Woche vom 21.12.2008 bis 27.12.2008 

Von Bischof Dr. Gebhard Fürst, Rottenburg-Stuttgart, Katholische Kirche
Donnerstag, 25. Dezember 2008
Es gibt Worte, die bewirken, was sie sagen. Worte, die aufgeladen sind mit Lebenswirklichkeit. Worte, die eine ganze Welt erschließen. Wenn ich sage: „Ich liebe dich“, dann ist das keine Information über einen Sachverhalt; vielmehr öffne ich mich so auf ein Du hin, dass sich möglicherweise dessen Leben von Grund auf verändert – und mein Leben auch. Es gibt auch andere Worte, die auf diese Weise Zukunft aufschließen: „ich vergebe Dir“ etwa, oder: „ich vertraue dir“. Bei solchen Worten geht es nicht um irgend etwas, sondern darum, dass sich mein Innerstes auf einen anderen Menschen hin aufschließt und dessen Innerstes erreichen will.
Es gibt auch Worte, die zerstören. „Ich misstraue dir“, ist so ein Wort“, oder: „Du bist mir gleichgültig“. Das ist vielleicht noch destruktiver, als wenn ich sage: „Ich hasse dich“, denn da sind wenigstens noch Emotionen im Spiel. Zerstörerisch ist es auch, wenn eigentlich lebensvolle, zukunftsweisende Worte missbraucht und als Täuschung entlarvt werden. Gerade in den letzten Wochen war sehr viel von verlorenem, ja von missbrauchtem Vertrauen die Rede – Vertrauen in die Finanzsysteme, in die Wirtschaft, in das Management, in die Politik. Vertrauen ist einer tiefen Ernüchterung gewichen. Missbrauchtes Vertrauen bewirkt auch etwas: Enttäuschung, Trauer oder Wut, Angst, oft sogar Verzweiflung.
Von einem Wort ist auch am Weihnachtsfest die Rede – von einem Wort, das etwas bewirkt, das lebendig macht, das Zukunft eröffnet. „Das Wort ist Fleisch geworden“, heißt es im Johannesevangelium. Dieser Satz ist schwer zu verstehen. Und doch drückt er vielleicht auf die dichteste Weise das Geheimnis der Weihnacht, der Menschwerdung Gottes aus. Das Evangelium spricht vom Wort, das von Anfang an bei Gott war, ja das Gott selbst war. Es spricht von Gottes uranfänglichem Wort „Es werde“ und davon, dass aus seiner schöpferischen Liebe heraus der Kosmos, die unbelebte und belebte Natur, der Mensch mit allen Wundern und Rätseln entstanden sind. Es meint das Wort, das mich in meinem Gewissen anrührt, das mich ermutigt zu hoffen, das in jedem meiner Liebesworte als die unendlich viel größere und tiefere Liebe gegenwärtig ist. Dieses Wort, sagt das Johannesevangelium, ist Gott selbst. Es ist immer schon da, dieses göttliche Wort; es ist immer schon in mir als innerste Tiefe meines Lebens; es ist immer vor mir und ermutigt mich, Augenblick für Augenblick in die Zukunft zu gehen.
Dieses Wort, sagt das Johannesevangelium, ist kein theoretisches Konstrukt und keine philosophische Spekulation. Es hat eine menschliche Gestalt angenommen und trägt einen menschlichen Namen: Jesus von Nazareth. Alles, was dieses göttliche Wort an Liebe, an Vergebung, an Anteilnahme, an Trost, an Hoffnung enthält – das hat ein Gesicht bekommen, ist zu einem Du geworden: Jesus von Nazareth. Wenn ein Mensch das Wort „Ich vertraue dir und du kannst mir vertrauen“ jemals eingelöst hat, dann er.
Das Wort „ich liebe dich“ kann nur etwas bewirken, wenn ich es annehme. Ich kann Gottes Liebesangebot annehmen oder ignorieren. Ich glaube allerdings nicht, dass ein Mensch jemals aus dem Wirkungsbereich seiner Liebe herausfallen kann. Aber denen, die es annehmen, sagt das Johannesevangelium, gebe es die „Macht, Kinder Gottes“ zu werden. Es gibt ihnen, so will ich das übersetzen, eine Kraft, das Leben ohne Angst zu leben – auch dann, wenn irdische Vertrauensgaranten sich als unzuverlässig erweisen. Das Wort, das Fleisch geworden ist, gibt uns das Urvertrauen von Menschen, die sich in einer unerschütterlichen Liebe geborgen wissen.
