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Woche vom 14.12.2008 bis 20.12.2008




Thomas Drumm

Von Thomas Drumm, Herschweiler-Pettersheim, Evangelische Kirche

Warten

Sonntag, 14. Dezember 2008     [Druckversion]

Einer wartet immer … mit diesen Worten endet der große Italo-Western „Spiel mir das Lied vom Tod“. Einer wartet immer.

Wie im wahren Leben. Auch wir müssen oft genug warten: Auf den Bus, auf den Zug, beim Arzt oder darauf, dass der andere auch fertig wird und man endlich los kann. Leben bedeutet immer auch warten.

Auch für Johannes. Der Johannes aus der Bibel. Der Jesus getauft hatte – damals im Jor-dan. Der Johannes, den man darum auch den „Täufer“ nennt.

Auch der hat gewartet – im Gefängnis gewartet – nicht nur auf einen fairen Prozess und auf seinen Freispruch. Er hat auch gewartet auf den, den die alten Propheten vor langer Zeit angekündigt haben. Den Einen, der kommen soll, der Israel erlösen wird, der das Volk befreien wird von seinen Unterdrückern. Vor allem auf den hat Johannes gewartet.

Und da hört er in seiner dunklen Zelle ein Gerücht: Er ist gekommen! Er ist da, der Mes-sias: Jesus aus Nazareth! Es hat sich erfüllt. Johannes will es glauben, aber das fällt ihm schwer: Soll es wirklich wahr sein? Nach all den vielen Jahren des Wartens?

Es waren doch schon so viele da, die von sich behauptet haben, sie seien es. Und dabei waren sie alle nur kleine Lichter, die nicht halten konnten, was sie groß versprochen ha-ben. Heute erinnert sich keiner mehr an die. Woher kann ich wissen, dass es dieses Mal stimmt?

Die Zweifel lassen Johannes keine Ruhe. Er will es wissen. Und er schickt Boten zu Jesus und lässt sie fragen: „Sag, bist du es, der da kommen soll? Bist du es wirklich oder sollen wir auf einen anderen warten?“

Johannes hat den Mut, seine Fragen zu stellen. Das imponiert mir. Manche meinen ja, in der Kirche seien Fragen nicht erlaubt und man müsste alles schlucken, was man da vor-gesetzt bekommt. Aber das hilft keinem weiter. Johannes spricht seine Zweifel ehrlich aus und hält mit seinen Fragen nicht hinterm Berg.

Die Antwort, die Jesus gibt, überrascht im ersten Moment. Denn es ist keine direkte Ant-wort, sondern Jesus sagt den Boten: „Schaut euch um und dann geht wieder zurück zu Johannes und berichtet ihm, was ihr gesehen habt: Blinde können wieder sehen, Ge-lähmte wieder gehen, Kranke werden gesund. Und den Armen wird das Evangelium ver-kündigt.“ Typisch Gott, oder?

Johannes hat all das nicht selbst erlebt. Er war nicht dabei, als das alles geschehen ist. Er hatte nur das Wort der Boten. Aber dieses Wort hat ihm die Kraft gegeben, es weiter auszuhalten in seiner Einsamkeit im Gefängnis. Auch wenn er selbst in seiner Situation nichts von Gottes Kraft gespürt hat, Johannes konnte an der Hoffnung festhalten. Und so weiter auf Hilfe warten.

Teil 2
Menschen begegnen Jesus und Gott gibt ihnen eine neue Perspektive für ihr Leben. So haben es die Boten beobachtet, die Johannes geschickt hatte. Und das haben sie ihm im Gefängnis ausgerichtet: „Blinde können wieder sehen, Gelähmte gehen, Kranke werden gesund. Und den Armen wird das Evangelium verkündigt.“ - Gott kann das auch noch heute: Menschen und Situationen verändern.

Mir fällt da ein junger Mann ein, Mitte 40. Immer tiefer ist er in die Sucht gerutscht. Klas-sische Alkoholiker-Karriere: Immer öfter einen über den Durst getrunken, Führerschein weg, Job verloren, auf Entzug. Ein paar Monate ist es gut gegangen, dann hat er sich stark genug gefühlt und wieder angefangen zu trinken – und alles ging von vorne los.

Da kommt er an einem Abend in eine Veranstaltung der Kirche. Er kommt ins Nachden-ken: was ist denn wirklich wichtig für mich? Und er erkennt: Der Alkohol kann meine Sehnsucht nach Geborgenheit und Anerkennung gar nicht stillen. Aber Gott kann das. Und das hat den Mann verändert. Es war noch ein langer Weg, bis er trocken war, aber er hat es geschafft. Wie gelähmt war er in seiner Sucht. Jetzt konnte er Schritt für Schritt davon los kommen.

Oder ich denke an eine ältere Frau. Sie hatte sich mit ihrem Sohn verkracht. Fast 25 Jah-re lang haben die beiden nicht miteinander geredet. Kein Besuch, kein Brief, nicht einmal ein Anruf zu Weihnachten. In einem Gottesdienst hört sie die Worte: „Und vergib uns un-sere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“. Auf einmal hört sie, was sie vorher nicht hören konnte. Oder nicht hören wollte: Das gilt auch für mich.

Sie ist nach Hause gegangen, hat sie sich hingesetzt und ihrem Sohn einen langen Brief geschrieben. Alles aufgeschrieben, was sie verletzt hat, und um Vergebung gebeten, wo sie schuldig geworden war. Was sie vorher nicht sehen konnte – oder nicht sehen wollte: Jetzt sieht sie auch ihren Teil der Schuld. Es ist zur Versöhnung gekommen.

„Blinde können wieder sehen, Gelähmte wieder gehen, Kranke werden gesund. Und den Armen wird das Evangelium verkündigt.“ Menschen begegnen Jesus und bekommen eine neue Perspektive für ihr Leben – damals wie heute. Wo Menschen sich von ihm ange-sprochen fühlen, werden sie verändert und werden heil. Das haben viele so erlebt.

Und die, die noch immer auf Hilfe warten, wie Johannes damals in seinem Gefängnis? – Die brauchen nicht länger zu denken: für mich gibt es keine Hilfe. Für mich ist es ganz aussichtslos.

Gott weiß einen Weg, auch für die, die immer noch warten. Manchmal sieht der anders aus als das, was ich erhoffe. Aber das Warten lohnt sich. „Schaut euch um!“ hat Jesus dem wartenden Johannes ausrichten lassen. „Gott kann euch helfen!“

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen besinnliche und erwartungsvolle Adventstage.