Woche vom 07.10.2007 bis 13.10.2007 

Von Monika Renninger, Stuttgart, Evangelische Kirche
Der Name Gottes (2. Mose 20)
Sonntag, 07. Oktober 2007
In vielen Gottesdiensten an diesem Sonntag steht heute ein Bibeltext im Mittelpunkt, der weit über den jüdisch-christlichen Kulturkreis hinaus bekannt ist: die Zehn Gebote. Sie enthalten eine Menschheitsethik. Und doch sind sie nicht in eine Art allgemeine Philosophie und Ethik eingebunden, sondern in Sätze des Glaubens: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Knechtschaft geführt hat, du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Und: „Du sollst dir kein Bild machen.“ Das Bekenntnis zu Gott steckt den Horizont für alles ab, was dann folgt.
Gott ist größer und weiter als alle Vorstellungen der Menschen, kein menschliches Bild kann ihn fassen. Das ist so tief in der biblischen Tradition verankert, dass sogar der Name Gottes vor solchem menschlichen Zugriff geschützt und bewahrt wird. Die biblische Überlieferung sorgt selbst dafür, dass der Name Gottes nicht so einfach fassbar ist. Sie überliefert einen Ausdruck für Gott, der erstens kein Name ist und den man zweitens gar nicht aussprechen kann. Gott stellt sich am Anfang der biblischen Erzählung vom Auszug aus Ägypten mit dem Satz vor: “Ich bin der Ich-bin-da.“ (2. Mose 3,14) – Das ist statt eines Namens ein ganzer Satz! Diesen Satz kann man wie eine Abkürzung schreiben, nur mit den Konsonanten.
Aber warum ist die biblische Tradition da so streng, warum soll man den Namen Gottes nicht so einfach aussprechen können?
Zum einen: Wen und was man beim Namen nennt und kennt, hat man sich vertraut gemacht. Man hat ein zärtliches oder spöttisches, ein ehrfurchtsvolles oder ängstliches, ein distanziertes oder vertrautes Bild von jemandem. Das Gebot: Du sollst dir kein Bild von Gott machen, verbietet auch solches Bildermachen. Wir Menschen sollen uns Gott nicht so greifbar und benennbar machen, dass wir ihn gewissermaßen auf unsere Größe zurecht stutzen. Weder sollen wir Gott handlich klein kriegen und verniedlichen als einen lieben Gott, den wir hervorholen, wenn wir ihn brauchen, noch sollen wir Gott verzerren zu einem zornigen oder strafenden Gott, wenn wir uns etwas nicht erklären können. Denn: Alle unsere Erklärungsmuster sind ja nur so groß und so weitsichtig wie wir selbst. Und das genügt nicht. Der unaussprechbare Name Gottes meint also: Die Menschen sollen nicht einen Namen für Gott haben, mit den sie ihn auf ihr Maß reduzieren können. Ich finde: Das ist für uns, die wir für alles und jedes eine Erklärung und einen Begriff haben, eine heilsame Einschränkung und bremst uns ein bisschen aus in der „Wir haben doch alles im Griff“-Haltung.
Zum anderen zeigt der Satz, der zum Gottesnamen verdichtet wurde: Gottes Gegenwart „Ich-bin-da“ berührt die Menschen in vielfältigen und unterschiedlichen Momenten. Gott setzt sich in Beziehung zu seinen Menschenkindern und geht mit ihnen, in ihre verschiedenen Lebenszeiten und Lebenssituationen hinein. Gott ist da im Glück und ist da im Leid, ist da, wenn Menschen loben und danken, und ist da, wenn sie anklagen und ihr Nicht-Verstehen hinaus rufen. Dieser Gott hockt nicht auf einem Himmelsthron und regiert aus den Wolken, sondern ist mittendrin in seiner Schöpfung, ist gegenwärtig. Das ist für mich eine wunderbare Vorstellung – Gott bei den Menschen.
Für Christen ist dies vor Augen in dem, wie Jesus mit den Menschen gelebt hat. Wo Jesus geheilt und getröstet, zurecht gewiesen und aufgerüttelt, protestiert und von Gott erzählt hat, da war Gott: Ich-bin-da. Auch im Sterben und im Tod – und dann in der Verheißung neuen Lebens. Die vielfältige und vielgestaltige Gegenwart Gottes ist in Jesus sichtbar, und deshalb auch dann wieder in den unterschiedlichen Namen Jesu: Gottessohn, Messias, Menschenbruder, Tröster, Weltenrichter, Heiland, Kind, Gekreuzigter.
