davon. Erzählen, wie schmal der Grad zwischen Freude und Trauer ist, zwischen Geburt und Tod.

Teil II

Zweiter Weihnachtstag und fünfter Jahrestag des größten Seebebens seit Menschen Gedenken, des Tsunami vom 26. Dezember 2004. Freude und Leid, Geburt und Tod ganz nahe beieinander. Gerade wenn in einer Zeit, die eigentlich von Freude gekennzeichnet ist, Leid einbricht, so wird dieses besonders schlimm erlebt. Das gilt nicht nur für so eine kollektive Katastrophe wie einen Tsunami, sondern auch für die eigenen persönlichen Leiderfahrungen. Gerade an Weihnachten wird der Verlust eines lieben Angehörigen besonders schmerzlich empfunden. Da waren die vielen gemeinsamen Weihnachten und jetzt schmerzt es nur noch, dass da der andere fehlt. Auch Streit , Zerwürfnis, Trennung zwischen Partnern, in der Familie und unter Freunden, an Weihnachten, das tut weh. Und viele stellen sich dann die Warumfrage. Warum ist ausgerechnet mein Partner so früh verstorben? warum kommen mich meine Kinder nicht besuchen? warum bin ich heute allein? Auf die meisten Warums finden wir keine oder nicht befriedigende Antworten. Und das ist manchmal schwer zu ertragen. Mir hilft dabei der Blick auf die Krippe in unserer Kirche. Hier steht hinter dem Stall mit Maria, Josef und dem Kind ein Kreuz. Mir sagt das: Dem Menschen und Gottessohn Jesus geht es wie mir. Er kennt beides: Die Freude von Weihnachten aber auch die Verzweiflung von Karfreitag. „Freu dich Erd und Sternenzelt“ aber auch „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“ Und das ist ja die eigentliche Aussage von Weihnachten: Gott wird nicht nur Mensch, sondern Mit-mensch. Er freut sich, wenn ich mich freue, er lacht und tanzt, wenn ich lache und tanze. Aber er leidet auch, wenn ich leide und er weint und ist traurig, wenn ich weine und traurig bin. Das beantwortet nicht die Warumfrage, aber es hilft mir mit meinem Leid besser klar zu kommen, denn während geteilte Freude doppelte Freude ist, ist geteiltes Leid halbes Leid.
Unser Passionsalter in unserer Kirche, gleich hinter dem Stall von der Krippe hat auch nicht nur eine Kreuzesdarstellung. Recht klein und gar nicht so direkt auffallend befindet sich über dem Bild mit dem Kreuz noch eine kleinere Bildtafel. Darauf ist der auferstandene Christus zu sehen. Wie gesagt recht klein und er ist auch gar nicht am Triumphieren, er sieht eher müde aus vom vielen Mit-leiden. Aber er hat die Hand zu segnen erhoben und hinter ihm spannt sich ein Regenbogen auf. Und wenn man lang genug hinschaut, hört man ihn flüstern: „Hab keine Angst ich bin bei Dir, alle Tage bis ans Ende der Welt.“


Thomas Drumm

Von Thomas Drumm, Herschweiler-Pettersheim, Evangelische Kirche

Namen sind nicht Schall und Rauch

Sonntag, 20. Dezember 2009     [Druckversion]

„Namen sind Schall und Rauch?“ – Von wegen! Ein Name sagt mehr über einen Menschen aus, als uns oft bewusst ist. Das gilt für jede Hanna und jeden Lukas heute – das gilt auch für den Namen, der für Christen einen besonderen Klang hat: Jesus.


Haben Sie schon mal drüber nachgedacht, was Ihr Name bedeutet und ob er zu Ihnen passt?

Oft suchen Eltern den Namen nicht bloß nach dem Klang aus oder nach der Mode, sondern sie verbinden mit dem Namen Wünsche für ihr Kind, manchmal auch Erwartungen.

Früher hat man ein Kind nach dem Vater benannt oder nach der Großmutter oder nach einem Paten. Das sollte es mit diesem Menschen besonders verbinden. Und man hat ge-hofft, dass dieser Mensch sich dann auch besonders um das Kind kümmert, dessen Namen es bekommen hat.

Vielleicht war die Hoffnung auch, dass sich Eigenschaften und Fähigkeiten des Vorfahren auf das Kind übertragen würden. Man hat einem Kind, das Luise hieß, wie die Großmutter, sicher oft von dieser Frau erzählt. Hat ihm gesagt: „Das hätte die Großmutter aber nicht so gemacht.“ Oder man hat ihm gesagt: „Prima! Das hätte die Oma gefreut.“ So hat mit der Zeit der Name das Kind geprägt.

Und mit anderen Namen geht das auch so, glaube ich. Hinter jedem Namen steht ja eine Bedeutung: Manfred „der friedliche Mann“, Hanna „die Anmutige“ und Christoph „der Christus im Herzen trägt“. So einen Namen zu tragen, empfinden manche wie eine Ver-pflichtung, manche Namen sind – zugegeben – auch eine Last.

