Woche vom 16.12.2006 bis 22.12.2006 

Von Harry Waßmann, Tübingen, Evangelische Kirche
Weihnachten mit anderen
Freitag, 22. Dezember 2006
Weihnachten feiern - ohne Kinder, ohne Enkel, ohne Familie?
Heiligabend öffentlich mit Anderen feiern? Kann das gut gehen?
Ich mag solche Weihnachtsfeiern mit Anderen, denen ihr Wohnzimmer am Heiligabend aus sehr verschiedenen Gründen einfach zu eng ist.
Meine Begeisterung ist nicht ganz neu. Mein Schlüsselerlebnis für den Heiligabend mit Anderen liegt schon lange zurück. Das war in Bad Mergentheim. Als Jugendlicher konnte, wer wollte, an Heiligabend den Durchwanderern und Wohnsitzlosen ins städtische Übernachtungsheim Geschenke bringen - im Auftrag der Kirchengemeinde. Mich reizte das – und zugleich war ich einigermaßen verlegen. Wie werden die das auffassen? Bedürftigen an Heiligabend etwas bringen, das bekommt leicht ein Geschmäckle von fürsorglicher Herablassung: „Sind wir nicht tolle Menschen, dass wir an euch Arme sogar an Heiligabend denken. Nun müsst ihr euch aber freuen...“
Aber alle diese Verlegenheiten waren wie im Nu verschwunden. Eine herzliche Begrüßung, ein Lied und dann wurde erzählt. Wer seid ihr, und was macht ihr? Wir Jugendliche lauschten den Erfahrenen von der Straße und die fragten uns aus, was wir als Schüler so treiben. Ohne Filter, von Herzen weg wurde erzählt – von den kleinen und großen Freuden und Katastrophen – nicht zuletzt an Weihnachten.
Seither bin ich auf den Geschmack gekommen – wie das sein kann – Weihnachten mit Menschen, die man noch nicht kennt – die öffentlich zusammen kommen.
Wir beginnen mit einem festlichen Essen. Dann ist Zeit für gegenseitiges kennen lernen: für eine Runde mit Rückblicken und Ausblicken. Und für Weihnachtslieder zum Klavier. Manchmal entsteht auch ein spontanes „Wunschkonzert“ – mit Instrumenten, die Einzelne mitbringen.
Egal ob mit Asylbewerbern, seelisch Belasteten oder Leuten, denen das Wohnzimmer an Heiligabend einfach zu eng ist, es ist nie ein Heiligabend der einsamen Herzen oder der Beklemmungen gewesen. Wo so viel gesungen, gelacht und mit den Augen gezwinkert wird – auch über eigene Kapriolen – wo so viel über Wünsche und Enttäuschungen ungezwungen erzählt werden kann - da leuchtet für mich das Licht der Weihnacht hell. Da werde ich das Gefühl nicht los: bei solchen Feiern entsteht so etwas wie eine Geistesverwandtschaft, eine neue Familie für eine Nacht – für die Heilige Nacht.
Wem also sein Wohnzimmer an Heiligabend zu eng wird - aus welchen Gründen auch immer – schauen Sie sich um - auch in ihrer Nähe gibt es bestimmt Menschen in Kirchengemeinden, die gerne mit Anderen feiern.
Heiligabend öffentlich mit Anderen feiern? Kann das gut gehen?
Ich mag solche Weihnachtsfeiern mit Anderen, denen ihr Wohnzimmer am Heiligabend aus sehr verschiedenen Gründen einfach zu eng ist.
Meine Begeisterung ist nicht ganz neu. Mein Schlüsselerlebnis für den Heiligabend mit Anderen liegt schon lange zurück. Das war in Bad Mergentheim. Als Jugendlicher konnte, wer wollte, an Heiligabend den Durchwanderern und Wohnsitzlosen ins städtische Übernachtungsheim Geschenke bringen - im Auftrag der Kirchengemeinde. Mich reizte das – und zugleich war ich einigermaßen verlegen. Wie werden die das auffassen? Bedürftigen an Heiligabend etwas bringen, das bekommt leicht ein Geschmäckle von fürsorglicher Herablassung: „Sind wir nicht tolle Menschen, dass wir an euch Arme sogar an Heiligabend denken. Nun müsst ihr euch aber freuen...“
Aber alle diese Verlegenheiten waren wie im Nu verschwunden. Eine herzliche Begrüßung, ein Lied und dann wurde erzählt. Wer seid ihr, und was macht ihr? Wir Jugendliche lauschten den Erfahrenen von der Straße und die fragten uns aus, was wir als Schüler so treiben. Ohne Filter, von Herzen weg wurde erzählt – von den kleinen und großen Freuden und Katastrophen – nicht zuletzt an Weihnachten.