Im Vertrauen auf diese Liebe wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Es gibt auch Worte, die zerstören. „Ich misstraue dir“, ist so ein Wort“, oder: „Du bist mir gleichgültig“. Das ist vielleicht noch destruktiver, als wenn ich sage: „Ich hasse dich“, denn da sind wenigstens noch Emotionen im Spiel. Zerstörerisch ist es auch, wenn eigentlich lebensvolle, zukunftsweisende Worte missbraucht und als Täuschung entlarvt werden. Gerade in den letzten Wochen war sehr viel von verlorenem, ja von missbrauchtem Vertrauen die Rede – Vertrauen in die Finanzsysteme, in die Wirtschaft, in das Management, in die Politik. Vertrauen ist einer tiefen Ernüchterung gewichen. Missbrauchtes Vertrauen bewirkt auch etwas: Enttäuschung, Trauer oder Wut, Angst, oft sogar Verzweiflung.
Von einem Wort ist auch am Weihnachtsfest die Rede – von einem Wort, das etwas bewirkt, das lebendig macht, das Zukunft eröffnet. „Das Wort ist Fleisch geworden“, heißt es im Johannesevangelium. Dieser Satz ist schwer zu verstehen. Und doch drückt er vielleicht auf die dichteste Weise das Geheimnis der Weihnacht, der Menschwerdung Gottes aus. Das Evangelium spricht vom Wort, das von Anfang an bei Gott war, ja das Gott selbst war. Es spricht von Gottes uranfänglichem Wort „Es werde“ und davon, dass aus seiner schöpferischen Liebe heraus der Kosmos, die unbelebte und belebte Natur, der Mensch mit allen Wundern und Rätseln entstanden sind. Es meint das Wort, das mich in meinem Gewissen anrührt, das mich ermutigt zu hoffen, das in jedem meiner Liebesworte als die unendlich viel größere und tiefere Liebe gegenwärtig ist. Dieses Wort, sagt das Johannesevangelium, ist Gott selbst. Es ist immer schon da, dieses göttliche Wort; es ist immer schon in mir als innerste Tiefe meines Lebens; es ist immer vor mir und ermutigt mich, Augenblick für Augenblick in die Zukunft zu gehen.
Dieses Wort, sagt das Johannesevangelium, ist kein theoretisches Konstrukt und keine philosophische Spekulation. Es hat eine menschliche Gestalt angenommen und trägt einen menschlichen Namen: Jesus von Nazareth. Alles, was dieses göttliche Wort an Liebe, an Vergebung, an Anteilnahme, an Trost, an Hoffnung enthält – das hat ein Gesicht bekommen, ist zu einem Du geworden: Jesus von Nazareth. Wenn ein Mensch das Wort „Ich vertraue dir und du kannst mir vertrauen“ jemals eingelöst hat, dann er.
Das Wort „ich liebe dich“ kann nur etwas bewirken, wenn ich es annehme. Ich kann Gottes Liebesangebot annehmen oder ignorieren. Ich glaube allerdings nicht, dass ein Mensch jemals aus dem Wirkungsbereich seiner Liebe herausfallen kann. Aber denen, die es annehmen, sagt das Johannesevangelium, gebe es die „Macht, Kinder Gottes“ zu werden. Es gibt ihnen, so will ich das übersetzen, eine Kraft, das Leben ohne Angst zu leben – auch dann, wenn irdische Vertrauensgaranten sich als unzuverlässig erweisen. Das Wort, das Fleisch geworden ist, gibt uns das Urvertrauen von Menschen, die sich in einer unerschütterlichen Liebe geborgen wissen.
Im Vertrauen auf diese Liebe wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest.
