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SWR4 Sonntagsgedanken

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Woche vom 22.03.2009 bis 28.03.2009




Thomas Drumm

Von Thomas Drumm, Herschweiler-Pettersheim, Evangelische Kirche

Bergfest

Sonntag, 22. März 2009     [Druckversion]

Teil 1
Vielleicht machen Sie ja mit bei den Aktionen wie „Sieben Wochen anders leben“ oder „Sieben Wochen ohne“ und verzichten in diesen 40 Tagen auf etwas, von dem sie mei-nen, dass es nicht ohne geht: Auf Schokolade oder Kaffee, auf Zigaretten oder Alkohohl, auf das Auto oder vielleicht auch den Fernseher.
Wenn Sie bis heute durchgehalten haben, dann kann ich Sie beglückwünschen: Die erste Hälfte haben Sie geschafft. Heute ist Bergfest!
Darum wird in der kirchlichen Tradition der Sonntag heute auch „Klein-Ostern“ genannt – ein Sonntag der Freude mitten in der Fastenzeit. Vielleicht besser gesagt: Ein Sonntag der Vor-Freude. Denn noch haben Sie das Fasten ja nicht hinter sich. Aber die erste gro-ße Etappe – die haben Sie genommen.
Viele können es bestätigen: Verzichten und Fasten ist nicht nur anstrengend. Es tut auch gut. Es reinigt den Körper und die Seele. Fasten kann mir helfen, das Leben intensiver wahrzunehmen.
Eine Weile aus freien Stücken bewusst auf etwas verzichten, ist eine gute Übung. Lernen, von Gewohnheiten abzulassen und loszulassen, das macht frei und lässt uns bewusster leben.
Nicht nur, weil wir am Ende unseres Lebens, eh alles loslassen müssen. Nicht nur, weil das letzte Hemd keine Taschen hat und wir nichts in die Ewigkeit mitnehmen können.
Fasten ist auch deshalb hilfreich, weil ich auch im Leben immer wieder in Situationen komme, wo ich loslassen muss. Das kann bei jedem anders aussehen.
Der eine muss sich vielleicht verabschieden von Wünschen oder Plänen, die sich nicht verwirklichen lassen. Eltern müssen lernen, ihre größer werdenden Kinder loszulassen, und sie eigene Wege gehen zu lassen.
Vielleicht bin ich auch gezwungen wegen einer Krankheit auf manches zu verzichten – nicht nur auf die Lieblingsspeise, sondern auch auf Hobbys oder Veranstaltungen. Leben bedeutet immer auch Lernen loszulassen. Das gehört zum Leben wie das Atemholen.
Um zu leben, muss ich atmen – einatmen und ausatmen, und wieder einatmen und wie-der ausatmen. So geht es das ganze Leben lang – meistens unbewusst: einatmen und ausatmen, nehmen und geben, empfangen und loslassen.
Wer die eingeatmete Luft nicht mehr hergeben will, der erstickt. Und so ist es auch mit dem Leben überhaupt. Wer nur immer nur Empfangen will, wer immer nur haben will und krampfhaft an dem festhält, was er hat, der wird daran ersticken. Der wird sein Leben verlieren.
Wer aber bereit ist zu verzichten, wer abgeben und loslassen kann, dessen Leben be-kommt eine neue Qualität.

Jesus hat einmal gesagt:
„Wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren. Wer aber sein Leben verliert, weil er mir vertraut, der wird’s erhalten.“ (Lukas 9,24)

Teil 2

Wir machen uns und anderen das Leben schwer, wenn wir nicht loslassen können. Das gilt für das Leben im Allgemeinen. Und das gilt auch für den Glauben.
Es gibt in der Bibel manche Geschichte, die davon erzählt, dass Menschen eigentlich glauben wollten und Jesus nachfolgen, aber sie waren nicht bereit, Gewohntes loszulas-sen und Gott vorbehaltlos zu vertrauen.
Ich denke da an einen wohlhabenden Mann. Es war ihm ernst mit Gott und dem Glauben. Sein Leben lang hatte er sich an Gottes Gebote gehalten: Du sollst nicht ehebrechen. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Ein wirklich anständiger Mensch.
Dieser Mann kam zu Jesus und fragte: Was muss ich tun, um in den Himmel zu kom-men? Jesus hat ihn angesehen, und er hat mehr gesehen als die Oberfläche. Und er hat zu dem Mann gesagt: „Dein Leben ist vorbildlich. Doch eines fehlt dir. Dein Herz gehört nicht Gott, sondern deinem Geld. Deine Gedanken kreisen mehr um das Geld als um Gott.
Du willst dir mit Geld deine Zukunft sichern. Du vertraust dem Wohlstand mehr als Gott. Du siehst zu, dass du deine Schäfchen ins Trockene bringst und möglichst viel für dich selbst herausholst. Da bleibt nicht mehr viel übrig für andere. Du hast keine Zeit, du kannst ihnen nichts geben. Du vertraust bloß noch auf das, was du hast. Und zu wenig auf Gott, der dir helfen wird.“
Jesus wollte, dass der Mann das selbst begreift. Deshalb schlug er ihm vor: Verkaufe al-les, was du hast und was dich gefangen hält, und gib es den Armen. Dann wirst du se-hen, was man eigentlich zum Leben braucht.“
Das aber konnte der Mann nicht. Loslassen, was ihm lieb und teuer war. Loslassen, wofür er ein ganzes Leben lang gearbeitet hatte. Loslassen, worauf er seine Zukunft gebaut hatte … und Gott vorbehaltlos vertrauen? Dieser Preis war ihm zu hoch. Und er ging trau-rig davon …
Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Und ich? Soll ich etwa auch alles verkaufen, was ich habe? Meinen Bausparvertrag aufgeben? Oder die Ausbildungsversicherung für die Kinder? – Ich glaube, darum geht es gar nicht. Jesus geht es nicht einfach ums Geld, sondern um unser Herz und um das, worauf wir unser Vertrauen setzen.
Ob wir, wenn es darauf ankommt, Gottvertrauen haben. Ob wir glauben, dass wir uns das Leben kaufen können, wenn wir nur genug Geld haben. Oder ob wir begreifen, dass ganz anderes wichtig ist, damit man gut leben und am Ende sogar gut sterben kann. Gottvertrauen, Menschen, die einen lieb haben, eine Aufgabe, die dem Leben Sinn gibt.
Ich finde es wichtig, auf sein Herz zu hören und sich ehrlich zu fragen: Was hält mich da-von ab, mich ganz auf Gott zu verlassen? Da ist das Fasten eine gute Übung. Wer Ge-wohntes zurücklassen kann und sich auf Gott ausrichtet, dessen Leben bekommt einen neuen Inhalt und einen neuen Sinn.