Seither bin ich auf den Geschmack gekommen – wie das sein kann – Weihnachten mit Menschen, die man noch nicht kennt – die öffentlich zusammen kommen.
Wir beginnen mit einem festlichen Essen. Dann ist Zeit für gegenseitiges kennen lernen: für eine Runde mit Rückblicken und Ausblicken. Und für Weihnachtslieder zum Klavier. Manchmal entsteht auch ein spontanes „Wunschkonzert“ – mit Instrumenten, die Einzelne mitbringen.
Egal ob mit Asylbewerbern, seelisch Belasteten oder Leuten, denen das Wohnzimmer an Heiligabend einfach zu eng ist, es ist nie ein Heiligabend der einsamen Herzen oder der Beklemmungen gewesen. Wo so viel gesungen, gelacht und mit den Augen gezwinkert wird – auch über eigene Kapriolen – wo so viel über Wünsche und Enttäuschungen ungezwungen erzählt werden kann - da leuchtet für mich das Licht der Weihnacht hell. Da werde ich das Gefühl nicht los: bei solchen Feiern entsteht so etwas wie eine Geistesverwandtschaft, eine neue Familie für eine Nacht – für die Heilige Nacht.
Wem also sein Wohnzimmer an Heiligabend zu eng wird - aus welchen Gründen auch immer – schauen Sie sich um - auch in ihrer Nähe gibt es bestimmt Menschen in Kirchengemeinden, die gerne mit Anderen feiern.
Weihnachten für Erwachsene?
Donnerstag, 21. Dezember 2006
Neulich hat eine gebildete Frau, die in der christlichen Tradition Jahrzehnte zu Hause war, zu mir gesagt: „Christen, die kommen mir immer mehr vor wie die ABC-Schützen, die ihre Vespertasche vor der Brust tragen. Ochs und Esel, Krippe und Stall – das ist doch eine Religion für die Kinderstube.“
Sie hat sich jahrelang intensiv mit ostasiatischer Religion befasst - besonders mit dem Buddhismus. Und für sich entdeckt: da wird ihr Geist und ihr Verstand herausgefordert und ernst genommen.
Ist Weihnachten wirklich nur ein Fest für die ganz Kleinen?
Im Weihnachtslied stehen sie vorne an: „Ihr Kinderlein kommet – o kommet doch all,
zur Krippe her kommet - in Bethlehems Stall.“
Ein Baby im Mittelpunkt, umgeben von Vater und Mutter, in der Krippe im Stall, bei Ochs und Esel. Tiere sind auch mit dabei, ohne dass man vor denen Angst haben muss. Gott auf dem Bauernhof. Da gefällt Kindern einfach alles. Doch wo bleiben die Erwachsenen? Sind die rausgewachsen? Können die nichts mehr mit dieser Geschichte anfangen? Ist die Geburt Jesu, - so wie sie der Evangelist Lukas erzählt – bloß etwas für Kinder – wirklich kindisch?
Mir geht es genau umgekehrt. Je öfter ich in diese Geschichte einkehre.
Jahr für Jahr erschließt sich mir Neues, kommt für mich ein neuer Aspekt hinzu.
Da sehe ich mit einem Mal die Menschenmassen - unterwegs durchs ganze römische Reich – zu ihrem Geburtssort – weil es der Kaiser so will, weil er Steuern eintreiben und keinen dabei übersehen will. Ein totaler Staat, dem zugleich total entgeht, wie Gott diese Allmacht untergräbt – in einem Kind, in einem neuen Menschen.
