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SWR2 Wort zum Sonntag

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Woche vom 18.01.2009 bis 24.01.2009




Erzbischof Dr. Robert Zollitsch

Von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Freiburg/i. Br., Katholische Kirche

Sonntag, 18. Januar 2009     [Druckversion]

Liebe Hörerinnen und Hörer!
„Meister, wo wohnst Du?“ So wird Jesus von seinen ersten beiden Jüngern gefragt. Im Evangelium, das heute in den katholischen Gottesdiensten gelesen wird, hören wir davon: Johannes der Täufer hatte die Jünger auf Jesus hingewiesen, jetzt sind sie neugierig und wollen ihn kennen lernen. Jesus geht auch ganz direkt auf ihre Frage ein: Er lädt sie schlicht ein: „Kommt und seht!“
Die christlichen Kirchen beginnen heute gemeinsam die „Gebetswoche für die Einheit der Christen“. Sie laden sich gegenseitig ein: „Kommt und seht!“ Die Einheit ist uns von Jesus dringend aufgetragen, und sie beginnt, wo wir einander einladen. So sehen wir, wo die anderen wohnen, wie sie ihren Glauben leben, und können dadurch einander besser kennen und tiefer verstehen lernen.
In der Gebetswoche um die Einheit öffnen die verschiedenen Konfessionen ihre Kirchen, um miteinander Gottesdienste zu feiern. Alle sind eingeladen, mal „hereinzuschauen“ – eine Erfahrung, die den eigenen Blick weiten kann für die Eigenheiten und Schönheiten der anderen Konfessionen. Wir dürfen sehen, wo Christen zuhause sind; wo Christus Heimat im Glauben gibt. Diese Gebetswoche gibt es schon seit 1908; und seit 40 Jahren verwenden alle christlichen Konfessionen dazu dieselben Texte, Gebete und Lieder. In jedem Jahr stellen Christen aus einem anderen Land hierfür eine Vorlage zusammen. In diesem Jahr stammt sie aus Korea. So ist die Gebetswoche ein sichtbarer Ausdruck weltweiter ökumenischer Verbundenheit. Das diesjährige Thema aus dem Buch des Propheten Ezechiel heißt: „Damit sie eins werden in deiner Hand“ (Ez 37,17).
Über alle Grenzen hinweg verbindet die Gebetswoche Konfessionen und Kulturen. Im gemeinsamen Beten erleben wir, dass die Kirchen bei allen Unterschieden eine spirituelle Mitte haben. Es ist Jesus Christus, der uns zusammenruft. Er hat den beiden Jüngern sein Zuhause gezeigt, weil ein Blick oft mehr erklärt als 1000 Worte. Der Einblick, den Jesus ihnen schenkt, wird zum ‚Türöffner’. Sie bleiben bei ihm, die erste Scheu ist überwunden, sie wollen ihn immer besser kennen lernen. So wie die Jünger neugierig auf Jesus zugehen, sind wir in der Gebetswoche für die Einheit der Christen eingeladen, dem „kommt und seht“ zu folgen. Die Kirchen stehen offen zum gemeinsamen Gebet, zum gegenseitigen Kennenlernen. Das Gotteshaus der „anderen“ zu sehen, weitet unseren Blick dafür, dass wir alle von Jesus Christus berufen sind, ihm nachzufolgen.
Diese Gebetswoche will ein Ansporn für das ökumenische Bemühen sein. So manche haben in Sachen Ökumene resigniert: Es geht ja doch nichts mehr wirklich vorwärts, sagen sie. Andere kümmern sich einfach nicht mehr um die Unterschiede unter dem Motto: Wir haben doch alle denselben Gott. Aber es bleibt noch eine Menge zu tun. In Gemeinden, für einzelne, für die Theologen und natürlich auch für die Verantwortlichen der einzelnen Konfessionen.
Christlicher Glaube ist so kostbar, auch in seiner Vielfalt, dass wir einander immer noch besser kennen lernen können. Im Gespräch, in Besuchen, im Gebet miteinander, auch im gemeinsamen diakonischen Handeln. Das kann uns der Wahrheit und der Einheit näher bringen, so wie Gott sie will. Und darum beten wir in dieser Woche.