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SWR2 Wort zum Sonntag

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Woche vom 23.03.2008 bis 29.03.2008




Dr. Angela Rinn

Von Dr. Angela Rinn, Mainz, Evangelische Kirche

Sonntag, 23. März 2008     [Druckversion]

Eine wunderschöne Liebesgeschichte und ein packender Krimi zugleich, ein Gärtner, dem alles Böse zugetraut wird, eine verschwundene Leiche, seltsame Spuren, merkwürdige Zeugen in weißen Gewändern - all das ist Ostern!
Fangen wir mit der Liebesgeschichte an. Liebesgeschichten ist ja zu eigen, dass sie zu Kriminalgeschichten werden können. Denken Sie an Romeo und Julia oder an Othello und Desdemona. In unserer Geschichte heißen die Beteiligten Jesus und Maria Magdalena. Maria liebt Jesus, über den Tod hinaus. Geradezu tollkühn ist ihre Liebe. Denn Trauerbesuche am Grab hingerichteter Verbrecher sind im römischen Reich vor 2000 Jahren bei Todesstrafe gesetzlichen verboten. Es ist verboten, dort öffentlich zu weinen und zu klagen, weil das Grab eines Verbrechers nicht zu einer Wallfahrtsstätte werden soll.
Maria muß sich also vorsichtig, noch vor Tagesanbruch, zum Grab schleichen.
Jetzt wird die Liebesgeschichte zur Kriminalgeschichte. Denn kaum am Grab angekommen, erblickt Maria eine erste Spur. Der Stein ist weggerollt. Hier muss etwas passiert sein - Maria meint, ein Verbrechen sei geschehen und Jesu Leichnam gestohlen. Die Spur ist so augenfällig, dass sie sich erst gar nicht die Zeit nimmt, näher nachzuschauen. Dabei begeht sie den Fehler, eine Spur nicht erst einmal sorgfältig wahrzunehmen, sondern gleich ihre persönliche Interpretation vorwegzunehmen. "Sie haben Jesus weggenommen", mutmaßt Maria. Das Problem der verschwundenen Leiche ist übrigens ein zentrales Motiv im klassischen Kriminalroman, allerdings ist die Lösung in diesem Fall überirdisch. Ist Ihnen dieser Zugang zu Ostern zu humorig? Nun, gerade so, mit einem Lächeln, als Komödie, inszeniert in der Bibel der Evangelist Johannes seine Ostergeschichte. Das hat einen sehr tiefsinnigen Grund: Er will den Tod ärgern! Denn, das muss den Tod doch ergrimmen, dass es dieser Evangelist Johannes wagt, uns Ostern als Komödie vorzuführen. Der Tod will doch, dass wir uns klein machen, still sind, grau und humorlos, ohne Mucks und Lachen. Das passt ihm nicht, dem Tod, wie der Evangelist Jesus und Maria sich unterhalten läßt, in einem Dialog, der auch in einer Komödie seinen Platz haben könnte. Die klassische Verwechslungsszene. Die Liebende erkennt ihren Geliebten nicht. Und die Zuschauer lächeln - und lachen damit über den Tod.
Maria hält Jesus für den Gärtner, getreu dem Motto: "Der Mörder ist immer der Gärtner". Und gleich zeigt sie diesem Gärtner, was eine Harke ist. Her mit der Leiche, oder ich hole sie selbst. Mit Maria war sicherlich nicht zu spaßen... Liebende soll man ernst nehmen!
Maria, redet Jesus sie an. Und da wird aus der Krimikomödie wieder eine Liebesgeschichte, eine zarte zumal. Sie erkennt ihn, will ihm um den Hals fallen, ihn umarmen, seine Füße küssen... Das aber geht nicht mehr. Von nun an wird diese Liebesgeschichte anders weitergehen als zuvor. Anders, aber trotzdem sehr lebendig!
Eine Liebesgeschichte, ein Kriminalroman. Der Mörder ist nicht der Gärtner. Der Mörder ist ein anderer, der Tod, und der hat es auf uns alle abgesehen. Und dieser Mörder hat vor nichts soviel Angst, als dass uns vor dieser Liebesgeschichte das Herz weit und weich wird. An diesem Ostermorgen wird er haltlos blamiert, weil über ihn gelacht wird, weil der Evangelist Johannes es wagt, seine Niederlage als Komödie zu inszenieren. Regelrecht rasend vor Wut ist er, wenn wir in dieser göttlichen Komödie, in dieser Liebesgeschichte sogar mitspielen wollen. Indem wir uns auf den Weg machen, wie Maria Magdalena, indem wir uns trauen, ihm unser Herz zu öffnen und indem wir mutig lieben - auch wenn es nach außen hin zum Lächeln sein mag. Drehen wir ihm eine lange Nase, diesem Mörder Tod. Spielen wir mit, machen wir gute Miene zur göttlichen Kriminal- und Liebesgeschichte, und wenn wir ganz selig sind, dann können wir tatsächlich mitlachen - ein Osterlachen.