Dann entdecke ich, wie gänzlich unvorbereitet die Hirten auf den Feldern - die ersten Zeugen dieses Wunder werden – beinahe übertölpelt von der für sie so unfassbaren Botschaft: „Euch ist heute der Befreier geboren!“
Schließlich Gottes Sohn in Windeln gewickelt.
Vielleicht erinnern sich die Älteren noch daran und können wieder davon erzählen: Wie das war bei Kriegsende – 1945 – wie da Windeln zu Friedenszeichen wurden, zum Zeichen der kampflosen Übergabe an Russen, Amerikaner, Briten und Franzosen. Städte und Dörfer wurden so gerettet: Friede auf Erden!
Gott in einem ein Kind - in einer Krippe – in Bethlehem zur Welt gekommen.
Der gar nicht ungebildete Mediziner Lukas denkt nicht abstrakt, sondern er erzählt konkret von der Liebe Gottes - vom Wunder der Weihnacht.
Krippenspiele an Heiligabend sind nicht nur etwas für Kindergartenkinder.
Wenn es Ihre Kinder und Ihre Enkel dahin zieht – ziehen Sie mit! Es liegen alle Schätze der Weisheit darin – wenn wir genau hinsehen und hinhören, was da geschehen ist.
Sie hat sich jahrelang intensiv mit ostasiatischer Religion befasst - besonders mit dem Buddhismus. Und für sich entdeckt: da wird ihr Geist und ihr Verstand herausgefordert und ernst genommen.
Ist Weihnachten wirklich nur ein Fest für die ganz Kleinen?
Im Weihnachtslied stehen sie vorne an: „Ihr Kinderlein kommet – o kommet doch all,
zur Krippe her kommet - in Bethlehems Stall.“
Ein Baby im Mittelpunkt, umgeben von Vater und Mutter, in der Krippe im Stall, bei Ochs und Esel. Tiere sind auch mit dabei, ohne dass man vor denen Angst haben muss. Gott auf dem Bauernhof. Da gefällt Kindern einfach alles. Doch wo bleiben die Erwachsenen? Sind die rausgewachsen? Können die nichts mehr mit dieser Geschichte anfangen? Ist die Geburt Jesu, - so wie sie der Evangelist Lukas erzählt – bloß etwas für Kinder – wirklich kindisch?
Mir geht es genau umgekehrt. Je öfter ich in diese Geschichte einkehre.
Jahr für Jahr erschließt sich mir Neues, kommt für mich ein neuer Aspekt hinzu.
Da sehe ich mit einem Mal die Menschenmassen - unterwegs durchs ganze römische Reich – zu ihrem Geburtssort – weil es der Kaiser so will, weil er Steuern eintreiben und keinen dabei übersehen will. Ein totaler Staat, dem zugleich total entgeht, wie Gott diese Allmacht untergräbt – in einem Kind, in einem neuen Menschen.
Dann entdecke ich, wie gänzlich unvorbereitet die Hirten auf den Feldern - die ersten Zeugen dieses Wunder werden – beinahe übertölpelt von der für sie so unfassbaren Botschaft: „Euch ist heute der Befreier geboren!“
Schließlich Gottes Sohn in Windeln gewickelt.
Vielleicht erinnern sich die Älteren noch daran und können wieder davon erzählen: Wie das war bei Kriegsende – 1945 – wie da Windeln zu Friedenszeichen wurden, zum Zeichen der kampflosen Übergabe an Russen, Amerikaner, Briten und Franzosen. Städte und Dörfer wurden so gerettet: Friede auf Erden!
Gott in einem ein Kind - in einer Krippe – in Bethlehem zur Welt gekommen.
Der gar nicht ungebildete Mediziner Lukas denkt nicht abstrakt, sondern er erzählt konkret von der Liebe Gottes - vom Wunder der Weihnacht.
Krippenspiele an Heiligabend sind nicht nur etwas für Kindergartenkinder.
Wenn es Ihre Kinder und Ihre Enkel dahin zieht – ziehen Sie mit! Es liegen alle Schätze der Weisheit darin – wenn wir genau hinsehen und hinhören, was da geschehen ist.

Von Monika Renninger, Stuttgart, Evangelische Kirche
Dezember-Psalm: Jesus kommt
Mittwoch, 20. Dezember 2006
Im Dezember-Psalm von Hanns-Dieter Hüsch heißt es:
Mit fester Freude lauf ich durch die Gegend
Jesus kommt
….
