Woche vom 08.03.2008 bis 14.03.2008 

Von Klaus Nagorni, Karlsruhe
Freitag, 14. März 2008
Nimm die Tageszeitung – jeder Tag ist eine Wunde. So heißt es bei Siegfried Lenz in seinem Essay „Über den Schmerz“. Es ist eine Meditation darüber, wie der Schmerz unser Leben durchzieht. Der Schmerz des Körpers und der Schmerz der Seele.
Vielfältig ist der Schmerz. Uns allen bekannt. Ohne dass wir genau sagen könnten worin er besteht. Er bleibt ein Geheimnis. Am Ende wissen wir nur, dass er hinein gewoben ist in jedes Leben.
„Er ist ein Seinsereignis“, schreibt Siegfried Lenz, “das zum Menschen gehört, und je länger wir darüber nachdenken, desto entschiedener rät uns die Vernunft, ihn nicht allein als Unheil zu betrachten.“
Er schließt mit der Überlegung: „Wenn wir ihn mit gelassener Aufmerksamkeit bestimmen, zeigt es sich, dass er auch einen Offenbarungscharakter hat: er öffnet uns nicht nur unsere Ohnmacht und Verletzlichkeit, sondern lässt uns auch eine tröstliche Möglichkeit der Existenz erkennen – die Möglichkeit einer Bruderschaft im Schmerz.“
Passionszeit ist die Zeit, in der wir uns dieser Bruderschaft im Schmerz bewusst werden. So sehr sich Menschen unterscheiden – durch Lebenseinstellungen und Wertvorstellungen, durch unterschiedliche Interessen und geheime Wünsche: den Schmerz kennen alle. Als Pfahl im Fleisch. Als Wunde der Seele. Als Gewahrwerden der Zerbrechlichkeit unseres Lebens.
Dass Christus unseren Schmerz kennt und ihn teilt, macht seine Passion zu einem universalen Ereignis. „Fürwahr er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen ... Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch sei-ne Wunden sind wir geheilt.“
Diese Worte vom Propheten Jesaja sind zum Urbild christlicher Hoffnung geworden. Dass wir nicht allein gelassen sind mit unserem Schmerz. Sondern dass einer ihn geteilt hat. Dass einer diesen alle und alles erfassenden Schmerz zu seiner Angele-genheit gemacht hat.
Christus, der Schmerzensmann, der den Schmerz der Menschen teilt und damit eine Geschwisterschaft im Schmerz stiftet. So jedenfalls wünsche ich mir Kirche. Verbunden im Blick auf den Schmerzensmann, der den Schmerz überwunden hat.
Ich denke heute Morgen an alle, deren Schmerz nicht weichen will, die darunter leiden, dass jeder Tag für sie eine Wunde ist. Ich wünsche ihnen, dass sie glauben und erfahren können, dass sie nicht allein sind mit ihrem Schmerz. Sondern ver-bunden in der unsichtbaren Geschwisterschaft des Schmerzensmannes von Golga-tha.
Vielfältig ist der Schmerz. Uns allen bekannt. Ohne dass wir genau sagen könnten worin er besteht. Er bleibt ein Geheimnis. Am Ende wissen wir nur, dass er hinein gewoben ist in jedes Leben.
„Er ist ein Seinsereignis“, schreibt Siegfried Lenz, “das zum Menschen gehört, und je länger wir darüber nachdenken, desto entschiedener rät uns die Vernunft, ihn nicht allein als Unheil zu betrachten.“
Er schließt mit der Überlegung: „Wenn wir ihn mit gelassener Aufmerksamkeit bestimmen, zeigt es sich, dass er auch einen Offenbarungscharakter hat: er öffnet uns nicht nur unsere Ohnmacht und Verletzlichkeit, sondern lässt uns auch eine tröstliche Möglichkeit der Existenz erkennen – die Möglichkeit einer Bruderschaft im Schmerz.“
Passionszeit ist die Zeit, in der wir uns dieser Bruderschaft im Schmerz bewusst werden. So sehr sich Menschen unterscheiden – durch Lebenseinstellungen und Wertvorstellungen, durch unterschiedliche Interessen und geheime Wünsche: den Schmerz kennen alle. Als Pfahl im Fleisch. Als Wunde der Seele. Als Gewahrwerden der Zerbrechlichkeit unseres Lebens.
