Woche vom 01.03.2009 bis 07.03.2009 
Versuchungen
Sonntag, 01. März 2009
Ich möchte Ihnen heute Morgen nicht den Appetit beim Frühstück verderben, wenn ich Sie jetzt mitnehme in einen menschlichen Abgrund. Heute am 1. Fastensonntag wird in den katholischen Gottesdiensten über die Versuchungen gesprochen, denen Jesus von Nazareth ausgesetzt war. Der Evangelist Matthäus berichtet von drei Versuchungen (Mt 4).
1. Teil
Die erste Versuchung besteht darin, alles unter dem Aspekt zu sehen: Was bringt’s mir? Was nützt es mir? „Befiel, dass aus diesen Steinen Brot wird“, sagt der Versucher zu Jesus. Jesus soll seine göttliche Kraft dazu verwenden, alle menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen.
Manche erwarten das heute von den politisch Verantwortlichen. Die sind vielfach überfordert. Natürlich müssen sie sich um Arbeitsplätze bemühen. Natürlich müssen sie schauen, wie die finanzielle und wirtschaftliche Krise vermindert oder gar beseitigt wird. Ich denke grad an einen Familienvater mit drei Kindern, der nur einen Zeitvertrag hatte und jetzt ohne Arbeit da steht. Er möchte nicht Sozialempfänger werden. Aber es ist schlimm, dass er auf seine Bewerbungen nur Absagen bekommt.
In der Versuchungsgeschichte geht es noch um mehr. In jedem Menschen steckt ein Hunger, der nicht durch Geld und Konsum zu beheben ist. Wer hungert nicht danach, dass er von andern anerkannt wird, dass er sich akzeptiert fühlt! „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, sagt Jesus, „sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“
Was kommt aus Gottes Mund? Keine Botschaft, die mich nieder macht, die mir vorhält, wo ich überall versagt habe, was ich nicht fertig gebracht habe. Gottes Wort will mich aufrichten, mir Mut machen, dass ich meines Lebens froh werde. Dann kann ich mich auch dem stellen, was mich herausfordert oder belastet. Gottes Wort spiegelt sich in den Worten eines Mitmenschen, der mich ermutigt, der mich tröstet, wenn ich am Boden bin, der mich spüren lässt: ich verstehe dich.
Das haben die Menschen gespürt, die Jesus begegnet sind. Das sollen sie auch heute spüren – durch Sie und mich.
In der zweiten Versuchung soll Gott herhalten, um die Gegner zu besiegen. Ich führe zwar das Wort Gott im Mund, aber eigentlich will mein Ego befriedigt werden. „Gott mit uns“ und dann los gegen den Andern! Aber der Andere ist genau so wie ich ein Abbild Gottes. Er hat genau so eine Sehnsucht wie ich. Er möchte wie ich geschätzt und anerkannt sein.
2. Teil
In der Versuchungsgeschichte Jesu, über die heute in den katholischen Gottesdiensten gepredigt wird, geht es zunächst um den totalen Konsum, dann darum, Gott zu vereinnahmen für meine Ziele. Die dritte Versuchung ist die zur Macht. Sie spiegelt sich in jenen Märchen, die von einem Teufelspakt sprechen. Der Mensch betet die Macht an, mit der er andere beherrschen will. Im Dritten Reich haben wir das in grausamer Weise erlebt. Wo Macht missbraucht wird, endet alles im Chaos. Man braucht nur die diktatorischen Regime in der Welt anzuschauen.
Aber auch eine demokratische Regierung ist nicht davor gefeit, Macht zu missbrauchen. Denn immer sind es Menschen, die handeln – und in jedem Menschen steckt diese Versuchung. Wer immer mit andern Menschen zu tun hat, kann in diese teuflische Versuchung geraten. Wer sich aber wie im Märchen dem Teufel verschreibt, verliert seine Freiheit und wird seelisch kalt und unbarmherzig. Wer dagegen der Versuchung widersteht wie Jesus, schafft eine heilende Atmosphäre um sich. Der Evangelist Matthäus drückt dies so aus: „Es kamen Engel und dienten ihm.“
Jesus widerstand in seinem Leben der Versuchung zur Gewalt, auch wenn er selbst ein Opfer der Gewalt wurde. Später passierte dasselbe Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Erzbischof Romero, um nur einige berühmte Vertreter der Gewaltfreiheit zu nennen. Da spüren wir, wie gerade gewaltfreie Menschen von andern als Bedrohung angesehen werden. Darum beten die Christen in Lateinamerika nicht: „Führe uns nicht in Versuchung.“ Sie sagen: „Lass uns in der Versuchung nicht fallen.“
Die Versuchung zur Macht ist da, sie steckt in uns Menschen. Wer ihr aber ins Angesicht schaut, kann sich wappnen, dass er ihr nicht verfällt. Die Fastenzeit, die am Aschermittwoch begonnen hat, lädt dazu ein, aufmerksamer zu sein – aufmerksamer auf all die Situationen, wo die Macht uns bedroht. Keiner ist davor gefeit, den andern beherrschen zu wollen. Wer fastet und sich im Verzichten übt, der ist auch sensibel, wenn ihn die Versuchung überkommt, jemand beherrschen zu wollen. Freiwilliges Verzichten schenkt innere Freiheit. Wer aber frei ist, der lässt sich auch nicht durch die Macht versklaven. Er versucht vielmehr, nach der Goldenen Regel der Bergpredigt Jesu zu leben: „Was du willst, dass dir die Andern tun, das tu du ihnen.“
Wo dieser Geist herrscht, ist keine Gefahr, Macht zu missbrauchen. Da wird vielmehr alle Macht dazu benützt, Menschen zu helfen, sich zu entfalten und all das einzubringen, was jeden Menschen persönlich auszeichnet, seine Begabung, seine Fähigkeiten. So wird das Leben sinnvoll und wir können einander glücklich machen.