Mach dich fein
Jesus kommt
….
Mein Auge lacht und färbt sich voll mit Glück
Jesus kommt
Alles wird gut.
Darf man so naiv sein und so etwas sagen: „Alles wird gut“? Genügt nicht ein Blick in die Zeitung heute morgen, reichen nicht die Meldungen in den Nachrichten, um zu wissen: Stimmt nicht?
Ich lebe gerne in diesen Tagen mit ein bisschen Weihnachtsromantik. Aber ich sehe auch die Gefahr, dass die adventlichen Lichter, der liebevolle Weihnachtsschmuck, die schönen Düfte und das süße Gebäck die Sinne trügerisch und verführerisch in eine heile Traumwelt lenken und sagen: Lass dich ablenken von der rauen Wirklichkeit ...
Dieser Verführung erliegt der Spaziergänger in dem Hüsch-Psalm nicht: „Mit fester Freude lauf ich durch die Gegend!“ Das klingt bodenständig, das klingt nach einem, der unterwegs ist, sich gerade nicht aufs Sofa wirft mit der Keksdose in der Hand. Vielmehr klingt das nach einem, der genau hinschaut, in die Gesichter, in die Häuser der Menschen, in die Straßen der Stadt. Und eben nicht verzweifelt oder zynisch oder resigniert die Augen verschließt vor dem, was er da sieht. Sondern erlebt, dass sein Blick sich verändert hat: „Mein Auge lacht und färbt sich voll mit Glück. Jesus kommt!“
Der Blick ist nicht vom schönen Schein geblendet, aber auch nicht von Angst und Hoffnungslosigkeit verdunkelt. Vielmehr: Die Erwartung, dass Jesus kommt, schafft eine andere Perspektive. Sie lässt aufschauen aus dem, was den Blick in der rauen Wirklichkeit gefangen hält und lässt einen sich recken und strecken und auf die Zehenspitzen stehen, um es zu sehen: Das Liebste, das Erhoffte, das sehnlich Erwartete kommt.
„Mach dich fein. Jesus kommt!“
Dieser Zuruf will Angstgebeugte, Stressverkrampfte, sorgenvoll Bedrückte verändern und zu einer anderen Haltung rufen: zu einem erhobenem Haupt, zu einem erwartungsvollem Blick, zu einem freudigen, gespannten Herzen und festen Schritten.
Der Psalm singt: „Ich gehe völlig anders, grüße freundlich, möchte alle Welt berühren.“ Ich bin sicher: Wo wir so durch die Straßen gehen oder mit anderen am Tisch sitzen oder in Besprechungen sind, verändern sich auch die um uns herum.
Denn: „Jesus kommt. Alles wird gut.“
Mit fester Freude lauf ich durch die Gegend
Jesus kommt
….
Mach dich fein
Jesus kommt
….
Mein Auge lacht und färbt sich voll mit Glück
Jesus kommt
Alles wird gut.
Darf man so naiv sein und so etwas sagen: „Alles wird gut“? Genügt nicht ein Blick in die Zeitung heute morgen, reichen nicht die Meldungen in den Nachrichten, um zu wissen: Stimmt nicht?
Ich lebe gerne in diesen Tagen mit ein bisschen Weihnachtsromantik. Aber ich sehe auch die Gefahr, dass die adventlichen Lichter, der liebevolle Weihnachtsschmuck, die schönen Düfte und das süße Gebäck die Sinne trügerisch und verführerisch in eine heile Traumwelt lenken und sagen: Lass dich ablenken von der rauen Wirklichkeit ...
