Manuskripte

SWR4 Sonntagsgedanken

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Woche vom 05.04.2009 bis 11.04.2009




Jutta Wellhöner

Von Jutta Wellhöner, Offenburg, Evangelische Kirche

Palmarum

Sonntag, 05. April 2009     [Druckversion]

Teil 1

Zur Begrüßung des hohen Gastes hatten sich die Menschen einfach nur Zweige von den Palmen abgebrochen, und die Straßen dekorierten sie kurzerhand mit ihren Kleidern.
Die Erwartungen waren hoch, die Stimmung war hervorragend – und dann kam er.
Er ritt auf einem Esel.
In seinem Tross war ein Dutzend Männer, einfache schlichte Leute, keine Sicherheitsbeamten und keine Hofschranzen - einige Frauen waren auch dabei.
Das alles wirkte nicht besonders königlich-hochherrschaftlich.
Aber trotzdem haben die Menschen gespürt, dass hier jemand zu ihnen kommt, der ihr Leben von Grund auf verändern kann.
„Hosianna!“ haben sie deshalb gerufen. Und das heißt ja zu Deutsch: „Herr, hilf!!“

So erzählt die Bibel, wie Jesus damals in Jerusalem eingezogen ist.
Eine Woche vor dem Osterfest war das.
In Erinnerung an diesen Einzug in Jerusalem heißt der Sonntag eine Woche vor Ostern bis heute „Palmsonntag“ – wegen der Palmzweige, die die Leute auf die Straße gelegt haben.
Ich verbinde mit diesem Palmsonntag in diesem Jahr wieder die Hoffnung, dass Jesus auch zu uns kommt, dass er etwas bewirkt in unseren Köpfen und Herzen, dass sich in seinem Sinne etwas tut in unserer Gesellschaft, dass er auch in mir etwas in Gang setzt. Wenn ich daran denke, was mich in den letzten Wochen alles in Atem gehalten hat, dann kann nämlich auch ich nur sagen „Hosianna - Herr, hilf!“

Und wie kommt Jesus heute zu uns? Wie erreicht er mich, damit ich begreife, was zu tun ist? Ich denke an die Geschichte von Jesus auf dem Esel und frage mich: Könnte es sein, dass Jesus heute genauso zu uns kommt wie damals – durch einen Esel?!
So ein Esel ist ein überaus geduldiges Tier und so eine Eselsgeduld tut auch uns Menschen gut. Ich merke das ja an mir selber, wie immer alles zack zack gehen muss, manchmal fehlt mir dann einfach der Nerv, um an einer Sache dran zu bleiben. Umso wichtiger finde es da, dass wir uns in der Familie Zeit nehmen, um zusammen zu essen, dass wir wenigsten ein Mal am Tag rund um den Tisch sitzen und dann wirklich auch alles auf den Tisch kommt, was los ist! – Grad unsere Kinder und Jugendlichen brauchen das so, damit sie sich zurecht finden.

Und dann könnte ich mir auch vorstellen, dass Jesus uns manchmal auch durch die störrischen Esel hilft.
Die lassen sich nicht treiben, die bleiben einfach stehen, wenn sie nicht mehr weiter wollen. So eine Hartnäckigkeit finde ich wichtig. Man muss auch mal ein klares Nein sagen können, wenn’s zu viel wird. Oder wenn man sieht, was schief läuft. Ich schätze die kritischen Geister, die sich eben nicht von der öffentlichen Meinung vor sich hertreiben lassen, sondern tun, wovon sie überzeugt sind. Jesus kommt zu uns und hilft uns, darauf hoffe ich

Teil 2

Ab heute steht vor unsere Haustür ein Büschel aus Buchs und Thuia und was ich sonst noch so an Grünzeug in unserem Garten finden konnte.
Er erinnert mich daran, wie Jesus damals in Jerusalem eingezogen ist und wie die Menschen ihn mit Palmzweigen willkommen geheißen haben. „Hosianna!“ haben sie gerufen. „Herr, Gott hilf!“

„Mein Gott, hilf!“ das sag ich auch, wenn bei uns daheim was Schwieriges ansteht, wenn mein Mann auf die Autobahn rausfährt oder wenn ich auf dem Weg zum Arzt bin. Dann ist mir Gott wirklich willkommen und ich hoffe darauf, dass er da ist und mir zur Seite steht.

Aber manchmal sieht Gottes Hilfe dann anders aus als das, was ich mir vorgestellt habe.
Manchmal läuft es nicht so, wie ich das gerne hätte.
Manchmal wird der Berg einfach nicht kleiner, kaum ist hier ein Problem gelöst, geht’s an einer anderen Stelle grad so weiter.
Manchmal finde ich das richtig anstrengend und dann denke ich mir: Mein Gott, geht’s nicht auch ein bisschen einfacher?
Ja, ich verstehe gut, dass man sich manchmal fragt, was sich der liebe Gott wohl dabei gedacht hat. Ich bin ja selber auch manchmal enttäuscht.

Das ist selbst den Menschen so gegangen, die damals mit Jesus unterwegs gewesen sind und alles aus nächster Nähe mitbekommen haben.
Auch die Jünger haben etwas ganz anderes von Jesus erwartet, als sie damals mit ihm nach Jerusalem eingezogen sind, scheint mir.
Vielleicht habe sie gedacht: Mit Jesus wird alles gut. Mit Jesus zusammen haut uns nichts um. Vielleicht haben sie sich schon im Stillen ausgedacht, welches Pöstchen ihnen wohl zusteht, wenn Jesus erst mal an die Macht gekommen ist.
Aber dass er sich dann nicht wehrt, als er verhaftet wird, dass er sich nicht verteidigt, als er vor seinen Anklägern steht, dass er nicht wegläuft und sich einfach so ans Kreuz schlagen lässt, das haben die Jünger nicht erwartet.
„Das verstanden seine Jünger zuerst nicht!“ lese ich in der Bibel.
In diesem Satz ist es das kleine Wörtchen „zuerst“, was mich aufhorchen lässt.

Gott hat bestimmt noch einen Plan B, wenn bei uns nicht alles nach Plan läuft - so verstehe ich dieses Wörtchen „zuerst“.
Vielleicht ist es ganz gut, wenn nicht immer alles glatt und reibungslos läuft bei mir, dann kriege ich viel eher ein Gespür für die Menschen, denen es nicht so gut geht wie mir.
Vielleicht muss ich zuerst was aus der Hand geben und loslassen, damit Gott was in sie hinein legen kann.

Die grünen Büschel, die jetzt ab Palmsonntag vor den Türen stehen, die erinnern mich auch an die Leute, die zuerst nicht verstehen, was geschieht. Und die trotzdem hoffen, dass Gott helfen wird. Sie machen mir Mut zu beten: „Hilf doch, Gott!“
Denn auch wenn es manchmal anders kommt, als ich es erwarte: Gott wird mich nicht im Stich lassen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine jetzt „zuerst“ eine gesegnete Karwoche und dann auch frohe Ostern!