Dass Christus unseren Schmerz kennt und ihn teilt, macht seine Passion zu einem universalen Ereignis. „Fürwahr er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen ... Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch sei-ne Wunden sind wir geheilt.“
Diese Worte vom Propheten Jesaja sind zum Urbild christlicher Hoffnung geworden. Dass wir nicht allein gelassen sind mit unserem Schmerz. Sondern dass einer ihn geteilt hat. Dass einer diesen alle und alles erfassenden Schmerz zu seiner Angele-genheit gemacht hat.
Christus, der Schmerzensmann, der den Schmerz der Menschen teilt und damit eine Geschwisterschaft im Schmerz stiftet. So jedenfalls wünsche ich mir Kirche. Verbunden im Blick auf den Schmerzensmann, der den Schmerz überwunden hat.
Ich denke heute Morgen an alle, deren Schmerz nicht weichen will, die darunter leiden, dass jeder Tag für sie eine Wunde ist. Ich wünsche ihnen, dass sie glauben und erfahren können, dass sie nicht allein sind mit ihrem Schmerz. Sondern ver-bunden in der unsichtbaren Geschwisterschaft des Schmerzensmannes von Golga-tha.
Donnerstag, 13. März 2008
Wer lebt, stört! So las ich kürzlich zum Thema Klimawandel. Es ging um die Frage: Wer ist für den befürchteten Klimawandel verantwortlich zu machen? Sicher nicht nur die Autos im Straßenverkehr. Sicher nicht nur unser Energie- und Strom-verbrauch.
Genau genommen, so stand zu lesen, trägt jeder Atemzug unweigerlich dazu bei, die weltweite CO2-Bilanz ansteigen zu lassen. Kein erfreulicher Gedanke, wenn alles Leben zugleich mit dieser Belastung verbunden ist. Wenn wer lebt, automa-tisch stört. Kein schöner Gedanke, aber wohl ein realistischer!
Albert Schweizer, der große Mediziner, Theologe und Ethiker hat das gewusst. Ihm war klar, dass es im Blick darauf, wie wir leben, keine Politik der weißen Weste geben kann. Weil Leben immer auf Kosten anderer geht.
„Ich bin Leben inmitten von Leben, das leben will“, hat Albert Schweitzer darum formuliert. Und der Evolutionsbiologie insofern Recht gegeben. Leben ist ein biolo-gischer Konkurrenzkampf, gnadenlos, weil er immer auf Kosten anderen Lebens geht.
Als Christ und ethisch denkender Mensch ging Albert Schweizer aber über die Evo-lutionsbiologie hinaus. Er wusste, dass biblischer Glaube aus der Tatsache des Konkurrenzkampfes andere Schlüsse zieht. Nicht: Wer lebt, stört. Sondern: Du bist willkommen im großen Orchester aller Geschöpfe. Das behauptet der Glaube.
Christlicher Glaube stellt das miteinander und ineinander verwobene Leben in einen anderen Kontext. Er gibt dem Menschen Regeln dafür, wie er sein Leben nicht in Konkurrenz, sondern in Gemeinschaft mit anderen einrichten kann: den Nächsten lieben wie sich selbst. Und er endet mit einem Versprechen: dass du am Ende in das Geheimnis zurückkehrst, aus dem du gekommen bist.
Wer lebt, stört nicht! Das Leben ist nicht zwangsläufig der Kampf aller gegen alle. Denn es geht auch anders. Aus dem Wissen heraus, dass mein Leben kostbar ist, ergibt sich als Konsequenz, dass auch das Leben anderer kostbar ist. Auch in dem Sinn kostbar, dass mich Gemeinschaft mit anderen auch immer etwas an Ein-schränkungen kostet, an Empathie und Sensibilität für die Bedürfnisse anderer. Aber dadurch wird es auch reicher und erfüllter.