Jedenfalls ist es wirklich spannend, die Bedeutung des eigenen Namens zu erforschen … und dieser Spur mal nachzugehen: Hat mein Name mich geprägt? Sagt mein Name etwas aus über mein Wesen, über meine Art?

Wenn ich in ein Trauerhaus komme, unterhalte mich mit den Angehörigen über den Ver-storbenen und sein Leben. Manchmal kommen wir dann auch auf seinen Namen zu spre-chen. Und da ist es ganz erstaunlich, wie oft es schon war, dass der Name wirklich zu dem Leben gepasst hat.

Da war eine Irene – ihr Name bedeutet „Frieden“. Und wirklich: Sie war die Friedfertige in der Familie, die immer wieder für Ausgleich gesorgt und sich um Versöhnung bemüht hat.

Oder über einen Peter – sein Name bedeutet: „Fels“ – haben die Angehörigen gesagt: „Ihn hat nichts aus der Ruhe gebracht. Er war wie ein Fels in der Brandung.“

„Namen sind Schall und Rauch?“ – Von wegen! Unser Name prägt uns und sagt mehr ü-ber uns aus als uns oft bewusst ist.

Das gilt auch für das Kind, das an Weihnachten geboren wurde – damals im Stall von Bethlehem. Auch es hat einen Namen, der zu ihm passt.

Sein Vater hatte einen Traum. Ein Engel ist ihm erschienen und hat zu ihm gesagt: »Dei-ne Verlobte wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben.« (Matthäus 1,21)

Auch dieser Name hat eine Bedeutung. Jesus kommt von Jeschua und das heißt: „Gott hilft“, „Gott rettet“.

Das war Jesus in die Wiege gelegt. Dieser Name war sein Lebensprogramm. Das war seine große Lebensaufgabe. Jesus – der Retter der Welt – sein Name ist Programm.

Teil 2
Namen haben eine Bedeutung und prägen uns. Das gilt auch für Jesus. Sein Name be-deutet „Gott rettet“. Jesus, der Retter der Welt.

Aber: Wie rettet Gott? Hat sich durch Jesus etwas geändert? Ist die Welt besser gewor-den seit Jesus? Existenzsorgen, Arbeitslosigkeit bedrohen uns. Und mal ehrlich: Von Frieden auf Erden ist wenig zu spüren – weder in der weiten Welt noch in unseren Dörfern und Familien.

Wie rettet uns Gott von dem, was uns bedroht und zerstört und was uns Angst macht? Wie macht Gott das?

Jesus wurde noch mit einem zweiten Namen benannt. Das kommt aus einer alten Pro-phezeiung, in der es heißt: »Eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben.« (Matthäus 1,23) Deshalb hat man Je-sus auch immer wieder den „Immanuel“ genannt.

Immanuel. Das heißt übersetzt: „Gott mit uns“. Und das ist Gottes Antwort auf die Not in der Welt: „Immanuel“ – Gott mit uns. Gott kommt zu uns in unsere Welt. Gott stellt sich uns zur Seite.

Gott ist damals gekommen vor 2.000 Jahren als kleines Kind im Stall von Bethlehem – nicht in einem Palast, sondern mitten in die Not der kleinen Leute hinein! Das feiern wir in wenigen Tagen an Weihnachten.

Und Gott kommt heute zu uns. Er ist bei uns, an unserer Seite – unsichtbar, aber wirk-lich. Und oft auch spürbar. Immer wieder finden sich Menschen, die mich spüren lassen, dass Gott mich nicht allein lässt. Ich denke, Sie haben das auch schon erlebt.

Und das ist es doch, was mir in schweren Zeiten hilft: Wenn da jemand ist, der meine Tränen und meinen Schmerz aushält. Einer, der mit mir aushält und mich nicht alleine lässt! Jemand, der mich nicht erziehen will, sondern mich spüren lässt, dass er mich mag.

Seit ein paar Jahren gibt es bei uns in der Gemeinde das Adventssingen.
An einem Abend in der Adventszeit besuchen wir mit den Jugendlichen vom Jugendkreis die ältesten Bürger in unserem Dorf. Wir gehen in die Häuser, singen mit den alten Leu-ten Advents- und Weihnachtslieder, lesen die Weihnachtsgeschichte und beten mit ihnen.

In diesem Jahr sagte mir eine Frau zum Abschied: „Vielen Dank, dass Ihr gekommen seid. Ich bin den ganzen Tag alleine und das ist schwer für mich. Manchmal habe ich den Eindruck, keiner denkt mehr an mich. Aber jetzt weiß ich es wieder: Gott hat mich nicht vergessen.“

So ist Gott. Er schenkt uns immer wieder Zeichen – Zeichen des „Immanuel“! Dass er uns nicht vergessen hat. Dass wir nicht alleine sind, auch nicht in der dunkelsten Stunde des Lebens. Denn auch hier ist Immanuel – „Gott mit uns“.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen einen frohen vierten Advent und ein gesegnetes Weih-nachtsfest.