Manuskripte

SWR3 Worte

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Woche vom 16.12.2007 bis 22.12.2007




Dr. Anke Edelbrock

Von Dr. Anke Edelbrock, Tübingen, Evangelische Kirche

Samstag, 22. Dezember 2007     [Druckversion]

„Glaubst Du“, sagte Sorbas, „dass Gott Mensch wurde und in einem Stall zur Welt kam?“
„Darauf kann man schwer etwas antworten, Sorbas. Ich glaube es und glaube es nicht. Und du?“
„Ach, was soll ich Dir sagen! Wie soll sich da einer auskennen? Als ich noch ein kleines Kind war und meine Großmutter mir Märchen erzählte, hielt ich alles für Unsinn. Und doch zitterte ich und lachte und weinte, als ob ich es glaubte.
Als ich dann erwachsen wurde, warf ich all diese Märchen zum alten Eisen und machte mich sogar lustig darüber.
Aber jetzt, auf meine alten Tage, bin ich wie ein Kind geworden und glaube wieder daran. Was für ein komisches Geschöpf ist doch der Mensch!“

Nikos Kazantzakis, Verfasser des Bestsellers „Alexis Sorbas“
Nikos Kazantzakis: Alexis Sorbas. Aus dem Neugriechischen von Alexander Steinmetz, überarbeitet von Isidora Rosenthal-Kamarinea, Düsseldorf und Zürich (Artemis und Winkler), 2002

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Freitag, 21. Dezember 2007     [Druckversion]

Würde Heinrich Böll noch leben, hätte er heute seinen 90. Geburtstag. Über die Macht der Worte hat er geschrieben:

Worte können Krieg vorbereiten, ihn herbeiführen. Das wissen wir und haben es am eigenen Leib erfahren. […] Das Wort, dem gewissenlosen Demagogen ausgeliefert, dem puren Taktiker, dem Opportunisten, es kann zur Todesursache für Millionen werden. […] Ich brauche nur ein Wort zu nennen: Jude. Es kann morgen ein anderes Wort sein: das Wort Atheist, das Wort Christ oder das Wort Kommunist, das Wort Konformist oder Nonkonformist. […]
Worte können töten. Und es ist einzig und allein eine Gewissensfrage, ob man die Sprache in Bereiche entgleiten lässt, wo sie mörderisch wird.

Heinrich Böll
Die Sprache als Hort der Freiheit. Aus seiner Rede, gehalten anlässlich der Entgegennahme des Eduard-von-der Heydt-Preises der Stadt Wuppertal, 1958.
In: Ders.: Erzählungen, Hörspiele, Aufsätze. Köln-Berlin (Verlag Kiepenhauser und Witsch), 1965

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Donnerstag, 20. Dezember 2007     [Druckversion]

Norman Vincent Peale, Verfasser des Bestsellers „Die Kraft positiven Denkens“
Unser Taxi schaffte in jener Vorweihnachtszeit in New York in fünfzehn Minuten gerade mal zwei Häuserblocks. „Dieser Verkehr ist eine Katastrophe“, schimpfte mein Begleiter. „Er nimmt mir das ganze bisschen Weihnachtsstimmung, das ich habe.“
Mein anderer Begleiter war philosophischer. „Es ist unglaublich“, sinnierte er, „ganz und gar unglaublich. Denkt doch bloß – ein Kind, das vor über zweitausend Jahren mehr als achttausend Kilometer von hier entfernt geboren wurde, verursacht heute auf der Fifth Avenue in New York ein Verkehrschaos.“

Norman Vincent Peale
Ders.: Heute fängt Dein Leben an. Zürich (Oesch Verlag), 2004,

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Mittwoch, 19. Dezember 2007     [Druckversion]

Frank Lehmann, Börsenexperte, wirbt für die Aktion „Brot für die Welt“:

Lange habe ich die Welt des großen Geldes beobachtet, über Börsen-Auf und –Ab berichtet. Gier und Panik liegen da immer dicht beieinander. Zur Zeit herrscht mal wieder mittlere Panik. […] Der amerikanische Dollar geht am Stock. […] Das Öl wird immer teurer.
Wir [in Deutschland] sind laut Statistik ein sehr wohlhabendes Land und zur Zeit auch großer Nutznießer des Booms der Weltwirtschaft. Und: Unser täglich Brot gibt’s in einer Vielfalt wie nirgendwo sonst auf der Welt. […]. Wir sollten dieses Brot – bildlich gesprochen – mit den ganz Armen dieser Welt teilen. Aber: Hilfe zur Selbsthilfe! Diesem Motto folgt die Aktion „Brot für die Welt“. Ich bin ganz sicher. Sie ziehen da mit. In einer Umfrage über den Sinn des Lebens sagten zwar fast zwei Drittel: „Ich will mein Leben genießen“. Aber noch mehr meinten: „Ich will anderen Menschen helfen“. Das ermutigt.