Sich selbst zurücknehmen, wo es möglich ist. Es genug sein lassen. Raum geben für das, was andere brauchen. Das trägt zum Klimawandel bei – im Kleinen wie im Großen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.
Genau genommen, so stand zu lesen, trägt jeder Atemzug unweigerlich dazu bei, die weltweite CO2-Bilanz ansteigen zu lassen. Kein erfreulicher Gedanke, wenn alles Leben zugleich mit dieser Belastung verbunden ist. Wenn wer lebt, automa-tisch stört. Kein schöner Gedanke, aber wohl ein realistischer!
Albert Schweizer, der große Mediziner, Theologe und Ethiker hat das gewusst. Ihm war klar, dass es im Blick darauf, wie wir leben, keine Politik der weißen Weste geben kann. Weil Leben immer auf Kosten anderer geht.
„Ich bin Leben inmitten von Leben, das leben will“, hat Albert Schweitzer darum formuliert. Und der Evolutionsbiologie insofern Recht gegeben. Leben ist ein biolo-gischer Konkurrenzkampf, gnadenlos, weil er immer auf Kosten anderen Lebens geht.
Als Christ und ethisch denkender Mensch ging Albert Schweizer aber über die Evo-lutionsbiologie hinaus. Er wusste, dass biblischer Glaube aus der Tatsache des Konkurrenzkampfes andere Schlüsse zieht. Nicht: Wer lebt, stört. Sondern: Du bist willkommen im großen Orchester aller Geschöpfe. Das behauptet der Glaube.
Christlicher Glaube stellt das miteinander und ineinander verwobene Leben in einen anderen Kontext. Er gibt dem Menschen Regeln dafür, wie er sein Leben nicht in Konkurrenz, sondern in Gemeinschaft mit anderen einrichten kann: den Nächsten lieben wie sich selbst. Und er endet mit einem Versprechen: dass du am Ende in das Geheimnis zurückkehrst, aus dem du gekommen bist.
Wer lebt, stört nicht! Das Leben ist nicht zwangsläufig der Kampf aller gegen alle. Denn es geht auch anders. Aus dem Wissen heraus, dass mein Leben kostbar ist, ergibt sich als Konsequenz, dass auch das Leben anderer kostbar ist. Auch in dem Sinn kostbar, dass mich Gemeinschaft mit anderen auch immer etwas an Ein-schränkungen kostet, an Empathie und Sensibilität für die Bedürfnisse anderer. Aber dadurch wird es auch reicher und erfüllter.
Sich selbst zurücknehmen, wo es möglich ist. Es genug sein lassen. Raum geben für das, was andere brauchen. Das trägt zum Klimawandel bei – im Kleinen wie im Großen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag.

Von Harry Waßmann, Tübingen, Evangelische Kirche
„Genug kann nie genügen...“ ?
Mittwoch, 12. März 2008
„Genug kann nie genügen“, singt Konstantin Wecker in einem seiner Lieder. Und drückt damit das Lebensgefühl seiner Generation aus – womöglich auch der zur Zeit so beachteten 68er Generation. So stand es nämlich - vor vierzig Jahren - im Mai 1968 an den Pariser Hauswänden: „Survivre, c´est nest pas vivre.“ - „Überleben ist kein Leben!“ - zum Leben im emphatischen Sinn gehört mehr - immer mehr. Ist das so? Und was ist mehr?
Merkwürdig genug: Auch Jesus spricht ähnlich emphatisch von „Leben“. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, (sagt er von sich). Aber auch im Blick auf das Leben der Anderen redet er so zugespitzt: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss.“ So steht es wortwörtlich im Johannesevangelium (Johannes 10,10): „Leben im Überfluss“. Es geht Jesus nicht nur um ein Überleben, sondern um ein „Leben im Überfluss“, um ein Leben „in Fülle“, wie andere dieses Wort auch übersetzen - um „mehr als genug“.
