Manuskripte

SWR3 Worte

Aktuelle Woche   Archiv

Woche vom 23.01.2011 bis 29.01.2011




Ilka Sobottke

Von Ilka Sobottke, Mannheim, Evangelische Kirche

Ich-bin-da

Samstag, 29. Januar 2011     [Druckversion]

Du haust die Dinge nicht kurz und klein
du flüsterst Mutparolen in mein Herz
Du füllst Blei in meine Beine, wenn ich standhalten will.
Den Angreifern gibst du keins auf die Mütze.
Aber du stehst bei den Schwachen
Und machst sie stark.
Dein Halfter ist leer.
Du zeigst nicht wo's lang geht,
du bist der Weg.
Die Seelenmonster unter meinem Bett vertreibst du,
und in meinen Träumen machst du mich groß.
Du bist Nachtvertreiber
Große Schwester
Ich-bin-da

Susanne Niemeier
Der andere Adventskalender 12.12.2010,  Verlag andere zeiten e.V., Hamburg 2010

Per E-Mail empfehlen

Eine wunderbare Nacht

Freitag, 28. Januar 2011     [Druckversion]

In Mannheim ist wieder Vesperkirche Bänke sind aus der Kirche geräumt, stattdessen sind da Tische und Stühle und jeden Tag kommen mehr als 400 Einsame und Hungrige, Obdachlose und Vergessene kommen zusammen, begegnen einander, helfen einander.

Einer meint:

Ich muss Ihnen was erzählen, ich hatte eine wunderbare Nacht:
Ich übernachte ja immer in der Bahn
Aber dann bin ich eingeschlafen
hab verpasst rechtzeitig umzusteigen
dann war da Endstation, ich allein auf dem Bahnhof
mit Schnee und Eis.
Da kam die Polizei, die haben gleich gesagt:
„Der erfriert ja hier"
Dann haben sie mich mitgenommen
in die Zelle gesetzt, den Fernseher zu mir gedreht
da war's warm und dann haben sie mir noch einen Kaffee gemacht
das war wunderbar.
Die haben mich gerettet!
Wer hätte das gedacht...

Per E-Mail empfehlen

Dass du mein Kind bist

Donnerstag, 27. Januar 2011     [Druckversion]

Vesperkirche in Mannheim. Seit 14 Jahren gibt es dieses Projekt und jedes Jahr wird es nötiger, jedes Jahr kommen mehr Leute.
Junkies und Obdachlose, Mütter mit ihren Kindern, alte Damen, die zu hause alleine wären.
Alle kommen zum essen, zum reden.
Alle hoffen dass ihnen jemand zuhört:

Eine erzählt:

Ich hatte lange keinen Kontakt mit meinem Vater
Als ich damals den Entzug nicht geschafft habe
Hat er gesagt „Ich hab keine Tochter mehr".
Und dies Jahr an Weihnachten war ich wieder ganz allein.
Meine Kinder haben sie mir ja auch weggenommen.
Sie wissen ja warum.
Aber jetzt hören sie mir zu,
jetzt habe ich erfahren dass mein Vater krank ist
da hab ich mich getraut ihn anzurufen
Ich hab ihm gesagt „Du weißt doch ich bin's
Ich bin deine Tochter."
und wissen sie was er gesagt hat:
„Ich weiß dass du mein Kind bist
und ich habe jeden Tag an dich gedacht."
Da hab ich so geweint.
Ich weiß dass ich es jetzt schaffen werde
Weil ich weiß dass er mich immer noch liebt...

Per E-Mail empfehlen

Brot mit Margarine

Mittwoch, 26. Januar 2011     [Druckversion]

In der offenen Weihnachtsfeier am Heiligen Abend waren über 100 Menschen in der CityKirche Konkordien. Es gab Braten zu essen, Salat und Plätzchen und Musik und in der Nacht noch einen Gottesdienst.
Mehr als zwanzig Ehrenamtliche halfen bedienen und spülen,
sie hörten aber vor allem auch den Leuten zu.

