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SWR2 Wort zum Sonntag

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Woche vom 09.03.2008 bis 15.03.2008




Harry Waßmann

Von Harry Waßmann, Tübingen, Evangelische Kirche

„Gott, schaffe mir Recht...“ Ps 43,1

Sonntag, 09. März 2008     [Druckversion]

„So wie Jesus – sich ganz ohne Aufbegehren ins Leiden schicken, das kann ich nicht.“ Wie oft höre ich das - mit leisen und manchmal auch heftigen Vorwürfen an die eigene Adresse - von Menschen, die es gar nicht leicht haben – von Verlassenen und Vereinsamten, von vielen die im Beruf oder in der Liebe bittere Kränkungen erfahren. Sich einfach Dreinschicken ins Leid? Ist das der Weg Jesu? Ist denn Jesus ohne jeden Widerspruch den Weg ins Leid und ans Kreuz gegangen?
Jesu Weg nach Jerusalem und seine letzten Tage in der Stadt - bis zu seiner Hinrichtung auf Golgatha - werden in der Kirche in den Wochen vor Ostern bedacht. Für jeden Sonntag steht in dieser Zeit ein Abschnitt aus der Bibel – quasi als Überschrift und Wegmarke für Jesu Leidensweg.
„Gott, schaffe mir Recht“ - dieses Bibelwort hat dem heutigen Sonntag – dem 5.ten in der Passionszeit – seinen Namen gegeben. Er heißt „Iudika“ - nach dem ersten Wort aus Psalm 43: „Iudica me Deus.“ Zu Deutsch: „Gott, schaffe mir Recht.“ Seit mehr als 1.500 Jahren beginnt der Gottesdienst - zwei Wochen vor Ostern - mit diesen Worten: Iudica me deus – „Gott, schaffe mir Recht.“ Das ist so Brauch. Aber was ist der Grund dafür? Was sein Sinn?

In diesem Psalmgebet spiegeln sich Jesu Erfahrungen wider. Es könnte sein Gebet gewesen sein - wenn er bedrängt, ausgegrenzt, belogen und betrogen betet: „Gott schaffe mir Recht - errette mich vor den falschen und bösen Leuten.“ (Psalm 43,1) Zum heutigen Sonntag „Iudika“ gehört der Protest gegen erlittenes Unrecht. Denn keineswegs widerstandslos – nur dem Leid ergeben – ist Jesus seinen Weg gegangen. Ich erinnere an seine Widersacher - die alles beim Alten lassen wollen – weil sie von ihren Privilegien gut leben. Er war wütend über ein Volk, das die Staatskasse füllt und darüber Witwen und Waisen vergisst. Er war entsetzt über eine profitliche Religionsfirma, die sich noch den letzten Cent der Armen einverleibt. Ich sehe seine Tränen über gewaltbereite Gotteskrieger, die Land und Leute in den Abgrund stürzen. Ich sehe, wie Rechtsbrecher, Verräter und Spötter ihm zusetzen. Und ich höre seinen Kummer über seine Freunde, seine Angst verlassen zu werden – bis zuletzt: „Gott, schaffe mir Recht - errette mich vor den falschen und bösen Leuten.“ (Psalm 43,1) Voller Spott und voller Häme wird auch ihm vorgehalten: „Wo ist nun dein Gott?“ (Ps 42,4) Das ist bitter und schreit zum Himmel. Darum: „Gott, schaffe mir Recht...“ (Ps 43,1)
Von Menschen kann auch Jesus kein Recht erwarten. Diese Erfahrung teilen viele, die Unrecht erdulden müssen. Immer wieder. Gedemütigte Kinder und Partner, Einfluss-Reiche und Ohnmächtige.
„Gott, schaffe mir Recht...“ Dieses Gebet ermutigt mich – auf Jesu Spuren - erfahrenes Unrecht nicht einfach runterzuschlucken. Es hilft mir nach Recht zu rufen.
Und – es führt mich auch aus der bitteren Anklage heraus! Im Gebet gibt es eine erstaunliche Wende! Der Beter fällt sich selber ins Wort. „Was betrübst du dich meine Seele und bist so unruhig in mir. Harre auf Gott!“ (Psalm 43,5)
Auch der Weg in die Enttäuschung und Verlassenheit, in die Einsamkeit vor Gott – ist kein Weg ohne Ausweg. Wo das Unrecht eine Zeit triumphiert – ist das Heil deswegen nicht aus der Welt. Auch wenn sich meine Lage nicht gleich wendet – und mein Recht auf der Strecke bleibt: Gott, schaffe mir Recht!
Jesu Ruf ist nicht unerhört geblieben: Gott hat ihn – den zu Unrecht Gekreuzigten ins Recht gesetzt – zu neuem Leben auferweckt: Grund der Hoffnung – aber auch Grund zum Protest gegen Unrecht! Auch in dem klagenden Psalm für den heutigen Sonntag – geht schon so ein Licht der neuen Welt auf – ein Osterlicht – eine Hoffnung auf Heil selbst in heillosen Zeiten: „Gott, schaffe mir Recht, ... Sende dein Licht und deine Wahrheit. Ich werde ihm ich danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. (Psalm 43,5)