Das irritiert mich. Ist Jesus etwa ein Wegbereiter der Überflussgesellschaft? Und gefährdet nicht gerade heute der materielle Überfluss in den Industriegesellschaften das Überleben auf diesem Planeten? Die einen kaufen alles Erdenkliche, was sie zahlen können, haben Essen, Kleider, Reisen – alles - aber wirklich alles im Überfluss –- und den Anderen fehlt das Nötigste. Dieser Überfluss – denke ich zerrüttet die Lebensgrundlagen weltweit - sozial und ökologisch.
Kann es denn nicht ein Leben geben zwischen bitterer Not und maßlosem Überfluss? Mir scheint, Martin Luther hat an so ein Leben gedacht, als er dieses Jesuswort anders übersetzt hat. Luther übersetzt nicht „Überfluss“ sondern in seiner Übersetzung verspricht Jesus „Leben und volle Genüge“.
Am besten erklärt die Jugendsprache, was „volle Genüge“ heißt. Jugendliche reden oft davon, dass etwas „voll gut“ ist. Und was „voll gut“ ist – das ist nicht mehr zu toppen – da gibt es keine Steigerung mehr. „Volle Genüge“ ist also: voll genug, voll befriedigend – und das reicht in jeder Hinsicht. Für Luther gehörten dazu: „Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter, alles, was not tut für Leib und Leben.“ (Katechismus)
Ich möchte darüber nachdenken, was „voll genug“ ist, ohne Verzichtsparolen und ohne besinnungslosen Konsum: wo ich zu viel Medien konsumiere und zu wenig Zeit mit Freunden verbringe, wo ich mir das X-te Paar Schuhe kaufe – aber an Biolebensmitteln spare. Damit ich dahinter wirklich „Leben und volle Genüge“ habe.
Merkwürdig genug: Auch Jesus spricht ähnlich emphatisch von „Leben“. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“, (sagt er von sich). Aber auch im Blick auf das Leben der Anderen redet er so zugespitzt: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss.“ So steht es wortwörtlich im Johannesevangelium (Johannes 10,10): „Leben im Überfluss“. Es geht Jesus nicht nur um ein Überleben, sondern um ein „Leben im Überfluss“, um ein Leben „in Fülle“, wie andere dieses Wort auch übersetzen - um „mehr als genug“.
Das irritiert mich. Ist Jesus etwa ein Wegbereiter der Überflussgesellschaft? Und gefährdet nicht gerade heute der materielle Überfluss in den Industriegesellschaften das Überleben auf diesem Planeten? Die einen kaufen alles Erdenkliche, was sie zahlen können, haben Essen, Kleider, Reisen – alles - aber wirklich alles im Überfluss –- und den Anderen fehlt das Nötigste. Dieser Überfluss – denke ich zerrüttet die Lebensgrundlagen weltweit - sozial und ökologisch.
Kann es denn nicht ein Leben geben zwischen bitterer Not und maßlosem Überfluss? Mir scheint, Martin Luther hat an so ein Leben gedacht, als er dieses Jesuswort anders übersetzt hat. Luther übersetzt nicht „Überfluss“ sondern in seiner Übersetzung verspricht Jesus „Leben und volle Genüge“.
Am besten erklärt die Jugendsprache, was „volle Genüge“ heißt. Jugendliche reden oft davon, dass etwas „voll gut“ ist. Und was „voll gut“ ist – das ist nicht mehr zu toppen – da gibt es keine Steigerung mehr. „Volle Genüge“ ist also: voll genug, voll befriedigend – und das reicht in jeder Hinsicht. Für Luther gehörten dazu: „Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter, alles, was not tut für Leib und Leben.“ (Katechismus)
Ich möchte darüber nachdenken, was „voll genug“ ist, ohne Verzichtsparolen und ohne besinnungslosen Konsum: wo ich zu viel Medien konsumiere und zu wenig Zeit mit Freunden verbringe, wo ich mir das X-te Paar Schuhe kaufe – aber an Biolebensmitteln spare. Damit ich dahinter wirklich „Leben und volle Genüge“ habe.
