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Woche vom 14.01.2007 bis 20.01.2007




Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Religiöses Vorbild für Europa – Elisabeth von Thüringen

Sonntag, 14. Januar 2007     [Druckversion]

Ob Angela Merkel das schafft?
Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den europäischen Verfassungsprozess wieder in Gang zu bringen. Europa braucht eine Verfassung, damit es wieder in bessere Verfassung kommt, meint sie. Ich bin gespannt, ob Angela Merkel das schafft als Ratspräsidentin der EU.
Und: Wird sie es auch schaffen, den Gottesbezug in der Verfassung zu verankern? Oder wird sie am Widerstand dagegen scheitern. Das wäre ein Schade, glaube ich.
Denn was „Europa“ geistig und kulturell ist, das haben Judentum und Christentum,
und auch der Islam sehr stark mit gestaltet.
Und auch der Verlauf der europäischen Geschichte ist vom Glauben der Menschen mit geprägt worden. Im Guten wie im Schlechten: Kreuzzüge, Religionskriege auf der Minusseite. Und auf der Plusseite: Religiöse Kunst, Architektur zB. Und Menschlichkeit, die sich aus dem Glauben an Gott speist und die Kraft, immer wieder neue, gute Wege zu finden.
All das gilt nicht nur für Vergangenheit und Gegenwart Europas. Es ist auch für unsere Zukunft lebenswichtig, dass die Energie, die in den Religionen steckt, zum Guten wirken kann. Ich glaube, der Gottesbezug in der Verfassung könnte das befördern. Wenn Christen, Juden und auch Muslime und auch unreligiöse Menschen spüren, Europa schätzt und will den Glauben als Energiequelle für die Zukunft.

Wie ich das meine, möchte ich an einer der bedeutendsten Frauen des europäischen Mittelalters zeigen. Ihr Gedenkjahr wird in vielen Ländern Europas gefeiert:
Elisabeth von Thüringen.

1207, vor 800 Jahren ist sie geboren als ungarische Königstochter. „Eine europäische Heilige“ nennt sie eine der großen Ausstellungen, die an sie erinnert.
Elisabeths Leben ist ganz geprägt von der positiven Kraft des Glaubens.
Aber auch dessen dunkle Seiten hat sie erleiden müssen. Schon mit 4 Jahren wurde sie aus politischen Gründen nach Thüringen, auf die Wartburg gebracht, zwecks späterer Heirat. Anders als die meisten politischen Paare haben sich Elisabeth und ihr Ludwig sehr geliebt. Bis Ludwig dem Ruf des irre geleiteten Glaubens folgte. Unterwegs auf dem Kreuzzug stirbt er an einer Seuche. Lässt seine Elisabeth verzweifelt zurück, gerade mal 20 ist sie.
Aber die junge Witwe ist dieser aus den Fugen geratenen Welt nicht hilflos ausgeliefert. Der Glaube gibt ihr die Kraft stand zu halten und zuzupacken.
Sie verlässt ihre elitäre Position als hochadlige Frau und wendet sich ganz der Not der Ärmsten zu. Sie geht hinunter. In die Stadt Eisenach am Fuß ihrer Wartburg. Sie hätte behütet dort bleiben können. Vielleicht von oben helfen. Aber der Glaube führt sie zu den Menschen.
Sie lässt ein „Hospital“ errichten, nimmt Kranke, Bedürftige und Arme auf. Vor allem: Sie legt selbst Hand an. Sie kämpft gegen die Folgen einer Hungersnot, pflegt Kranke, genau wie es Christus als „Werke der Barmherzigkeit“ fordert. Sie kümmert sich sogar um Aussätzige. Die Kreuzzüge spülen diese Leprakranken zurück vor die Tore der neu entstandenen Städte. Niemand will mit ihnen zu tun haben. Anders Elisabeth: Sie wäscht ihnen die Füße. Ganz im Sinne Jesu, der Kranke und Hungernde seine geringsten Brüder und Schwestern genannt hat. Ihr Gott führt sie, die hohe Frau aus der Elite der Gesellschaft, in die Tiefen des Lebens. Mit 24 stirbt Elisabeth, ausgezehrt von ihrem Engagement. Sie wird von den Menschen verehrt, weil sie Menschen Würde gegeben und das Leben leichter gemacht hat. Aus Glauben an Gott.
Diese Frau gehört zum Schatz der Vorbilder, die den Geist Europas prägen. Bis heute und hoffentlich auch in Zukunft.
Deshalb wäre der Gottesbezug in einer europäischen Verfassung gut, finde ich. So ein Gott erinnert auch die Eliten, dass auch sie für die Ärmsten verantwortlich sind.
Sollte das etwa mit ein Grund sein, dass viele den Gottesbezug nicht in der europäischen Verfassung wollen? Dann wünsche ich Angela Merkel erst recht, dass sie es schafft, dass Gott in die Verfassung Europas kommt.