1. Teil
Die erste Versuchung besteht darin, alles unter dem Aspekt zu sehen: Was bringt’s mir? Was nützt es mir? „Befiel, dass aus diesen Steinen Brot wird“, sagt der Versucher zu Jesus. Jesus soll seine göttliche Kraft dazu verwenden, alle menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen.
Manche erwarten das heute von den politisch Verantwortlichen. Die sind vielfach überfordert. Natürlich müssen sie sich um Arbeitsplätze bemühen. Natürlich müssen sie schauen, wie die finanzielle und wirtschaftliche Krise vermindert oder gar beseitigt wird. Ich denke grad an einen Familienvater mit drei Kindern, der nur einen Zeitvertrag hatte und jetzt ohne Arbeit da steht. Er möchte nicht Sozialempfänger werden. Aber es ist schlimm, dass er auf seine Bewerbungen nur Absagen bekommt.
In der Versuchungsgeschichte geht es noch um mehr. In jedem Menschen steckt ein Hunger, der nicht durch Geld und Konsum zu beheben ist. Wer hungert nicht danach, dass er von andern anerkannt wird, dass er sich akzeptiert fühlt! „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, sagt Jesus, „sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“
Was kommt aus Gottes Mund? Keine Botschaft, die mich nieder macht, die mir vorhält, wo ich überall versagt habe, was ich nicht fertig gebracht habe. Gottes Wort will mich aufrichten, mir Mut machen, dass ich meines Lebens froh werde. Dann kann ich mich auch dem stellen, was mich herausfordert oder belastet. Gottes Wort spiegelt sich in den Worten eines Mitmenschen, der mich ermutigt, der mich tröstet, wenn ich am Boden bin, der mich spüren lässt: ich verstehe dich.
Das haben die Menschen gespürt, die Jesus begegnet sind. Das sollen sie auch heute spüren – durch Sie und mich.
In der zweiten Versuchung soll Gott herhalten, um die Gegner zu besiegen. Ich führe zwar das Wort Gott im Mund, aber eigentlich will mein Ego befriedigt werden. „Gott mit uns“ und dann los gegen den Andern! Aber der Andere ist genau so wie ich ein Abbild Gottes. Er hat genau so eine Sehnsucht wie ich. Er möchte wie ich geschätzt und anerkannt sein.
2. Teil
In der Versuchungsgeschichte Jesu, über die heute in den katholischen Gottesdiensten gepredigt wird, geht es zunächst um den totalen Konsum, dann darum, Gott zu vereinnahmen für meine Ziele. Die dritte Versuchung ist die zur Macht. Sie spiegelt sich in jenen Märchen, die von einem Teufelspakt sprechen. Der Mensch betet die Macht an, mit der er andere beherrschen will. Im Dritten Reich haben wir das in grausamer Weise erlebt. Wo Macht missbraucht wird, endet alles im Chaos. Man braucht nur die diktatorischen Regime in der Welt anzuschauen.
Aber auch eine demokratische Regierung ist nicht davor gefeit, Macht zu missbrauchen. Denn immer sind es Menschen, die handeln – und in jedem Menschen steckt diese Versuchung. Wer immer mit andern Menschen zu tun hat, kann in diese teuflische Versuchung geraten. Wer sich aber wie im Märchen dem Teufel verschreibt, verliert seine Freiheit und wird seelisch kalt und unbarmherzig. Wer dagegen der Versuchung widersteht wie Jesus, schafft eine heilende Atmosphäre um sich. Der Evangelist Matthäus drückt dies so aus: „Es kamen Engel und dienten ihm.“
Jesus widerstand in seinem Leben der Versuchung zur Gewalt, auch wenn er selbst ein Opfer der Gewalt wurde. Später passierte dasselbe Mahatma Gandhi, Martin Luther King und Erzbischof Romero, um nur einige berühmte Vertreter der Gewaltfreiheit zu nennen. Da spüren wir, wie gerade gewaltfreie Menschen von andern als Bedrohung angesehen werden. Darum beten die Christen in Lateinamerika nicht: „Führe uns nicht in Versuchung.“ Sie sagen: „Lass uns in der Versuchung nicht fallen.“
Die Versuchung zur Macht ist da, sie steckt in uns Menschen. Wer ihr aber ins Angesicht schaut, kann sich wappnen, dass er ihr nicht verfällt. Die Fastenzeit, die am Aschermittwoch begonnen hat, lädt dazu ein, aufmerksamer zu sein – aufmerksamer auf all die Situationen, wo die Macht uns bedroht. Keiner ist davor gefeit, den andern beherrschen zu wollen. Wer fastet und sich im Verzichten übt, der ist auch sensibel, wenn ihn die Versuchung überkommt, jemand beherrschen zu wollen. Freiwilliges Verzichten schenkt innere Freiheit. Wer aber frei ist, der lässt sich auch nicht durch die Macht versklaven. Er versucht vielmehr, nach der Goldenen Regel der Bergpredigt Jesu zu leben: „Was du willst, dass dir die Andern tun, das tu du ihnen.“
Wo dieser Geist herrscht, ist keine Gefahr, Macht zu missbrauchen. Da wird vielmehr alle Macht dazu benützt, Menschen zu helfen, sich zu entfalten und all das einzubringen, was jeden Menschen persönlich auszeichnet, seine Begabung, seine Fähigkeiten. So wird das Leben sinnvoll und wir können einander glücklich machen.