„Schwarzbrot-Spiritualität“
Dienstag, 11. März 2008
„Schwarzbrot-Spiritualität“ – das ist die Wortschöpfung eines schöpferischen Theologen. Fulbert Steffensky hat so sein unlängst erschienenes Buch betitelt. Ein Wort wie ein Programm: „Schwarzbrot-Spiritualität“.
Aber was macht „Schwarzbrot-Spiritualität“ aus? Gar nicht so leicht zu sagen.
Vor kurzem bekam ich einen Anruf mit eben dieser Frage: „Da kommt ein Referent aus Hamburg nach Stuttgart und hält einen Vortrag mit dem Titel »Schwarzbrot-Spiritualität«. Was ist das eigentlich?“ Ich war einigermaßen verlegen. Spontan fiel mir zur Erklärung nur ein Gegenbild ein: „Toastbrot-Spiritualität“ – weißes, ungetoastetes Toastbrot, ohne Kruste, lätschig, nahezu geschmacksneutral.
Doch befriedigt hat mich meine Antwort selber nicht. Denn wofür steht positiv ausgedrückt »Schwarzbrot-Spiritualität«?
Was will der Fulbert Steffensky mit diesem Wort anregen?
Gewiss dies: ein Nachdenken über das derzeit so viel benutzte Wort „Spiritualität“. Dass ich unterscheiden lerne zwischen sehr verschiedener geistiger Nahrung. Schau genau hin, was du dir einverleibst: Schwarzbrot ist nicht die schnelle Schnitte zum raschen Verschlingen. Für Schwarzbrot brauchst du Zeit. Schwarzbrot musst du kauen, intensiv und ausgiebig. Dann erst entfaltet sich sein voller Geschmack – und dann erst kommst du auf den Geschmack. „Schwarzbrot-Spiritualität“ hieße dann: Es gibt geistige Nahrung, die braucht Zeit, bis ich ihren Gehalt spüre.
Bevor ich das Apostolische Glaubensbekenntnis – bevor ich das Vaterunser oder die Psalmen oder alte Choräle in ihrer geheimnisvoll fremden Sprache als altbacken abtue: Kaue intensiv! – nicht um gedankenlos wiederzukäuen – aber um dahinter zu kommen: Was für Erfahrungen verbergen sich darin? Was für eine Poesie? Was für eine geistliche Kraft?
Das Vaterunser ist ganz bestimmt ein besonderer Brocken „Schwarzbrot-Spiritualität“. Ein Gebet, in das ich mein Leben legen kann.
„Unser tägliches Brot gib uns heute“– das, was wir heute brauchen und nicht in erst zehn Jahren meinen zu brauchen.
„Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ - weil wir selber schuldig werden und von Gott Vergebung erflehen.
Immer wieder erfahre ich - am Bett eines Kranken oder Sterbenskranken - das Vaterunser ist eine Trost und Kraftquelle, ein Gebet, das Ruhe schafft noch in größter Angst und Not - vom „Vater unser im Himmel“ bis zum Lobpreis „Denn dein ist das Reich – und die Kraft und die Herrlichkeit – in Ewigkeit“. Ein Gebet, das mein Leben mit Gott verbindet – Schwarzbrotspiritualität, die meine Seele ernährt.
Aber was macht „Schwarzbrot-Spiritualität“ aus? Gar nicht so leicht zu sagen.
Vor kurzem bekam ich einen Anruf mit eben dieser Frage: „Da kommt ein Referent aus Hamburg nach Stuttgart und hält einen Vortrag mit dem Titel »Schwarzbrot-Spiritualität«. Was ist das eigentlich?“ Ich war einigermaßen verlegen. Spontan fiel mir zur Erklärung nur ein Gegenbild ein: „Toastbrot-Spiritualität“ – weißes, ungetoastetes Toastbrot, ohne Kruste, lätschig, nahezu geschmacksneutral.
