Woche vom 22.02.2009 bis 28.02.2009 

Von Harry Waßmann, Tübingen, Evangelische Kirche
Leiden
Sonntag, 22. Februar 2009
Tausende hat Jesus mit Essen beglückt – auf wundervolle Weise.
Kranke hat er geheilt - Blinde, Lahme, Stumme und Besessene.
Aber gerade als für seine Freunde und Weggefährten fest stand:
Dieser Jesus von Nazareth ist der von Gott gesandte Erlöser –
mit ihm ist das Reich Gottes mitten unter uns - da sagt er ihnen - in ihre Euphorie hinein – ein Wort, das sie schwer erschüttert.
„Der Menschensohn muss vieles erleiden. Er wird Ablehnung erfahren.
Er wird getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ (nach Markkus 8,31)
Ohne jedes wenn und aber – auf den Kopf zu - sagt Jesus das so:
Das ist der Weg, der vor mir liegt: Intrigen, Hohn und Spott und ein qualvoller Tod.
Ich versuche nachzuempfinden: Die mit ihm auf dem Weg sind – sie haben alles hinter sich gelassen. Voller Hoffnung sind sie: das Reich Gottes – die Zeit der Erlösung - bricht an. Und dann das: „Der Menschensohn muss vieles erleiden. Er wird getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ (nach Markus 8,31)
Wie hätte ich wohl reagiert? Wenn ein Mensch, der mir nahe ist – in meinen Augen gesund und bei Kräften und voller Zukunft - mich plötzlich damit konfrontiert:
Ich muss leiden, ich muss sterben.
Da wehrt sich alles in mir. Das kann nicht sein. Da muss es etwas geben – einen Weg heraus aus der Not und aus dem Leiden. Gemeinsam schaffen wir das. Das ist in mir wie ein Reflex: Kummer, Leid und Unheil wegdrücken – überspielen und überdecken, sich ans Leben klammern, versuchen, lang gehegte Wünsche zu erfüllen, die bisher unerfüllt blieben.
Dagegen - Leiden annehmen, als unanwendbar – das fällt mir unendlich schwer.
Ich verstehe darum nur zu gut, wenn Petrus sich Jesus widersetzt und ihn beschwört: „Du sollst leiden und verachtet werden und sterben? Nein: Niemals soll dir das geschehen!“ (Matthäus 16,22) Alles, wirklich alles, werden wir dafür tun, dass es nicht dazu kommt.“ Von Petrus eine zutiefst menschliche Reaktion - die Jesus aber schroff ablehnt - und mit einer merkwürdigen Gewinn- und Verlustrechnung beantwortet: „Wer sein Leben verliert – der wird’s, gewinnen!“ (Markus 8,35) Kann das so nur Jesus von sich sagen?
Wie verbindet sich sein Versprechen mit unseren Erfahrungen?
Sein Leben verlieren – und dabei Leben gewinnen.
Eine Ärztin hat mir erzählt, wie sie ihre Karrierechancen verliert. Ganz bewusst.
Sie nimmt sich viel Zeit für die Patienten im Krankenhaus – viel zu viel Zeit. Entschieden mehr jedenfalls als es das System der Abrechnung zulässt. Und sie sieht auch, wie das bemerkt und vermerkt wird. Aber sie steht dazu. Und weiß auch warum: Wenn sie spürt, wie im ruhigen Gespräch unter vier Augen Patienten ihre panische Angst vor einer Operation ablegen und gefasst darauf zugehen können – dann ist das für sie als Ärztin eine zutiefst befriedigende Erfahrung.
Freilich, ihr Verhalten bedroht nicht ihr Überleben, nicht einmal ihr berufliches. Und doch ist es ein Zeichen dafür, wie ein Verlust von Karrierechancen, die Seele bewahren kann – in dem Fall die Berufsidentität einer Frau.
Jesus hat nicht das Leiden gesucht. Er hat seine Freunde und die Freuden des Lebens nicht verleugnet. Er ist weitergegangen im Wissen darum: Leiden wird mir nicht erspart sein - doch auch dieser Weg ins Leid und in den Tod ist ein Weg zum Leben. „Der Menschensohn wird getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ (nach Markus 8,31) Sein Weg steht im Horizont des Leidens – und zugleich im Licht des neuen Lebens. Glauben und Hoffen wie Jesus! Ich merke: So ein Glaube kann mir helfen, Leiden anzusprechen und anzunehmen, ohne es aus dem Leben aussperren zu müssen?
Jesu Weg zur Auferstehung ist kein Osterspaziergang.
Seinen Weg innerlich mitzugehen – von heute an sieben Wochen - über Karfreitag bis zum Osterfest – ist der Weg zu einer neuen Existenz. Ein Weg auf dem sich Leiden – bis hin zur Todesangst – mit der unverbrüchlichen Hoffnung auf ein neues Leben verbinden.