Dieser Verführung erliegt der Spaziergänger in dem Hüsch-Psalm nicht: „Mit fester Freude lauf ich durch die Gegend!“ Das klingt bodenständig, das klingt nach einem, der unterwegs ist, sich gerade nicht aufs Sofa wirft mit der Keksdose in der Hand. Vielmehr klingt das nach einem, der genau hinschaut, in die Gesichter, in die Häuser der Menschen, in die Straßen der Stadt. Und eben nicht verzweifelt oder zynisch oder resigniert die Augen verschließt vor dem, was er da sieht. Sondern erlebt, dass sein Blick sich verändert hat: „Mein Auge lacht und färbt sich voll mit Glück. Jesus kommt!“
Der Blick ist nicht vom schönen Schein geblendet, aber auch nicht von Angst und Hoffnungslosigkeit verdunkelt. Vielmehr: Die Erwartung, dass Jesus kommt, schafft eine andere Perspektive. Sie lässt aufschauen aus dem, was den Blick in der rauen Wirklichkeit gefangen hält und lässt einen sich recken und strecken und auf die Zehenspitzen stehen, um es zu sehen: Das Liebste, das Erhoffte, das sehnlich Erwartete kommt.
„Mach dich fein. Jesus kommt!“
Dieser Zuruf will Angstgebeugte, Stressverkrampfte, sorgenvoll Bedrückte verändern und zu einer anderen Haltung rufen: zu einem erhobenem Haupt, zu einem erwartungsvollem Blick, zu einem freudigen, gespannten Herzen und festen Schritten.
Der Psalm singt: „Ich gehe völlig anders, grüße freundlich, möchte alle Welt berühren.“ Ich bin sicher: Wo wir so durch die Straßen gehen oder mit anderen am Tisch sitzen oder in Besprechungen sind, verändern sich auch die um uns herum.
Denn: „Jesus kommt. Alles wird gut.“
(Gut)-Schein-Geschenke
Dienstag, 19. Dezember 2006
Der Trend geht zum Geschenk-Gutschein, so war im Wirtschaftsteil einer Zeitung in der vergangenen Woche zu lesen. Für so einen kleinen Pfandschein kann es gute Gründe geben: Es braucht einen passenden Zeitpunkt oder es ist ein Herzenswunsch, den man den Beschenkten lieber selbst aussuchen lässt. Der Artikel hatte aber eine andere Art Gutschein im Blick: Er informierte über allgemeine Einkaufsgutscheine.
Das funktioniert so, dass man einen Gutschein mit einem festgelegten Betrag für den Einkauf in einem bestimmten Kaufhaus verschenkt, und damit kann der Beschenkte einfach nach Herzenslust einkaufen gehen. So ein Gutschein fördert den Umsatz und sicher darf es dann ein bisschen mehr sein …
Aber: Ist das wirklich ein Geschenk? Mich erinnert das eher an eine Art Weihnachtsgeld zusätzlich zum Gehalt, gewissermaßen eine Gratifikation für die im letzten Jahr erwiesene Freundlichkeit und Liebe in der Familie oder Partnerschaft.
Der Trend zum Gutschein an Weihnachten setzt, so könnte man sagen, auf diese Weise einfach das fort, was sich in unserer Gesellschaft zunehmend einschleicht: Man bezahlt und will bezahlt werden für Hilfestellungen und für Unterstützung, die man braucht. Es ist zu beobachten: Menschenfreundlichkeit und Nachbarschaftlichkeit werden mehr und mehr zu einem Austausch von Geld und Lohn für gute Taten. Der Einkaufsgutschein an Weihnachten passt dazu, finde ich.
Der Kontrast zu der Botschaft von Weihnachten könnte allerdings kaum größer sein. Denn da geht es um etwas, das man auf diese Weise nicht erwerben kann: um Sinn, um Heil, um Zukunft. In der biblischen Weihnachtserzählung gibt es weder Gutscheine noch Geschenke untereinander. Allein das Kind in der Krippe bekommt etwas dargebracht: Weihrauch für das Gotteskind, heilende Myrrhe für den Heiland der Welt, und Gold, kostbares Gut, aus der Hand gegeben, nicht als Besitz an sich gerafft. Das bekommt ein Kind, das sich nicht durch Leistung und Verdienst ausgewiesen hat! Dieses Schenken hat große Wirkung entfaltet in unserem Brauch, sich an Weihnachten zu beschenken.
Ich meine, wenn diese Art von Geschenken die unseren inspiriert, dann kann daraus etwas anderes werden als eine Ansammlung von Geschenkpäckchen. Es kann sichtbar werden, dass Geschenke Gesten der Freundlichkeit sind, keine Belohnungen, dass sie aus der Freude kommen, nicht aus der Verpflichtung. Und deshalb gehören für mich zum Schenken auch Dinge wie ein Brief, ein Foto, eine Verabredung, eine Spende, oder einfach – ganzjährig übrigens - Zeit und Aufmerksamkeit füreinander.