Doch befriedigt hat mich meine Antwort selber nicht. Denn wofür steht positiv ausgedrückt »Schwarzbrot-Spiritualität«?
Was will der Fulbert Steffensky mit diesem Wort anregen?
Gewiss dies: ein Nachdenken über das derzeit so viel benutzte Wort „Spiritualität“. Dass ich unterscheiden lerne zwischen sehr verschiedener geistiger Nahrung. Schau genau hin, was du dir einverleibst: Schwarzbrot ist nicht die schnelle Schnitte zum raschen Verschlingen. Für Schwarzbrot brauchst du Zeit. Schwarzbrot musst du kauen, intensiv und ausgiebig. Dann erst entfaltet sich sein voller Geschmack – und dann erst kommst du auf den Geschmack. „Schwarzbrot-Spiritualität“ hieße dann: Es gibt geistige Nahrung, die braucht Zeit, bis ich ihren Gehalt spüre.
Bevor ich das Apostolische Glaubensbekenntnis – bevor ich das Vaterunser oder die Psalmen oder alte Choräle in ihrer geheimnisvoll fremden Sprache als altbacken abtue: Kaue intensiv! – nicht um gedankenlos wiederzukäuen – aber um dahinter zu kommen: Was für Erfahrungen verbergen sich darin? Was für eine Poesie? Was für eine geistliche Kraft?
Das Vaterunser ist ganz bestimmt ein besonderer Brocken „Schwarzbrot-Spiritualität“. Ein Gebet, in das ich mein Leben legen kann.
„Unser tägliches Brot gib uns heute“– das, was wir heute brauchen und nicht in erst zehn Jahren meinen zu brauchen.
„Wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ - weil wir selber schuldig werden und von Gott Vergebung erflehen.
Immer wieder erfahre ich - am Bett eines Kranken oder Sterbenskranken - das Vaterunser ist eine Trost und Kraftquelle, ein Gebet, das Ruhe schafft noch in größter Angst und Not - vom „Vater unser im Himmel“ bis zum Lobpreis „Denn dein ist das Reich – und die Kraft und die Herrlichkeit – in Ewigkeit“. Ein Gebet, das mein Leben mit Gott verbindet – Schwarzbrotspiritualität, die meine Seele ernährt.
Nackt wider willen – Joh 19,24
Montag, 10. März 2008
Nackt sein – wie schön - aber auch wie schmerzhaft kann das sein!
„Sie waren nackt und schämten sich nicht,“ heißt es von Adam und Eva im Garten Eden. Und wenn kleine Kinder ungezwungen im Sommer am Strand ohne Kleider spielen – dann ist mir so, als erreicht mich ein Gruß aus dem Paradies.
Sehr anders dagegen berührt mich die gegen Geld zur Schau gestellte Nacktheit. Immer wieder kommt mir eine Muslima in den Sinn: Ich sehe sie vor mir: an der Straßenkreuzung - mit Kopftuch und knöchellangem Mantel - wie sie vor einer Litfasssäule mit Dessouswerbung - stehen bleibt – und einen Blick auf den entblößten Körper des Models wirft - und wortlos weitergeht. Was denkt sie über die so zur Schau gestellte Nacktheit? Wie berührt sie das? Sie und andere Frauen – nicht nur Muslime? „Lass die Hose runter - Big Brother“ stand auf der nächsten Plakatwand. Wer bei solchen Slogans den Kopf schüttelt – sind das alles Prüde, Verklemmte, Lustfeinde? Ich spüre jedenfalls, wie Nacktheit verletzten kann – die bezahlt Entblößten wie auch die, die damit konfrontiert werden.