Gottes Name wohnt in unserer Welt, ist „Ich-bin-da“. Was könnte das besser zeigen als der große und weite Schatz der Namen Gottes, die in der Bibel überliefert sind? Die Quelle des Lebens, der König der Welt, Herrscher der Heerscharen, Vater, Mutter, Schirm und Schild, Fels, Zelt und Hütte. Der Lebendige, Ewige, Barmherzige, Eine, der Ich-Bin-Da.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!
Gott ist größer und weiter als alle Vorstellungen der Menschen, kein menschliches Bild kann ihn fassen. Das ist so tief in der biblischen Tradition verankert, dass sogar der Name Gottes vor solchem menschlichen Zugriff geschützt und bewahrt wird. Die biblische Überlieferung sorgt selbst dafür, dass der Name Gottes nicht so einfach fassbar ist. Sie überliefert einen Ausdruck für Gott, der erstens kein Name ist und den man zweitens gar nicht aussprechen kann. Gott stellt sich am Anfang der biblischen Erzählung vom Auszug aus Ägypten mit dem Satz vor: “Ich bin der Ich-bin-da.“ (2. Mose 3,14) – Das ist statt eines Namens ein ganzer Satz! Diesen Satz kann man wie eine Abkürzung schreiben, nur mit den Konsonanten.
Aber warum ist die biblische Tradition da so streng, warum soll man den Namen Gottes nicht so einfach aussprechen können?
Zum einen: Wen und was man beim Namen nennt und kennt, hat man sich vertraut gemacht. Man hat ein zärtliches oder spöttisches, ein ehrfurchtsvolles oder ängstliches, ein distanziertes oder vertrautes Bild von jemandem. Das Gebot: Du sollst dir kein Bild von Gott machen, verbietet auch solches Bildermachen. Wir Menschen sollen uns Gott nicht so greifbar und benennbar machen, dass wir ihn gewissermaßen auf unsere Größe zurecht stutzen. Weder sollen wir Gott handlich klein kriegen und verniedlichen als einen lieben Gott, den wir hervorholen, wenn wir ihn brauchen, noch sollen wir Gott verzerren zu einem zornigen oder strafenden Gott, wenn wir uns etwas nicht erklären können. Denn: Alle unsere Erklärungsmuster sind ja nur so groß und so weitsichtig wie wir selbst. Und das genügt nicht. Der unaussprechbare Name Gottes meint also: Die Menschen sollen nicht einen Namen für Gott haben, mit den sie ihn auf ihr Maß reduzieren können. Ich finde: Das ist für uns, die wir für alles und jedes eine Erklärung und einen Begriff haben, eine heilsame Einschränkung und bremst uns ein bisschen aus in der „Wir haben doch alles im Griff“-Haltung.
Zum anderen zeigt der Satz, der zum Gottesnamen verdichtet wurde: Gottes Gegenwart „Ich-bin-da“ berührt die Menschen in vielfältigen und unterschiedlichen Momenten. Gott setzt sich in Beziehung zu seinen Menschenkindern und geht mit ihnen, in ihre verschiedenen Lebenszeiten und Lebenssituationen hinein. Gott ist da im Glück und ist da im Leid, ist da, wenn Menschen loben und danken, und ist da, wenn sie anklagen und ihr Nicht-Verstehen hinaus rufen. Dieser Gott hockt nicht auf einem Himmelsthron und regiert aus den Wolken, sondern ist mittendrin in seiner Schöpfung, ist gegenwärtig. Das ist für mich eine wunderbare Vorstellung – Gott bei den Menschen.
Für Christen ist dies vor Augen in dem, wie Jesus mit den Menschen gelebt hat. Wo Jesus geheilt und getröstet, zurecht gewiesen und aufgerüttelt, protestiert und von Gott erzählt hat, da war Gott: Ich-bin-da. Auch im Sterben und im Tod – und dann in der Verheißung neuen Lebens. Die vielfältige und vielgestaltige Gegenwart Gottes ist in Jesus sichtbar, und deshalb auch dann wieder in den unterschiedlichen Namen Jesu: Gottessohn, Messias, Menschenbruder, Tröster, Weltenrichter, Heiland, Kind, Gekreuzigter.
Gottes Name wohnt in unserer Welt, ist „Ich-bin-da“. Was könnte das besser zeigen als der große und weite Schatz der Namen Gottes, die in der Bibel überliefert sind? Die Quelle des Lebens, der König der Welt, Herrscher der Heerscharen, Vater, Mutter, Schirm und Schild, Fels, Zelt und Hütte. Der Lebendige, Ewige, Barmherzige, Eine, der Ich-Bin-Da.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag!