Das funktioniert so, dass man einen Gutschein mit einem festgelegten Betrag für den Einkauf in einem bestimmten Kaufhaus verschenkt, und damit kann der Beschenkte einfach nach Herzenslust einkaufen gehen. So ein Gutschein fördert den Umsatz und sicher darf es dann ein bisschen mehr sein …
Aber: Ist das wirklich ein Geschenk? Mich erinnert das eher an eine Art Weihnachtsgeld zusätzlich zum Gehalt, gewissermaßen eine Gratifikation für die im letzten Jahr erwiesene Freundlichkeit und Liebe in der Familie oder Partnerschaft.
Der Trend zum Gutschein an Weihnachten setzt, so könnte man sagen, auf diese Weise einfach das fort, was sich in unserer Gesellschaft zunehmend einschleicht: Man bezahlt und will bezahlt werden für Hilfestellungen und für Unterstützung, die man braucht. Es ist zu beobachten: Menschenfreundlichkeit und Nachbarschaftlichkeit werden mehr und mehr zu einem Austausch von Geld und Lohn für gute Taten. Der Einkaufsgutschein an Weihnachten passt dazu, finde ich.
Der Kontrast zu der Botschaft von Weihnachten könnte allerdings kaum größer sein. Denn da geht es um etwas, das man auf diese Weise nicht erwerben kann: um Sinn, um Heil, um Zukunft. In der biblischen Weihnachtserzählung gibt es weder Gutscheine noch Geschenke untereinander. Allein das Kind in der Krippe bekommt etwas dargebracht: Weihrauch für das Gotteskind, heilende Myrrhe für den Heiland der Welt, und Gold, kostbares Gut, aus der Hand gegeben, nicht als Besitz an sich gerafft. Das bekommt ein Kind, das sich nicht durch Leistung und Verdienst ausgewiesen hat! Dieses Schenken hat große Wirkung entfaltet in unserem Brauch, sich an Weihnachten zu beschenken.
Ich meine, wenn diese Art von Geschenken die unseren inspiriert, dann kann daraus etwas anderes werden als eine Ansammlung von Geschenkpäckchen. Es kann sichtbar werden, dass Geschenke Gesten der Freundlichkeit sind, keine Belohnungen, dass sie aus der Freude kommen, nicht aus der Verpflichtung. Und deshalb gehören für mich zum Schenken auch Dinge wie ein Brief, ein Foto, eine Verabredung, eine Spende, oder einfach – ganzjährig übrigens - Zeit und Aufmerksamkeit füreinander.
Chanukka und Advent
Montag, 18. Dezember 2006
Nicht nur am Adventskranz brennen in diesen Tagen die Kerzen, sondern auch auf Chanukkaleuchtern in jüdischen Familien. Abend für Abend wird daran ein Licht nach dem anderen entzündet, bis alle acht Kerzen brennen.
Warum erzähle ich Ihnen im christlichen Advent vom jüdischen Chanukkafest? Zum einen denke ich, es gehört zu guter Nachbarschaft zu wissen, was die anderen feiern und was für sie wichtig ist in diesen Tagen. Und zum anderen haben Advent und Chanukka etwas gemeinsam: Sie verbreiten Licht, bewusst, Tag um Tag oder Woche um Woche mehr, anders als die nur dekorativen Lichterketten in den Straßen und Häusern. Sie symbolisieren: Die Welt wird heller, wo Menschen auf Gott vertrauen.
Das Chanukkafest steht in Verbindung mit einer Geschichte, die in den Makkabäerbüchern erzählt wird.
Unter dem Eroberer Antiochus IV waren im 2.Jahrhundert v.u.Z. die Zeiten für das jüdische Volk schwer geworden. In allen Teilen seines Königreiches verlangte dieser die Einführung und Einhaltung hellenistischer Sitten. Viele passten sich an und übernahmen griechische Lebensart und Kultur. Die große Mehrheit des Volkes jedoch hielt weiter an ihren Bräuchen und an ihrem Glauben fest. Antiochus begann, Gewalt auszuüben: Er verbot die Einhaltung des Schabbat, er machte den Tempel zu einer Kultstätte für den griechischen Gott Zeus.