Mehr noch allerdings wird Nacktheit wider Willen zum Schmerz. Mir gehen Bilder nach - von Militärgefängnissen, wo Soldaten zur Nacktheit gezwungen, verspottet und gefoltert werden, vor anderen beschämt und gekränkt.
In aller schmerzhaften Nacktheit denke ich an den einen Entblößten - den Mann am Kreuz auf Golgatha – wie römische Soldaten ihm die Kleider runterreißen - und dann um seine Kleider spielen – darum „das Los werfen“ – wie es in der Bibel heißt. „Sie teilen meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand.“ - so betet der nackte Leidende (Psalm 22,19). Auch mit dieser Demütigung verbindet sich seine letzte Klage am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Psalm 22,2). Denn nackt - wider willen entblößt werden – das ist so demütigend und so lieblos, das ist wie von Gott, der doch die Liebe ist, verlassen sein.
Geld und Gewalt beschädigen Nacktheit. Diese Leidensgeschichte hat noch kein Ende. Immer wieder tauchen Videos im Internet auf, die Freunde und Bekannte, Lehrer und Kollegen nackt denunzieren. So entblößt werden - ist entwürdigend. Ich will nicht taub werden für diese Schmerzen. Jesu Leidensgeschichte macht mich auch dafür empfindsam.
„Sie waren nackt und schämten sich nicht,“ heißt es von Adam und Eva im Garten Eden. Und wenn kleine Kinder ungezwungen im Sommer am Strand ohne Kleider spielen – dann ist mir so, als erreicht mich ein Gruß aus dem Paradies.
Sehr anders dagegen berührt mich die gegen Geld zur Schau gestellte Nacktheit. Immer wieder kommt mir eine Muslima in den Sinn: Ich sehe sie vor mir: an der Straßenkreuzung - mit Kopftuch und knöchellangem Mantel - wie sie vor einer Litfasssäule mit Dessouswerbung - stehen bleibt – und einen Blick auf den entblößten Körper des Models wirft - und wortlos weitergeht. Was denkt sie über die so zur Schau gestellte Nacktheit? Wie berührt sie das? Sie und andere Frauen – nicht nur Muslime? „Lass die Hose runter - Big Brother“ stand auf der nächsten Plakatwand. Wer bei solchen Slogans den Kopf schüttelt – sind das alles Prüde, Verklemmte, Lustfeinde? Ich spüre jedenfalls, wie Nacktheit verletzten kann – die bezahlt Entblößten wie auch die, die damit konfrontiert werden.
Mehr noch allerdings wird Nacktheit wider Willen zum Schmerz. Mir gehen Bilder nach - von Militärgefängnissen, wo Soldaten zur Nacktheit gezwungen, verspottet und gefoltert werden, vor anderen beschämt und gekränkt.
In aller schmerzhaften Nacktheit denke ich an den einen Entblößten - den Mann am Kreuz auf Golgatha – wie römische Soldaten ihm die Kleider runterreißen - und dann um seine Kleider spielen – darum „das Los werfen“ – wie es in der Bibel heißt. „Sie teilen meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand.“ - so betet der nackte Leidende (Psalm 22,19). Auch mit dieser Demütigung verbindet sich seine letzte Klage am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Psalm 22,2). Denn nackt - wider willen entblößt werden – das ist so demütigend und so lieblos, das ist wie von Gott, der doch die Liebe ist, verlassen sein.
Geld und Gewalt beschädigen Nacktheit. Diese Leidensgeschichte hat noch kein Ende. Immer wieder tauchen Videos im Internet auf, die Freunde und Bekannte, Lehrer und Kollegen nackt denunzieren. So entblößt werden - ist entwürdigend. Ich will nicht taub werden für diese Schmerzen. Jesu Leidensgeschichte macht mich auch dafür empfindsam.