Frank Lehmann
http://www.brot-fuer-die-welt.de/downloads/Paten-Aufruf_Lehmann.pdfrank Lehmann

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Dienstag, 18. Dezember 2007     [Druckversion]

Es begann so: Einmal fand ich eine Rose an der Windschutzscheibe meines Autos. Eine rote Rose, sie klemmte hinter dem Scheibenwischer. Kein Zettel, keine Nachricht, kein Absender.
Ich war beflügelt, in Gedanken bei einem heimlichen Verehrer oder einem gewitzten Freund […] oder bei einem, der einfach nur seine Rose weitergeben wollte. Mit einem Lächeln schwebte ich durch den Tag.

Heute werde ich Rosen kaufen. Und sie hinter die Scheibenwischer einiger Autos klemmen. Oder ein paar Schokoladennikoläuse in Briefkästen verteilen. Vielleicht auch einen Stern an die Türen meiner Nachbarn hängen. Und dann werde ich mir vorstellen, dass der eine oder die andere überrascht ist. Sich freut und gute Laune bekommt. Weil jemand an sie gedacht hat. Weil sie schon lange nicht mehr, einfach so etwas geschenkt bekommen hatten.
Susanne Niemeyer, Sozialpädagogin
In: Ach. Das kleine Buch vom großen Staunen. Hamburg (Andere Zeiten) 2007

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Montag, 17. Dezember 2007     [Druckversion]

Berlin […] will zehn Sonntage im Jahr verkaufsoffen halten, davon vier unmittelbar vor Weihnachten. […] In Baden-Württemberg sind es drei – noch wird man anfügen müssen. Es wird davon abhängen, was das Bundesverfassungsgericht zu der Klage sagt, die von den beiden großen Kirchen eingereicht wurde, damit das Grundgesetz geheiligt werde.[…]
Das Grundgesetz verbietet nicht nur die Arbeit am Sonntag, sondern enthält sogar eine Anregung. Es stellt den Sonntag in den Dienst der „seelischen Erhebungen“; eine wundersame Formulierung wie aus fernen Zeiten. […]
Nicht das Arbeit an sich unwürdig ist, aber sie lässt keine Zeit und beeinträchtigt die Selbstverwirklichung. Deshalb ist es erforderlich, sich von Zeit zu Zeit über die Erwerbsarbeit hinaus zu erheben. Es muss nicht himmelswärts sein. […]
Es geht darum, inne zu halten, aus dem Gleis zu treten und diesem Selbstzweck verlässlich, allgemein gültig Raum und Zeit zu lassen: den Sonntag.

Hans-Joachim Lang , Journalist
Schwäbisches Tagblatt, Samstag, 1. Dezember 2007

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Sonntag, 16. Dezember 2007     [Druckversion]

Es wäre schön, auf etwas hoffen zu können,
was das Leben lichter macht und leichter das Herz.

Und dann den Mut haben, die Türen weit aufzumachen
und die Ohren und die Augen und auch den Mund nicht länger verschließen. Das wäre schön.

Wenn am Horizont Schiffe auftauchen,
eins nach dem anderen,
beladen mit Hoffnungsbrot bis an den Rand,
das mehr wird, immer mehr – durch Teilen.
Das wäre schön.

Wenn Gott nicht aufhörte, in uns zu träumen
vom vollen Leben einer Zukunft für alle.
Und wenn dann der Himmel aufreißen würde,
ganz plötzlich neue Wege sich auftun hinter dem Horizont.
Das wäre schön!

Carola Moosbach, Juristin und Schriftstellerin
Lobet die Eine. Mainz, Matthias-Grünewald-Verlag 2000

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