Es ist keine sanfte Geschichte, die da erzählt wird. Denn es erhob sich ein drei Jahre dauernder Aufstand gegen die Fremdherrschaft und gegen die Zerstörung der religiösen Identität. Und da geschah das Wunder, an das das Lichtanzünden am Chanukkafest erinnert: Als der Tempel wieder erobert war, brannte das Licht am Tempelleuchter mit nur einem Krüglein Öl acht Tage lang, so lange, bis man wieder Oliven gepresst und reines Öl daraus gewonnen hatte.
Das Thema dieses jüdischen Lichterfestes ist die Bewahrung des Glaubens, das Festhalten an dem, was einen ausmacht, das Bekenntnis dazu: Gott hilft uns und steht uns bei. Licht um Licht soll das in die Welt hinein scheinen, deshalb stellen manche ihren Leuchter auf das Fensterbrett.
So halten es Christen ja auch manchmal mit ihren Adventslichtern. Auch hier mit der Bedeutung: Gottes Licht leuchtet in die Dunkelheit der Welt hinein.
Es ist, bei aller Unterschiedlichkeit, ein schönes Zusammentreffen, dass Christen und Juden gleichzeitig in diesen Tagen zeigen: Es wird heller in der Welt, wenn Menschen im Vertrauen darauf leben, dass Gott uns beisteht.
Warum erzähle ich Ihnen im christlichen Advent vom jüdischen Chanukkafest? Zum einen denke ich, es gehört zu guter Nachbarschaft zu wissen, was die anderen feiern und was für sie wichtig ist in diesen Tagen. Und zum anderen haben Advent und Chanukka etwas gemeinsam: Sie verbreiten Licht, bewusst, Tag um Tag oder Woche um Woche mehr, anders als die nur dekorativen Lichterketten in den Straßen und Häusern. Sie symbolisieren: Die Welt wird heller, wo Menschen auf Gott vertrauen.
Das Chanukkafest steht in Verbindung mit einer Geschichte, die in den Makkabäerbüchern erzählt wird.
Unter dem Eroberer Antiochus IV waren im 2.Jahrhundert v.u.Z. die Zeiten für das jüdische Volk schwer geworden. In allen Teilen seines Königreiches verlangte dieser die Einführung und Einhaltung hellenistischer Sitten. Viele passten sich an und übernahmen griechische Lebensart und Kultur. Die große Mehrheit des Volkes jedoch hielt weiter an ihren Bräuchen und an ihrem Glauben fest. Antiochus begann, Gewalt auszuüben: Er verbot die Einhaltung des Schabbat, er machte den Tempel zu einer Kultstätte für den griechischen Gott Zeus.
Es ist keine sanfte Geschichte, die da erzählt wird. Denn es erhob sich ein drei Jahre dauernder Aufstand gegen die Fremdherrschaft und gegen die Zerstörung der religiösen Identität. Und da geschah das Wunder, an das das Lichtanzünden am Chanukkafest erinnert: Als der Tempel wieder erobert war, brannte das Licht am Tempelleuchter mit nur einem Krüglein Öl acht Tage lang, so lange, bis man wieder Oliven gepresst und reines Öl daraus gewonnen hatte.
Das Thema dieses jüdischen Lichterfestes ist die Bewahrung des Glaubens, das Festhalten an dem, was einen ausmacht, das Bekenntnis dazu: Gott hilft uns und steht uns bei. Licht um Licht soll das in die Welt hinein scheinen, deshalb stellen manche ihren Leuchter auf das Fensterbrett.
So halten es Christen ja auch manchmal mit ihren Adventslichtern. Auch hier mit der Bedeutung: Gottes Licht leuchtet in die Dunkelheit der Welt hinein.
Es ist, bei aller Unterschiedlichkeit, ein schönes Zusammentreffen, dass Christen und Juden gleichzeitig in diesen Tagen zeigen: Es wird heller in der Welt, wenn Menschen im Vertrauen darauf leben, dass Gott uns beisteht.