Von
Bischof Kurt Koch, Solothurn
Sonntag, 21. Dezember 2008
WEIHNACHTSVORBEREITUNGEN GOTTES
Die hell beleuchteten Strassen und Schaufenster in unseren Dörfern und Städten zeigen, dass Weihnachten unmittelbar bevorsteht und dass viele Menschen mitten in den Vorbereitungen auf das kommende Fest stehen. In der Adventszeit unternehmen wir Menschen sehr viel und investieren Zeit und Energie in unsere Weihnachtsvorbereitungen, weil wir wünschen, dass das Fest gelingen wird. Geben wir uns aber auch immer Rechenschaft darüber, dass es trotz all unserer Anstrengungen nicht mehr in unserer Hand liegt, ob sich die erhoffte Weihnachtsfreude dann auch einstellt? Selbst wenn unsere Vorbereitungen bestens erledigt sind, kann doch ein ungutes Wort die Feststimmung gründlich verderben, weil die ohnehin überstrapazierten Nerven versagen und Trauer und Unzufriedenheit die Oberhand bekommen.
Solche Vorkommnisse, die wir vielleicht aus eigener Erfahrung kennen, zeigen, dass die äusseren Weihnachtsvorbereitungen nicht hinreichen, wenn nicht auch innere hinzukommen. Sie erst sorgen dafür, dass bei aller Hektik auch unsere Seele mitkommen kann. Dabei lohnt es sich, einen Blick auf die Weihnachtsvorbereitungen Gottes zu werfen, die im Mittelpunkt des Vierten Adventssonntages stehen. Sie machen darauf aufmerksam, dass Gott sehr behutsam mit uns Menschen umgeht. Er will uns nicht von aussen erobern, sondern von innen gewinnen. Deshalb sendet er seinen Engel Gabriel – dies heisst übersetzt: „Gott ist Kraft“ – in die Stadt Nazaret zu Maria und lässt ihr eine gute Botschaft überbringen. Der Engel grüsst Maria mit den Worten: „Freue dich, du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir.“
In diesem vornehmen Gruss ist jedes Wort von Bedeutung. Er beginnt mit „Freue dich!“ Damit ist mehr gemeint als bloss die im griechischen Sprachraum damals im Alltag übliche Grussformel. Der Engel kündet vielmehr eine neue Zeit an, die den Menschen wahre Freude bringen wird. „Freue dich“ ist das allererste Wort des Neuen Testamentes. Das Neue Testament beginnt mit der Einladung zur Freude – Es ist wirklich „Evangelium“, Gute Nachricht.
Dieser Gruss wird unterstrichen mit der Zusage: „Der Herr ist mit dir.“ Dieser Herr ist nicht ein ferner, unbekannter oder gar rätselhafter Gott. Gott will uns Menschen vielmehr nahe kommen, so nahe, dass er Kind wird und wir zu ihm „Du“ sagen dürfen.
Schliesslich redet der Engel Maria als „Gnadenvolle“ an. Dies ist der schönste Name für Maria. Denn es ist der Name, den ihr Gott selbst gegeben hat. Damit will er ihr zeigen, dass sie seit jeher die von ihm Geliebte ist, dazu auserwählt, das kostbarste Geschenk in sich aufzunehmen, nämlich seinen eigenen Sohn.
Erst nach diesem bedeutungsschweren Gruss kündet der Engel Maria an, dass sie einen Sohn empfangen und gebären wird, dem sie den Namen Jesus geben soll. Darauf antwortet Maria nur kurz, aber präzis: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Maria , öffnet Gott ihre Seele und lässt ihn in sich wohnen: „Noch bevor sie den Herrn in ihrem Leib empfing, hatte sie ihn bereits in ihrer Seele empfangen“: Mit diesen Worten hat der Heilige Augustinus dieses Geschehen sehr tief gedeutet.
Auf diesem vornehmen Weg sind Gottes Weihnachtsvorbereitungen an ihr Ziel gekommen: Maria ist seine Wohnung auf Erden geworden, sein Zelt, in dem er unter uns gegenwärtig sein will. Aber nicht nur in Maria, sondern in jedem Menschen möchte Gott wohnen können. Damit Gott zu uns kommen kann, müssen wir auch unsere Seele bereiten und für sein Kommen öffnen. Dies sind die inneren Vorbereitungen, die nötig sind, damit wirklich Weihnacht werden kann: Christus in unser eigenes Herz aufnehmen und ihn unseren Nächsten schenken. Dies ist das innerste Geheimnis der Weihnacht, das zu erfahren ich Ihnen von Herzen wünsche.
