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SWR4 Sonntagsgedanken

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Woche vom 08.03.2009 bis 14.03.2009




Bernhard Riesch-Clausecker

Von Bernhard Riesch-Clausecker, Rottenburg-Wurmlingen, Evangelische Kirche

Lukas 8,4ff

Sonntag, 08. März 2009     [Druckversion]

Teil I
Demnächst beginnt die Gartensaison wieder. Der Frühling guckt schon um die Ecke, Gott sei Dank nach dem langen Winter. Felder und Gärten werden bald bestellt und die Zeit zum Säen kommt. Wer sät, will auch ernten, na klar. Und möglichst reichlich natürlich. Drei Viertel Verlust wären da nicht wirklich ein Erfolg. Das wären ja Zustände wie bei der Finanzkrise. Drei Viertel Verlust, das wäre schwer auszuhalten.
Jesus jedoch erzählt eine solche Geschichte. Als Gleichnis für Gottes Welt. Er erzählt von einem Sämann, der hinaus auf seinen Acker geht, um zu säen. Und beim Säen fällt etli-ches von den Samenkörnern auf den Weg und wird zertreten und die Vögel fressen es auf. Anderes fällt auf felsigen Boden und verdorrt, weil es keine Feuchtigkeit hat. Wieder anderes fällt mitten unter die Dornen und die Dornen wachsen mit ihm auf und ersticken es. Und wieder anderes schließlich fällt auf guten Boden, geht auf und bringt hundertfa-che Frucht.
Nur 25 Prozent Erfolg, drei Viertel Verlust, so geht es manchmal zu in Gottes Welt. Wie soll man das verstehen? Sind in dem Gleichnis wir Menschen der Same, der ausgesät wird? Wir sind Samen, der Frucht bringen soll. Ein schöner Gedanke eigentlich. Vor al-lem, wenn einer diese Erfahrung machen kann. Das, was ich tue, bringt etwas. Im Beruf gelingt, was ich anpacke. Die Kinder entwickeln sich prächtig. Man schätzt mich, ich bin angesehen. Wie gut hat’s einer, der in diesem Bewusstsein leben kann, fruchtbar zu sein.
Aber wer ist dann Samen, der nicht aufgeht? Viel zu viele Menschen müssen von sich sagen: Ich erlebe mich als verlorenen Samen, wie hingeworfen in eine feindliche Welt. Ich habe keinen Wurzelboden gefunden, in dem ich mich entwickeln konnte, habe keinen Raum gefunden, nur kalte Felsen und Disteln. Mir gelingt kaum etwas. Ich zweifle daran, ob ich anderen Menschen etwas wert bin. Gibt es Menschen, die verloren gehen? Hätte der Sämann nicht besser acht geben können, damit nichts verloren geht?
Einspruch. Dagegen protestiere ich. In der Geschichte geht der Sämann auf seinen A-cker, um zu säen, nicht um daneben zu säen. Er will den Erfolg, er will eine reiche Ernte, er wäre ja ein schlechter Sämann, wenn es anders wäre. Alle sind guter Samen. Alle sind dazu bestimmt, Frucht zu tragen. Kein Samen wurde absichtlich daneben geworfen. In jedem Samenkorn steckt dasselbe Programm zum Leben. Es konnte sich nur nicht entfal-ten. Es gibt Bedingungen, unter denen ich vielleicht auch verkümmert wäre. Unsere Welt ist so. Es gibt in ihr Bedingungen, die das Leben verhindern und Frucht tragen vielleicht unmöglich machen.

Teil II
Von einem Sämann erzählt Jesus als Gleichnis für Gottes neue Welt. Dieser Sämann geht hinaus auf seinen Acker, um zu säen. Drei Viertel fällt dabei auf schlechten Boden, nur ein Viertel des Samens geht auf und bringt viel Frucht. Drei Viertel Verlust, nur 25 Pro-zent Erfolg, wie soll man das verstehen?
Jesus will nicht einteilen in erfolglose und erfolgreiche Menschen. Die einen bringen Frucht, die anderen gehen verloren. Nein. Keiner darf abgeschrieben werden. Und nie-mand muss sich selber abschreiben. Denn schon manches Korn, das in den harten Boden getreten wurde, hat sich als stärker erwiesen und keimte auf. Was ein Vogel holt, wird ihm abgejagt und fällt auf fruchtbare Erde. Und ein Platzregen macht scheinbar Verdorr-tes wieder lebendig. Nein, das Gleichnis ist nichts für Erbsenzähler oder Samenzähler. Im Gegenteil, um Verschwendung geht es.
Mit dem Reich Gottes, sagt Jesus, mit Gottes neuer Welt verhält es sich so wie mit dieser Aussaat. Da wird nicht geknausert. Da wird nicht gefragt, was es nützt und was es kos-tet. Und da wird vor allem nicht gesagt, es lohnt sich nicht, es bringt nichts. Mit vollen Händen streut der Sämann seine Saat aus, auch am Wegrand, auch dort, wo der felsige Untergrund nah ist, auch dort, wo Disteln und Dornen wachsen. Verschwenderisch.
Und wo verschwendet wird, kann auch etwas wachsen. Haben wir was zu verschwenden in Zeiten, in denen jeder sehen muss, dass er zu seinem Sach kommt? Ein Versuch ist die Vesperkirche: In unserer Kirchengemeinde gibt es die jetzt im zweiten Jahr. Im Janu-ar und im Februar kann man im Gemeindezentrum Mittagessen. Und es kostet so viel, wie ich geben kann oder geben will. Das Angebot richtet sich nicht nur an Menschen mit geringem Einkommen. Solidaresser sind ausdrücklich erwünscht. Die können mehr be-zahlen. Medizinische Betreuung gehört dazu. Insgesamt über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen an den verschiedenen Tagen mit, teilen Essen aus, hören zu, versu-chen ein wenig menschliche Wärme zu geben. Das wichtigste dabei ist die Gemeinschaft, die entsteht. Armut ist kein Grund mehr, nicht dazu zu gehören.
Gewiss, an den Ursachen, warum jemand arm ist, ändert sich dadurch nicht viel. Aber die Gemeinschaft, die hier erfahren werden kann, verändert alle, die sich darauf einlassen. Und ich bin überzeugt, dass da etwas zu keimen anfängt, wächst und gedeiht. Bei denen, die helfen und eine Aufgabe darin finden. Und bei denen, die kommen, essen und erfah-ren, ich bin was wert, ich bin nicht abgeschrieben. Wo Liebe verschwendet wird, kann neues wachsen.