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SWR2 Wort zum Sonntag

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Woche vom 11.07.2010 bis 17.07.2010




Harry Waßmann

Von Harry Waßmann, Tübingen, Evangelische Kirche

Wasserzeichen

Sonntag, 11. Juli 2010     [Druckversion]

Sieht man eigentlich jemanden an, ob er oder sie ein Christ ist?
Also die Kirchgänger, die erkennt man. Die machen sich am Sonntagmorgen auf den Weg zur Kirche. Aber da kann jeder und jede kommen - Christ und Nichtchrist. Das ist eine öffentliche Veranstaltung und kein sicheres Zeichen dafür, ob er oder sie Christ ist.
Christ - wird ein Mensch durch die Taufe.

„Aber das sieht man doch niemanden an!" - sagen mir Jugendliche. „Am Körper, an der Kleidung, kein Unterschied".
Selbst die Erinnerung an die Taufe ist in aller Regel für den Getauften „unsichtbar".
Dass meine Eltern, Paten und Großeltern mich als Winzling vor 54 Jahren über den Taufstein gehoben haben - das besagt ein Schriftstück. Und so muss es dann wohl gewesen sein.
Aber: das Wasser hat keine sichtbaren Spuren hinterlassen.

Anders als in anderen Religionen, wo Männer am Körper sehen, dass sie dazu gehören - wie bei Juden und Muslimen, die sind beschnitten.

Was ist meine Taufe dann? Ein unsichtbares Band - über das der Apostel Paulus einmal sagt:

"...wisst ihr nicht, dass alle, die ... auf (den) Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?
So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod,
damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln.
... Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir,
 dass wir auch mit ihm leben werden,..."
(Römerbrief 6,3+4+8)

Das sind kühne Vorstellungen - genau genommen gleich drei:
Getauft: Also mit Jesus begraben? - Getauft: Also mit Jesus auferweckt? Getauft: also mit ihm leben?
Kühn und schön - und kaum zu glauben.
Meine Taufe soll der Beginn einer Symbiose sein? - Ein Mitleben mit Jesus - und mehr noch - auch ein Mitsterben und Mitauferstehen. Das wäre ja wie ein Verschmelzen mit Jesus: Jesus lebt in mir und ich in ihm.
Doch woran ist diese Symbiose ablesbar?
Jesus hatte lange Haare - also haben Christen lange Haare.
Jesus lief mit einem weißen Gewand herum - also sind Anzüge tabu. Auch wenn es immer wieder solche Jesus-Nachahmer gibt -   gerade so, wie wenn sich Menschen wie ihre Idole stylen - wie Elvis, Maradonna oder Che Guevara - meine Taufe - das Verwobensein mit Jesus - hat andere Spuren hinterlassen. Nicht sichtbare - aber auch nicht ganz unsichtbare.
Ich vergleiche meine Taufe mit einem Wasserzeichen. Es ist ein wenig so wie bei Briefmarken und Geldscheinen. Wen man sie gegen das Licht hält - schimmert etwas durch - wird etwas transparent - was man auf den ersten Blick nicht sieht.
Darauf gehen die Worte von Paulus hinaus. Durch die Taufe bekommt das Leben einen besonderen Horizont. Meine Taufe erinnert mich daran: Du bist ein Ebenbild Gottes - in seinem Bild geschaffen. Und zwar sehr konkret: im Bild des Christus Jesus.
Mein Leben mit seinem Leben verbunden.
Durch alle Bedrohungen hindurch.
Selbst durch den Tod hindurch. In Christus leben.
In einem neuen Leben wandeln.

Hinterlässt das keine Spuren in meinem Leben?
Vielleicht nicht auf den ersten Blick.
Und dann doch mehr - als ich denke.
Meine Taufe hat mich mit einer Lebensgeschichte verbunden, die alles, was ich erlebe und erfahre in ein besonders Licht stellt.
Durch dieses Wasserzeichen Taufe erlebe ich Freuden und Sorgen anders.
Wenn ich am Resignieren bin - vor all den abgründigen Spannungen und Krisen in der Nähe und der Ferne - die ich so wenig abwenden kann wie andere - meine Taufe hält mich mental über Wasser. Sie lässt mich auch im Angesicht von Bedrohungen - feiern wie Jesus. Durch diesen Dreiklang ist mein Leben mit Jesus verwoben: mit Jesus untergehen - mit ihm wieder auftauchen - mit ihm leben.
Dieses Wasserzeichen stellt mein Leben Tag für Tag in ein neues Licht.