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SWR4 Sonntagsgedanken

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Woche vom 22.06.2008 bis 28.06.2008




Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Sonntag, 22. Juni 2008     [Druckversion]

Teil 1

„Für eine Nacht voller Seligkeit, da geb ich alles hin,“ hat Marika Röck vor vielen Jahren ein bisschen frivol gesungen. Und wenn ich mehr will, als bloß eine Nacht voller Seligkeit? Was müsste ich dafür geben?
Manchmal wird ja ein besonders frommer Mensch in Rom selig gesprochen. Da muss vorher was nachgewiesen werden: besondere Leistungen, außerordentlicher Glaube, selbstlose Nächstenliebe, ein Wunder womöglich. Wo das alles zusammenkommt, da halten es Menschen für möglich, dass ein anderer selig ist.
Wenn ich also selig werden möchte – dann muss ich mich langsam ranhalten. Endlich was Großes leisten, was Mutiges. Oder ist es vielleicht schon zu spät? Bin ich womöglich sowieso zu schwach, zu wenig mutig, einfach nicht geeignet für die Seligkeit?
Die ersten Christen haben das anders gesehen, lehrt mich die Bibel. Denen hat einer ihrer Lehrer geschrieben: „Ihr seid selig geworden“ (Eph 2, 8) Und das gilt, meine ich, für uns heute genuso wie für die Leute damals. „Ihr seid selig geworden!“ Nicht: ihr werdet selig werden, irgendwann später, am Ende der Tage, wenn ihr euch genug Mühe gebt und alles richtig macht. Nein: „ihr seid selig geworden!“
Selig. Wenn Sie nicht gerade im Auto sitzen: Machen sie mal die Augen zu und versuchen Sie sich zu erinnern, wie sich das anfühlt, wenn man selig ist. Als Kind, wenn sich ein Wunsch erfüllt hat. Später dann, wenn ein Traum wahr geworden ist. Wenn man etwas besonders Schönes erlebt hat: Für eine Weile ist man dann volkommen glücklich. Von so einem seligen Augenblick wünscht man sich, dass er nie vorüber geht. Dass er ewig dauern möchte.
Und das soll ich schon sein? Selig? Marika Röck hat gewusst, was einen selig macht. Selig ist man, wenn man sein Herz verschenken kann, geht ihr Lied weiter. Wenn ich mein Herz verschenken kann – einem anderen ganz vertrauen, mich jemandem anvertrauen: dann bin ich selig. Wenn ich mich darauf verlassen kann: der bleibt bei mir, dem kann ich alles sagen. Der hält mit mir aus, auch meine Merkwürdigkeiten, auch meine Schwächen. Der freut sich, wenn ich glücklich bin und lässt mich nicht allein, wenn ich traurig bin. Dann kann man selig sein.
Genauso sieht das die Bibel auch: Selig wird man durch den Glauben, lese ich da. Glauben heißt, auf Gott vertrauen. Sich Gott anvertrauen. Wer sich Gott anvertrauen kann, der ist gut dran. Selig.

Teil

Selig ist, wer sich auf Gott verlassen kann. Spüren sie dem Wort mal nach: „sich ver-lassen“. Ich verlasse mich, ich lasse meine Ängste, lasse das Gefühl, alles selber hinkriegen zu müssen, lasse die Sorge, dass ich es sowieso nicht schaffen kann. Stattdessen verlasse ich mich auf Gott: auch wenn es schlimm kommt wird er bei mir sein. Er tröstet und er schickt Hilfe. Selig ist, wer sich darauf verlassen kann.
Aber liebe Frau Pfarrerin, sagen sie jetzt vielleicht: wissen Sie denn nicht, dass man irgendwann auch ziemlich verlassen dastehen kann, wenn man sich auf jemanden verlässt? Doch, das weiß ich. Aber ich glaube: Gott ist anders. Gott hält sein Versprechen. Er ändert weder seinen Geschmack noch seine Meinung. Er ist treu. Darauf will ich mich verlassen. Und ich spüre, dass mich das ruhiger macht und manchmal richtig froh. Selig.
Aber kann man sich das wirklich einfach so vornehmen? Ab heute will ich auf Gott vertrauen? Oder muss man dazu, wie Marika Röck in ihrem Lied singt, die richtige Stimmung haben? Muss man irgendwie religiös veranlagt sein, damit man sich auf Gott verlassen kann.?
Nein, antwortet der biblische Briefschreiber den ersten Christen. Glauben können ist ein Geschenk. Eine Gabe. Eine Gnade. Nur Gott selbst, sein Heiliger Geist kann einem das schenken, dass man glauben kann. Eigentlich genau wie bei der Liebe. Man kann sich nicht vornehmen, zu lieben. Die ist auf einmal da, die Liebe und manchmal eben auch nicht und manchmal vergeht sie wieder. Ein Geschenk, das einen selig macht.
Genauso wie der Glaube. Den kann man sich nicht erarbeiten und nicht verdienen. Aber man kann sich öffnen. Man kann Gott sein Herz hinhalten, wie man der Sonne das Gesicht hinhält und ihre Wärme spürt. Man kann es probieren, sich auf Gott einlassen. Bei meiner Freundin hat es mit einem Kirchenkonzert angefangen. Dann ist sie in den Chor gegangen. Die Musik hat ihr das Herz geöffnet und die Worte haben sich in ihr fest gesetzt. Irgendwann haben sie gesungen: „Er hat seinen Engeln befohlen über dir, dass Sie dich behüten.“ – und dann war er da, der Glaube, dass das auch für sie gilt und für ihre Kinder. Und sie war selig. Natürlich, es gibt auch andere Zeiten. Aber immer neu berührt sie diese Musik und erinnert sie wieder. Dann atmet sie tief durch, wischt sich die Tränen ab und singt mit. Und sie begreift, was jener erste christliche Lehrer gemeint hat, als er geschrieben hat: „Aus Gnade seid ihr selig geworden durch den Glauben. Und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.“