Von Dr. Maria Meesters, Baden-Baden, Katholische Kirche
Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde - Die aktuelle Rede des Häuptlings Seattle
Samstag, 08. März 2008
1855 im US-Staat Washington. Der amerikanische Präsident Pierce fordert die Indianer vom Stamm der Duwamish auf, ihr Land zu verkaufen. Weiße Familien sollen dort siedeln, die Indianer in ein Reservat umziehen. Der Häuptling Seattle hat dem amerikanischen Präsidenten geantwortet, in einer berühmt gewordenen Rede. Sein erster – verblüffender – Einwand: Wie könnten wir verkaufen, was uns nicht gehört? „Wie“, so der Häuptling, wie „ kann man den Himmel kaufen oder verkaufen - oder die Wärme der Erde? Diese Vorstellung ist uns fremd. Wenn wir die Frische der Luft und das Glitzern des Wassers nicht besitzen - wie könnt Ihr sie von uns kaufen?“
Vor mehr als 150 Jahren hat dieser Indianerstamm modern ökologisch gedacht. Ihr Häuptling
schreibt: „Alles ist verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selber an.“
Daß alles miteinander verbunden ist, lernen wir heute mühsam, vor allem dann wenn Katastrophen und verpestete Luft uns die Folgen unseres Handelns spüren lassen. Jene Indianer vor 150 Jahren dachten nicht zuerst nützlich. Sondern: Das Land, das Wasser, die Luft, die Wärme – sie gehören uns nicht! Deshalb können wir nicht einfach so über sie verfügen. Ein starkes Motiv für den sorgsamen Umgang mit der Natur. Es setzt viel tiefer an als die Angst vor schädlichen Folgen. Seine Wurzel ist Ehrfurcht. Häuptling Seattle fährt fort:
„Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig, in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes.“
Heilig – eine religiöse Vokabel. Die ganze Erde ist geschenkt, ist unverfügbar, ist wie bewohnt von göttlicher Wirklichkeit. Und deshalb können wir Menschen die Erde genauso wenig besitzen wie wir Gott besitzen können.
„Ihr denkt vielleicht, dass Ihr ihn (Gott) besitzt - so wie Ihr unser Land zu besitzen trachtet - aber das könnt Ihr nicht.“ schreibt der Häuptling weiter. „Er ist der Gott der Menschen - gleichermaßen der Roten und der Weißen. Dieses Land ist ihm wertvoll - und die Erde verletzen heißt ihren Schöpfer verachten.“
Vor mehr als 150 Jahren hat dieser Indianerstamm modern ökologisch gedacht. Ihr Häuptling
schreibt: „Alles ist verbunden. Was die Erde befällt, befällt auch die Söhne der Erde. Der Mensch schuf nicht das Gewebe des Lebens, er ist darin nur eine Faser. Was immer Ihr dem Gewebe antut, das tut Ihr Euch selber an.“
Daß alles miteinander verbunden ist, lernen wir heute mühsam, vor allem dann wenn Katastrophen und verpestete Luft uns die Folgen unseres Handelns spüren lassen. Jene Indianer vor 150 Jahren dachten nicht zuerst nützlich. Sondern: Das Land, das Wasser, die Luft, die Wärme – sie gehören uns nicht! Deshalb können wir nicht einfach so über sie verfügen. Ein starkes Motiv für den sorgsamen Umgang mit der Natur. Es setzt viel tiefer an als die Angst vor schädlichen Folgen. Seine Wurzel ist Ehrfurcht. Häuptling Seattle fährt fort:
„Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig, in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes.“
Heilig – eine religiöse Vokabel. Die ganze Erde ist geschenkt, ist unverfügbar, ist wie bewohnt von göttlicher Wirklichkeit. Und deshalb können wir Menschen die Erde genauso wenig besitzen wie wir Gott besitzen können.
„Ihr denkt vielleicht, dass Ihr ihn (Gott) besitzt - so wie Ihr unser Land zu besitzen trachtet - aber das könnt Ihr nicht.“ schreibt der Häuptling weiter. „Er ist der Gott der Menschen - gleichermaßen der Roten und der Weißen. Dieses Land ist ihm wertvoll - und die Erde verletzen heißt ihren Schöpfer verachten.“