Kranke hat er geheilt - Blinde, Lahme, Stumme und Besessene.
Aber gerade als für seine Freunde und Weggefährten fest stand:
Dieser Jesus von Nazareth ist der von Gott gesandte Erlöser –
mit ihm ist das Reich Gottes mitten unter uns - da sagt er ihnen - in ihre Euphorie hinein – ein Wort, das sie schwer erschüttert.
„Der Menschensohn muss vieles erleiden. Er wird Ablehnung erfahren.
Er wird getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ (nach Markkus 8,31)
Ohne jedes wenn und aber – auf den Kopf zu - sagt Jesus das so:
Das ist der Weg, der vor mir liegt: Intrigen, Hohn und Spott und ein qualvoller Tod.
Ich versuche nachzuempfinden: Die mit ihm auf dem Weg sind – sie haben alles hinter sich gelassen. Voller Hoffnung sind sie: das Reich Gottes – die Zeit der Erlösung - bricht an. Und dann das: „Der Menschensohn muss vieles erleiden. Er wird getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ (nach Markus 8,31)
Wie hätte ich wohl reagiert? Wenn ein Mensch, der mir nahe ist – in meinen Augen gesund und bei Kräften und voller Zukunft - mich plötzlich damit konfrontiert:
Ich muss leiden, ich muss sterben.
Da wehrt sich alles in mir. Das kann nicht sein. Da muss es etwas geben – einen Weg heraus aus der Not und aus dem Leiden. Gemeinsam schaffen wir das. Das ist in mir wie ein Reflex: Kummer, Leid und Unheil wegdrücken – überspielen und überdecken, sich ans Leben klammern, versuchen, lang gehegte Wünsche zu erfüllen, die bisher unerfüllt blieben.
Dagegen - Leiden annehmen, als unanwendbar – das fällt mir unendlich schwer.
Ich verstehe darum nur zu gut, wenn Petrus sich Jesus widersetzt und ihn beschwört: „Du sollst leiden und verachtet werden und sterben? Nein: Niemals soll dir das geschehen!“ (Matthäus 16,22) Alles, wirklich alles, werden wir dafür tun, dass es nicht dazu kommt.“ Von Petrus eine zutiefst menschliche Reaktion - die Jesus aber schroff ablehnt - und mit einer merkwürdigen Gewinn- und Verlustrechnung beantwortet: „Wer sein Leben verliert – der wird’s, gewinnen!“ (Markus 8,35) Kann das so nur Jesus von sich sagen?
Wie verbindet sich sein Versprechen mit unseren Erfahrungen?
Sein Leben verlieren – und dabei Leben gewinnen.
Eine Ärztin hat mir erzählt, wie sie ihre Karrierechancen verliert. Ganz bewusst.
Sie nimmt sich viel Zeit für die Patienten im Krankenhaus – viel zu viel Zeit. Entschieden mehr jedenfalls als es das System der Abrechnung zulässt. Und sie sieht auch, wie das bemerkt und vermerkt wird. Aber sie steht dazu. Und weiß auch warum: Wenn sie spürt, wie im ruhigen Gespräch unter vier Augen Patienten ihre panische Angst vor einer Operation ablegen und gefasst darauf zugehen können – dann ist das für sie als Ärztin eine zutiefst befriedigende Erfahrung.
Freilich, ihr Verhalten bedroht nicht ihr Überleben, nicht einmal ihr berufliches. Und doch ist es ein Zeichen dafür, wie ein Verlust von Karrierechancen, die Seele bewahren kann – in dem Fall die Berufsidentität einer Frau.
Jesus hat nicht das Leiden gesucht. Er hat seine Freunde und die Freuden des Lebens nicht verleugnet. Er ist weitergegangen im Wissen darum: Leiden wird mir nicht erspart sein - doch auch dieser Weg ins Leid und in den Tod ist ein Weg zum Leben. „Der Menschensohn wird getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.“ (nach Markus 8,31) Sein Weg steht im Horizont des Leidens – und zugleich im Licht des neuen Lebens. Glauben und Hoffen wie Jesus! Ich merke: So ein Glaube kann mir helfen, Leiden anzusprechen und anzunehmen, ohne es aus dem Leben aussperren zu müssen?
Jesu Weg zur Auferstehung ist kein Osterspaziergang.
Seinen Weg innerlich mitzugehen – von heute an sieben Wochen - über Karfreitag bis zum Osterfest – ist der Weg zu einer neuen Existenz. Ein Weg auf dem sich Leiden – bis hin zur Todesangst – mit der unverbrüchlichen Hoffnung auf ein neues Leben verbinden.



