Manuskripte

SWR2 Wort zum Sonntag

Woche vom 30.09.2007 bis 06.10.2007


Sonntag, 30. September 2007     [Druckversion]

Liebe Hörerinnen und Hörer,
„Strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit“ , dieser Satz aus dem 1. Timotheusbrief wird heute in vielen katholischen Gottesdiensten gelesen, (vgl. 1 Tim 6, 1).Gerechtigkeit – ein weites Feld. Nicht allein die soziale Gerechtigkeit ist damit gemeint. In unserer Zeit kommt zunehmend auch die Frage der Ökologie mit in den Blick. Denn die Länder, die unter dem Klimawandel zu leiden haben, sind vor allem die ärmeren Länder des Südens, die von Hochwasser und Wirbelstürmen viel stärker betroffen sind als wir. Verursacher sind jedoch in weit größerem Maße wir, die Industrieländer des Nordens.
Doch wie können wir, Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, und ich, gegen diese neue Ungerechtigkeit angehen? Es geht mir nicht darum, uns beim täglichen Gebrauch unserer modernen Hilfsmittel ein schlechtes Gewissen zu erzeugen. Hilfreicher erscheint es mir, einen anderen Weg aufzuzeigen, den uns ein Blick in eine vergangene Zeit eröffnen kann.
Am kommenden Donnerstag feiert die katholische Kirche den Gedenktag eines der bekanntesten und faszinierendsten Heiligen: den Gedenktag des hl. Franziskus.
Er hat in seiner Zeit viel dazu beigetragen, die Kirche wieder glaubwürdiger zu machen, die im 13. Jahrhundert mit allzu vielen weltlichen Dingen beschäftigt war. Franziskus hat durch sein Leben in mehrfacher Hinsicht ein überzeugendes Beispiel christlichen Handelns gegeben. Aus reichem Hause stammend, Partys und Prunk gewohnt, legte er mit einem Schlag dieses rauschende Leben ab und entschloss sich, als einfacher Bettelmönch zu leben, zurückgezogen und aufs Engste verbunden mit der Natur.
Nun können wir nicht alle unseren Besitz zurücklassen und aus unseren Häusern in die freie Natur ziehen. Aber auch für unser Leben in der Zivilisation können wir von diesem radikalen Heiligen einiges lernen.
In einem seiner schönsten Gedichte und Lobgesänge auf die Natur, spricht der heilige Franziskus ganz selbstverständlich von ‚Mutter Erde’, ‚Schwester Wasser’ oder von ‚Bruder Wind’. Das lässt aufhorchen.
Die Natur ist für Franz von Assisi kein Gebrauchsgegenstand, der einem nützt und den man im schlimmsten Fall aus-nützt. Sie ist für ihn wie eine Familie, mit der wir leben, in der wir aufwachsen, die wir uns nicht aussuchen, die aber unser Leben trägt.. Der hl. Franziskus erkannte: so wie er selbst ein Geschöpf Gottes ist, so ist alles, was uns in der Natur umgibt, von Gott geschaffen. Dadurch leben wir in einer besonderen Verbundenheit, in einem tiefen Miteinander mit unserer Umwelt, mit den Elementen und Gewalten der Natur, mit Pflanzen, Tieren und den Mitmenschen in allen Gebieten der Erde. Die ganze Schöpfung ist da, um Gott zu verherrlichen, um die Größe Gottes aufscheinen zu lassen.
Das Beispiel des heiligen Franziskus kann, so meine ich, auch uns heute helfen, im Kleinen verantwortungsvoll mit der Schöpfung umzugehen: Alles, was uns umgibt, ist Gottes Schöpfung und gehört dadurch zu uns.
Durch diese Sicht werden wir möglicherweise mit dem Wasser anders umgehen als bisher, werden wir Tiere und auch unsere Mitmenschen mit neuen Augen sehen.
Mit dieser veränderten Haltung können wir zu mehr Gerechtigkeit kommen, im Miteinander, und auch in der Ökologie. Ich bin mir sicher, dass einem jedem und einer jeden von uns etwas einfällt, wo wir, Sie und ich heute beginnen können.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten und besinnlichen Sonntag. Per E-Mail empfehlen