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SWR2 Wort zum Sonntag

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Woche vom 22.04.2012 bis 28.04.2012




Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst

Von Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst, Limburg, Katholische Kirche

Glauben leben

Sonntag, 22. April 2012     [Druckversion]

Am 11. Oktober dieses Jahres, auf den Tag genau 50 Jahre nach der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils, wird Papst Benedikt XVI. in Rom das Jahr des Glaubens eröffnen. Es will die Menschen in allen Ländern der Erde einladen, unseren Glauben an die Auferstehung Jesu tiefer zu begreifen. Es geht auch um den Mut, unsere christliche Überzeugung in der Welt zu vertreten und davon zu sprechen, was uns persönlich im Glauben trägt. Von dieser Auskunftsfähigkeit hängt ab, ob und wie die Menschen heute aufmerksam werden für das Evangelium. In diesen Wochen nach Ostern hören wir in den Gottesdiensten vom Leben der jungen Kirche in der Apostelgeschichte. Es ist bewegend, bei den Jüngern und den Frauen zu sehen, wie sie in ihrem Glauben immer fester werden, wo sie sich gegenseitig von ihren persönlichen Begegnungen mit dem Auferstandenen erzählen. Diese Anteilnahme aneinander begründet ein neues Miteinander. Und wo sie sich gemeinsam mit der Osterbotschaft in die Welt vorwagen, gewinnen sie einen Mut und eine Freiheit, die andere mitreißt. Dieses neue Selbstvertrauen aus einem gereiften österlichen Gottvertrauen macht aus verängstigten und verstreuten Schicksalgefährten Jesu nach dem Karfreitag kraftvolle Zeuge mit einem neuen Mut zur Mission.
Vor einigen Wochen haben wir in Frankfurt und in 11 weiteren europäischen Metropolen einen ersten geistlichen Ausblick auf das Jahr des Glaubens getan. Unter dem Leitwort „Missio metropolis" waren Menschen eingeladen, in einer geistlichen Nachtwache Glaube und Kirche von innen kennen zu lernen. Auf die abendliche Eucharistiefeier mit einer Katechese folgte im abgedunkelten Frankfurter Bartholomäus-Dom die Aussetzung des Altarsakramentes und damit die Einladung zur eucharistischen Anbetung.

„Night fever" nennen die Jugendlichen diese besondere Gebetsinitiative. Von der Mitte der Kirche aus - vom Altar - führte ein Lichtband aus Kerzen nach draußen in die Stadtmitte der Main-Metropole. Die geöffneten Domtüren und der breite Lichtkegel machte draußen die abendlichen und nächtlichen Passanten aufmerksam. Jugendliche, die aus der Anbetung kamen, sprachen sie an und luden sie ein, eine kleine Kerze zu nehmen und diese im Inneren des Domes zu entzünden. Als ich erlebte, wie viele sich davon ansprechen ließen, hatte ich die Christen der frühen Kirche nach Ostern mit ihrem Mut, als Glaubende in die Welt zugehen, vor Augen. Mir kam dabei die Frage, ob nicht ein großes Hemmnis auf dem Weg zu einer ausstrahlenderen Kirche darin besteht, dass sie von vielen nur von außen betrachtet und bewertet wird.
Das Jahr des Glaubens ist die Einladung, Kirche von innen kennen zu lernen und sich mit diesen Erfahrungen nach außen zu wagen. „Zeig draußen, was du drinnen hast!" so lautet das Motto einer Initiative, die uns heute Mut zur Mission machen will. Das ist nicht die Vereinnahmung anderer, die ihnen Freiheit nimmt, sondern der Verweis auf den Mehrwert von Ostern in einer Welt, die weiß, dass sie aus sich allein nicht bestehen kann. Wer tiefere Einsicht in den Glauben der Christen gewinnt, kommt zu der Überzeugung, die Petrus und Johannes in der Apostelgeschichte vor dem Hohen Rat bekennen, als sie wegen ihres Freimutes zur Rede gestellt werden: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4,20). So kommt Ostern auch heute in diese Welt.