Die hell beleuchteten Strassen und Schaufenster in unseren Dörfern und Städten zeigen, dass Weihnachten unmittelbar bevorsteht und dass viele Menschen mitten in den Vorbereitungen auf das kommende Fest stehen. In der Adventszeit unternehmen wir Menschen sehr viel und investieren Zeit und Energie in unsere Weihnachtsvorbereitungen, weil wir wünschen, dass das Fest gelingen wird. Geben wir uns aber auch immer Rechenschaft darüber, dass es trotz all unserer Anstrengungen nicht mehr in unserer Hand liegt, ob sich die erhoffte Weihnachtsfreude dann auch einstellt? Selbst wenn unsere Vorbereitungen bestens erledigt sind, kann doch ein ungutes Wort die Feststimmung gründlich verderben, weil die ohnehin überstrapazierten Nerven versagen und Trauer und Unzufriedenheit die Oberhand bekommen.
Solche Vorkommnisse, die wir vielleicht aus eigener Erfahrung kennen, zeigen, dass die äusseren Weihnachtsvorbereitungen nicht hinreichen, wenn nicht auch innere hinzukommen. Sie erst sorgen dafür, dass bei aller Hektik auch unsere Seele mitkommen kann. Dabei lohnt es sich, einen Blick auf die Weihnachtsvorbereitungen Gottes zu werfen, die im Mittelpunkt des Vierten Adventssonntages stehen. Sie machen darauf aufmerksam, dass Gott sehr behutsam mit uns Menschen umgeht. Er will uns nicht von aussen erobern, sondern von innen gewinnen. Deshalb sendet er seinen Engel Gabriel – dies heisst übersetzt: „Gott ist Kraft“ – in die Stadt Nazaret zu Maria und lässt ihr eine gute Botschaft überbringen. Der Engel grüsst Maria mit den Worten: „Freue dich, du Gnadenvolle, der Herr ist mit dir.“
In diesem vornehmen Gruss ist jedes Wort von Bedeutung. Er beginnt mit „Freue dich!“ Damit ist mehr gemeint als bloss die im griechischen Sprachraum damals im Alltag übliche Grussformel. Der Engel kündet vielmehr eine neue Zeit an, die den Menschen wahre Freude bringen wird. „Freue dich“ ist das allererste Wort des Neuen Testamentes. Das Neue Testament beginnt mit der Einladung zur Freude – Es ist wirklich „Evangelium“, Gute Nachricht.
Dieser Gruss wird unterstrichen mit der Zusage: „Der Herr ist mit dir.“ Dieser Herr ist nicht ein ferner, unbekannter oder gar rätselhafter Gott. Gott will uns Menschen vielmehr nahe kommen, so nahe, dass er Kind wird und wir zu ihm „Du“ sagen dürfen.
Schliesslich redet der Engel Maria als „Gnadenvolle“ an. Dies ist der schönste Name für Maria. Denn es ist der Name, den ihr Gott selbst gegeben hat. Damit will er ihr zeigen, dass sie seit jeher die von ihm Geliebte ist, dazu auserwählt, das kostbarste Geschenk in sich aufzunehmen, nämlich seinen eigenen Sohn.
Erst nach diesem bedeutungsschweren Gruss kündet der Engel Maria an, dass sie einen Sohn empfangen und gebären wird, dem sie den Namen Jesus geben soll. Darauf antwortet Maria nur kurz, aber präzis: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Maria , öffnet Gott ihre Seele und lässt ihn in sich wohnen: „Noch bevor sie den Herrn in ihrem Leib empfing, hatte sie ihn bereits in ihrer Seele empfangen“: Mit diesen Worten hat der Heilige Augustinus dieses Geschehen sehr tief gedeutet.
Auf diesem vornehmen Weg sind Gottes Weihnachtsvorbereitungen an ihr Ziel gekommen: Maria ist seine Wohnung auf Erden geworden, sein Zelt, in dem er unter uns gegenwärtig sein will. Aber nicht nur in Maria, sondern in jedem Menschen möchte Gott wohnen können. Damit Gott zu uns kommen kann, müssen wir auch unsere Seele bereiten und für sein Kommen öffnen. Dies sind die inneren Vorbereitungen, die nötig sind, damit wirklich Weihnacht werden kann: Christus in unser eigenes Herz aufnehmen und ihn unseren Nächsten schenken. Dies ist das innerste Geheimnis der Weihnacht, das zu erfahren ich Ihnen von Herzen wünsche.



