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SWR2 Wort zum Sonntag

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Woche vom 05.07.2009 bis 11.07.2009




Erzbischof Dr. Robert Zollitsch

Von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Freiburg/i. Br., Katholische Kirche

Ökumenische Reihe zum Thema

Sonntag, 05. Juli 2009     [Druckversion]

Darwin: Evolution und Schöpfung
Leid, Schmerz, Tod – Nur Kollateralschäden der Evolution?

Sobald wir menschliches Leben betrachten, stoßen wir unweigerlich auf die Frage nach dem Leid und nach dem Bösen. Erleben wir Menschen doch immer wieder, dass wir selbst, unsere Mitmenschen, Strukturen unserer Gesellschaft, nicht in allem gerecht, nicht nur gut, sind. Christen wissen: hier begegnet uns das Böse.
Die Einordnung von Leid und vom Bösen unterscheidet unsere christliche Weltsicht von der Deutung Darwins, der vor 200 Jahren geboren wurde. Im Rahmen seiner Evolutionstheorie sind widrige Lebensumstände, Leid und Tod rein zufällig und wertfrei. Für Darwin ist der Tod notwendig, damit das Stärkere sich durchsetzen kann. Schmerz ist sinnvoll und lebensdienlich; denn wer Schmerz empfindet, hält sich in Zukunft von der Gefahr fern. Darwin betrachtete die Entwicklung unserer Erde und des Lebens und kam für sich zu dem Schluss, dass wir Schmerz und Tod hinnehmen müssen, gewissermaßen als Kollateralschäden, als unvermeidliche Begleitumstände der Evolution.

Christen dagegen sind gegenüber Leidenden nie gleichgültig. Sie schärfen ihr Auge für Ungerechtigkeiten, für Schmerz, für Strukturen des Bösen. Jesus kannte den Schmerz und ist gerade Leidenden besonders aufmerksam und liebevoll begegnet. Durch ihn haben Schmerz, Leid und Tod einen Platz im Leben, ja eine eigene Würde. Schmerz und Tod sind Teil unseres Lebens, mit denen wir umgehen müssen. Jesus Christus hat in seinem Leben viel getan, um Leid zu mindern. Er war bei den Kranken und Leidenden, hat ihnen Mut geschenkt und die Augen für ihre eigenen Stärken geöffnet. Er hat sie erleben lassen: du bist nicht allein. Das sagt er auch uns zu, wenn er verspricht: „Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ (Mt 28,20). Er geht mit uns, gerade wenn wir etwas Schweres annehmen müssen.
Jesus selbst hat sein Leiden freiwillig angenommen. Seine Haltung hilft auch uns, unvermeidbaren Schmerz zu akzeptieren, unausweichliches Leid anzunehmen. Bei allem vertrauen wir darauf, dass er bei uns ist.

Wir Christen wissen: Nicht alles lässt sich erklären. Gerade bei den dunklen Seiten unseres Lebens bleibt manches offen. In der Bibel entdecken wir Menschen, die mit Gott ringen, mit ihm streiten, ihn herausfordern. Gott selbst lädt sie und auch uns, ein, wenn er zum Propheten Ezechiel sagt: „Stell dich auf Deine Füße, Menschensohn, ich will mit Dir reden!“ (Ez 1,28) Gott, den wir als Schöpfer verehren, sucht nicht nur die Nähe, er sucht sogar das Gespräch mit uns!
Diese Erfahrung geben wir Christen an andere weiter. So folgen wir dem Beispiel Jesu. Spürbares Mitleid haben, barmherzig sein, Lebensumstände verbessern. Und auch: Böses bekämpfen, Unrecht beim Namen nennen, Mitwirken an Strukturen des Guten im persönlichen und gesellschaftlichen Bereich, ja weltweit. Jesus hat immer wieder den Kontakt gesucht auch mit Menschen, die gesündigt haben. Er hat ihnen geholfen, sich zu ändern. Und er hat Böses, Zerstörerisches, Lebensfeindliches deutlich benannt und verurteilt – und – wo immer möglich –überwunden.

Wir Christen wissen uns in Gott geborgen – in unserem Schöpfer, der jeden und jede von uns ins Leben gerufen hat. Und wir sind sicher: diese Verbindung, die Gemeinschaft, die uns Gott schenkt, kann auch der Tod nicht trennen. Er ist kein Kollateralschaden der Evolution, sondern Teil unseres Lebens – als Übergang, zum eigentlichen Leben, zum Leben bei Gott.