Einer der Helfer erzählt:

Ich konnte mir nicht vorstellen,
was das heißt, wenn die Leute sagen,
dass es Arme gibt hier bei uns.
Dann hab ich mit der Frau geredet.
Die hat da gesessen und ihre Augen haben geleuchtet
Und sie hat geweint
als sie das Essen gesehen hat
auf ihrem Teller.
Und dann hat sie erzählt,
dass sie drei Tage nichts gegessen hat
als Brot mit Margarine.
Und ich hab sie gesehen wie sie ihren Braten gegessen hat,
das war unglaublich...

Per E-Mail empfehlen

Weil Gott mich liebt

Dienstag, 25. Januar 2011     [Druckversion]

Etwa 400 Menschen kommen jeden Tag in die Vesperkirche in Mannheim.
Menschen in Not, viele haben keinen Ort zum schlafen, viele haben keine Familie. Viele sind krank an Leib und Seele.

Einer erzählt:

Ich war immer viel krank
Schon als Kind
aber dann hatte ich einen Unfall
mein Kopf wurde dabei aufgerissen
bei Kindern ist der Kopf empfindlich
und das Gehirn
deswegen rede ich heute so langsam.
Ich habe viel geweint
Ich weiß noch wie mein Bruder mich besucht hat im Krankenhaus
Ich wollte nicht dass er weggeht.
Ich war ja noch ganz klein
Aber meine Eltern mussten viel arbeiten
also war ich immer allein.
Und heute kann ich nicht arbeiten.
Weil ich so krank bin
Und trotzdem weiß ich:
Selbst wenn ich keine Arme und Beine mehr hätte
dass ich Gott trotzdem lieben würde
immer, mein Leben lang,
weil Gott mich liebt.

Per E-Mail empfehlen

Gebet von 1883

Montag, 24. Januar 2011     [Druckversion]

Herr setze dem Überfluss Grenzen
Und lasse die Grenzen überflüssig werden.
Lass die Leute kein falsches Geld machen
Und auch das Geld keine falschen Leute.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
Und erinnere die Männer an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
Und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere solche Beamte-, Geschäfts- und Arbeitsleute,
die wohl tätig aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden gute Deutsche
Und den Deutschen gute Regierung
Herr sorge dafür, dass wir alle
in den Himmel kommen
- aber nicht sofort.

Gebet des Pfarrers Lamberti zu Münster, aus dem Jahre 1883
Der andere Adventskalender 31.12.2010,  Verlag andere zeiten e.V., Hamburg 2010

Per E-Mail empfehlen

Nach Ps 72

Sonntag, 23. Januar 2011     [Druckversion]

Lasst ein Staunen losbrechen
Über das Wunderbare, das Gott tut,
dass die Welt voll Freude werde!
Lass die Berge Frieden bringen, Gott, für alle Menschen,
und die Hügel Gerechtigkeit.
Den Kleinen und Machtlosen soll Recht verschafft werden
und den Armen geholfen,
und die sie bedrängen sollen verschwinden.
Wie der sanfte Regen auf die Aue, soll Gerechtigkeit herab fahren
und Frieden wie die Tropfen, die das Land feuchten.
Die Übermächtigen und die Gewalttätigen
sollen zu Boden stürzen und die Menschen füreinander leben.
Den Armen, die um Hilfe schreien, soll geholfen werden.
Aus Unterdrückung und Mutwillen
werden sie frei kommen.
Voll wird das Korn auf den Feldern stehen in allen Ländern
Und die Städte werden grünen wie das Gras auf Erden.
Ein Segen sollen die Völker einander sein
und sich mit Gott freuen.

Gottesdienst in gerechter Sprache. Hg E. Domay, H. Köhler, Gütersloh 2003, S. 32

Per E-Mail empfehlen