Manuskripte

SWR2 Wort zum Sonntag

Woche vom 13.01.2008 bis 19.01.2008




Klaus Nagorni

Von Klaus Nagorni, Karlsruhe

Sonntag, 13. Januar 2008     [Druckversion]

Am Schluss des Films steht die siegreiche Königin Elisabeth - dargestellt von der wunderbaren Cate Blanchett - an der Küste Englands und schaut auf die besiegte Flotte der spanischen Armada. Gib uns die Kraft, Gott, so betet sie, die errungene Freiheit in Zukunft richtig zu gebrauchen.
In der Tat: das Erkämpfen der Freiheit ist das eine, das Bewahren der Freiheit das andere. Beides ist anstrengend und kostet Kraft. Beides wird in der Bibel thematisiert.
Wie die Ketten abgeschüttelt werden, wie die Freiheit vom Joch der Sklaverei errungen wird - dafür steht die Geschichte vom Auszug aus Ägypten, wo die Hebräer Pyramiden bauen mussten. Der Mann Moses ist die Leitfigur dieser Befreiung.
Die Bewahrung der Freiheit - das ist die nicht weniger aufregende Geschichte, die dann kommt. Sie wird eingeleitet von der Gottesbegegnung des Mose in der Wüste. Dort, wo dem Volk Israel die zehn Geboten gegeben werden am Fuße des Berges Sinai.
Die Geschichte von der Bewahrung der Freiheit - das ist die Geschichte davon, wie Gott sein Volk durch die Wüste führt. Und diese Geschichte geht weiter zu uns, zu uns, die wir in anderen Wüsten und vor anderen Bergen stehen.
Haben wir die Kraft und die Phantasie, unsere Wüsten zu durchqueren und die Berge zu meistern, die vor uns liegen? Können wir halten, was wir errungen haben?
Die politischen Konstanten in unserer Gesellschaft verschieben sich langsam. Wir spüren deutlich: was in den zurückliegenden Jahren Sicherheit gab, ist unsicher geworden. Traditionen brechen ab, Übereinkünfte zwischen den Generationen sind nicht mehr selbstverständlich.
Da kommen die zehn Gebote ganz neu ins Spiel. Die zehn Gebote als erprobte Markierungen auf dem Weg, der durch Wüsten unterschiedlichster Art auf ein Leben zuführt, das gut ist.
Sie sind keine Moralpredigt. Sie versuchen nicht durch Wohlverhalten Gott auf die eigene Seite zu ziehen. Denn sie setzen das Geschenk der Befreiung aus dem Haus der Sklaverei voraus.
Die zehn Gebote lassen sich angemessen nur verstehen als Ausdruck einer dankbaren Beziehung zu Gott als dem Grund aller Freiheit. Umgekehrt ist Freiheit bedroht und geht verloren, wenn diese Beziehung bedroht ist und verloren geht.
Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Denn nur Gott ist Quelle der Freiheit. Du sollst dir kein Bildnis machen. Denn lässt Gott sich nicht gleichsetzen mit einem Stück Welt. Du sollst den Feiertag heiligen. Denn Befreiung ist immer auch Befreiung aus dem Sklavenhaus des Terminkalenders. Du sollst nicht töten und nicht ehebrechen. Denn du sollst du deinem Nächsten nicht nehmen, was sein Leben ausmacht.
Die zehn Weisungen sind exemplarisch dafür, dass Gottes Wille konkret ist. Sie leiten dazu an, die von Gott gegebene Freiheit in jeder neuen Lebenssituation neu zu buchstabieren und zu bewahren. Und das, auf dem Hintergrund einer erprobten Beziehungsgeschichte, in der sich Gott als Gott der Befreiung offenbart hat.
„Ich bin der Herr, dein Gott“, so steht es wie eingemeißelt über den zehn Geboten. So steht es als Weisung über dem noch jungen Jahr. Mögen sie uns die Kraft und Motivation geben, die errungene Freiheit auch in Zukunft zu bewahren. Per E-Mail empfehlen