Von Mechthild Alber, Stuttgart, Katholische Kirche
Kindheitsgeschichte
Samstag, 16. Dezember 2006
Wenn der Evangelist Lukas nicht gewesen wäre, gäbe es kein Weihnachtsfest! Sie werden jetzt vielleicht denken: wieso? Nur im Evangelium des Lukas wird so ausführlichen von der Geburt Jesu erzählt: von seiner Mutter Maria, der Verlobten des Josef, von ihrer Begegnung mit dem Engel, von ihrem Treffen mit Elisabeth und schließlich dem Weg nach Betlehem, wo Jesus draußen auf den Feldern in einer Krippe geboren wurde. Das Evangelium des Markus beginnt mit der Taufe des erwachsenen Jesus im Jordan. Ohne die Erinnerung an ein Jesuskind, das in Windeln gewickelt ist. Das Kirchenjahr ohne das Weihnachtsfest – nicht auszudenken. Vielleicht war Lukas der große Psychologe unter den vier Evangelisten. Er hat für Menschen geschrieben, die Heiden also Nicht- Judenwaren, und denen die ganze jüdische Tradition nicht von klein auf vertraut war. Er hatte ein großes Gespür für das Menschliche. Für die Bilder, die tief in unserer Seele liegen.
Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. So sagt es die Sprache der Dogmatik. Eine Sprache, die viele heute nicht mehr verstehen. Aber das Bild vom Kind, das in der Krippe liegt, kann jeden anrühren. Jeder ist als Kind auf die Welt gekommen, klein und hilflos. Und wer umgekehrt ein kleines Kind in den Armen hält, spürt, dass es angenommen werden will und jemanden braucht, der für es sorgt und da ist. Beide Erfahrungen gehören zu unserem Menschsein: auf andere angewiesen sein und andere annehmen können. Diese beiden Erfahrungen prägen auch den Glauben. Das Kind in der Krippe spricht die Sehnsucht an, dass das Kind in uns – also alles Verletzliche, Zarte und Schwache – geliebt und umsorgt wird. Und als Christin hoffe ich, dass ich Kind Gottes sein darf, weil Gott mich wie ein Vater annimmt. Aber Glauben heißt nicht nur, dem Kind in uns Raum zu geben. Gott begibt sich in unsere Hände. Das Ja Mariens, die Mutter von Jesus zu werden, steht exemplarisch für das Ja, das jeder im Leben sprechen kann. Gott will in uns und durch uns in die Welt kommen. So wie Eltern ihr Kind annehmen will Gott von uns angenommen werden. Die Kindheitsgeschichte des Evangelisten Lukas ist für mich ein Weg, der Menschwerdung Gottes in meinem eigenen Leben nachzuspüren.
Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus. So sagt es die Sprache der Dogmatik. Eine Sprache, die viele heute nicht mehr verstehen. Aber das Bild vom Kind, das in der Krippe liegt, kann jeden anrühren. Jeder ist als Kind auf die Welt gekommen, klein und hilflos. Und wer umgekehrt ein kleines Kind in den Armen hält, spürt, dass es angenommen werden will und jemanden braucht, der für es sorgt und da ist. Beide Erfahrungen gehören zu unserem Menschsein: auf andere angewiesen sein und andere annehmen können. Diese beiden Erfahrungen prägen auch den Glauben. Das Kind in der Krippe spricht die Sehnsucht an, dass das Kind in uns – also alles Verletzliche, Zarte und Schwache – geliebt und umsorgt wird. Und als Christin hoffe ich, dass ich Kind Gottes sein darf, weil Gott mich wie ein Vater annimmt. Aber Glauben heißt nicht nur, dem Kind in uns Raum zu geben. Gott begibt sich in unsere Hände. Das Ja Mariens, die Mutter von Jesus zu werden, steht exemplarisch für das Ja, das jeder im Leben sprechen kann. Gott will in uns und durch uns in die Welt kommen. So wie Eltern ihr Kind annehmen will Gott von uns angenommen werden. Die Kindheitsgeschichte des Evangelisten Lukas ist für mich ein Weg, der Menschwerdung Gottes in meinem eigenen Leben nachzuspüren.



