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Woche vom 26.06.2011 bis 02.07.2011




Kalle Grundmann

Von Kalle Grundmann, Koblenz, Katholische Kirche

Der Fußballhimmel

Samstag, 02. Juli 2011     [Druckversion]

Die erste Woche der Frauenfußballweltmeisterschaft ist so gut wie vorbei. Die ersten Entscheidungen sind gefallen: Wer hat es schwer weiterzukommen, wer ist mit einem Bein schon draußen aus dem Turnier? Aber noch ist nichts entschieden. Noch ist offen, wer am Sonntag, dem 17. Juli in Frankfurt im Endspiel stehen wird. Was aber sicher ist, an dem Abend wird in einem Land der Erde großer Jubel ausbrechen, man wird sich freuen, tanzen und singen. In einem Land sind die Menschen dann für kurze Zeit im Himmel, im Fußballhimmel.
Mit dem Fußballhimmel ist das so eine Sache. Er ist herrlich für die, die drin sind. Aber leider ist da immer nur für eine Mannschaft Platz. Und darin unterscheidet sich der Fußballhimmel vom wirklichen Himmel. Hier ist nämlich für viele Platz, auch Platz für die Verlierer. Ja, wenn man die Worte Jesu ernst nimmt, haben die Verlierer sogar ein gewisses Vorrecht auf den Himmel. Denn wer hier auf Erden zu kurz kommt, soll nicht auch noch im Himmel bestraft werden. Also, wenn unsere Mannschaft verlieren sollte, der Platz im Himmel wird dadurch eher sicherer. Im wirklichen Himmel geht es nämlich nicht um siegen oder verlieren, sondern es geht um ein Miteinander, das nicht auf Konkurrenz beruht.
Nun Spiele ohne Gewinner und Verlierer sind zwar ganz nett und vielleicht pädagogisch sogar wertvoll, aber ein spannendes Fußballspiel kommt so nicht zu Stande. Gibt es also im Himmel keinen Fußball? Für Fußballfans keine schöne Aussicht. Vielleicht hilft da die Definition von Himmel, die mir einmal ein Fan des 1.FC Kaiserslautern mit einem kleinen Augenzwinkern erzählte: Der Himmel ist, so meinte er, wenn der FCK in München bei den Bayern 3:0 gewinnt und die Münchner merken gar nicht, dass sie verloren haben. Wer verliert, merkt es nicht, dem tut es nicht weh. Weil er nur ein Spiel verliert, nicht aber sein Ansehen, sein Gesicht und die Wertschätzung der anderen. Weil er auch als Verlierer feiern, singen und tanzen kann. So gesehen ist ein bisschen Himmel auch auf der Erde möglich, sogar bei einer Fußballweltmeisterschaft.

Der Fußballgott

Freitag, 01. Juli 2011     [Druckversion]

Manchmal ist Fußball richtig ungerecht. Da gibt es Mannschaften, die spielen einen schönen, leidenschaftlichen Fußball, haben viele Chancen, bekommen aber einfach den Ball nicht ins gegnerische Tor. Und sie verlieren, obwohl sie das eindeutig bessere Team waren. Auch bei der jetzt anstehenden Fußballweltmeisterschaft der Frauen wird es dies wieder geben.
In diesen Fällen wird von Kommentatoren manchmal der Fußballgott bemüht, der den einen eben gut und den andern schlecht gesonnen ist. Der die Sieger liebt und die Verlierer im Stich lässt. Wenn es wirklich diesen Fußballgott gibt, dann tickt der ganz anders als der Gott, an den ich glaube. Bei ihm nämlich stehen die Verlierer im Vordergrund. Jesus hat nichts gegen Gewinner, er diskutiert auch mit den Reichen und Etablierten seiner Zeit, aber seine Sympathie, seine Solidarität und vor allem sein Engagement gilt den Verlierern. Denen, die rausgeworfen werden aus der Gesellschaft, die nicht im Turnier der Großen mitspielen dürfen. Den Aussätzigen, Behinderten, Zöllnern, die zwar reich sind aber gemieden werden, den Prostituierten, den Gassenjungen und eben den ganz einfachen Fischern am See Genezareth. In der Sprache des Fußballs sind das alles Leute, die höchstens Kreisklassenniveau haben. Jesus steht auf ihrer Seite.
In den nächsten Wochen wird es viele Verlierer geben. Weltmeister kann nur eine Mannschaft werden und das bedeutet, dass alle andern 15 irgendwann im Turnier zu den Verlierern gehören werden. Da tut es gut, zu hören, dass Gott sich auf die Seite der Verlierer schlägt: denn von denen gibt es viel mehr als Gewinner - und sie haben Gott auch nötiger.

Sommermä-d-r-chen ?!

Donnerstag, 30. Juni 2011     [Druckversion]

Machen die Sommermädchen für uns wieder ein Sommermärchen? Wird die Nationalmannschaft der Frauen - die Sommermädchen 2011 - uns so begeistern wie die Herrenmannschaft bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2006? Damals hat fast alles gestimmt. Wir hatten wunderschönes Sommerwetter und unsere Mannschaft, der man eigentlich im Vorfeld nicht viel zugetraut hatte, hat es bis ins Halbfinale geschafft und einen tollen dritten Platz gemacht.
Unsere Frauen haben es da schwerer. Für viele sind sie die Favoriten und ein ganz schöner Erwartungsdruck lastet auf ihnen. Wenn die amtierenden Weltmeisterinnen im eigenen Land antreten, ja dann ist Gewinnen für viele Fans eine Selbstverständlichkeit und kein Märchen.
Aber zum Sommermärchen von 2006 gehörte mehr als nur gutes Sommerwetter und die Siege der Deutschen Nationalmannschaft. Die WM 2006 wurde zu einem Sommermärchen weil sie gezeigt hat, dass es selbst bei einer Fußballweltmeisterschaft um mehr geht als nur um Sieg oder Niederlage. Da geht es um Leidenschaft, Begeisterung, Begegnung der Nationen, Fest und Feier. Unsere Mannschaft zum Beispiel ist im Halbfinale ausgeschieden, wurde von den Fans aber trotzdem begeistert gefeiert, weil sie leidenschaftlich gekämpft hat. Und was für unsere Mannschaft galt, galt für viele andere auch. Verlierer konnten erhobenen Hauptes den Platz verlassen, Fangruppen verschiedener Länder haben nach den Spielen mit einander gefeiert, gesungen und getanzt. Das Sommermärchen 2006 war möglich, weil es ein Fest war, das auch die Verlierer mitfeiern konnten.
Vielleicht gelingt es dieses Jahr ja wieder. Ein großes Fest zu feiern unabhängig von der Frage, wer hat gewonnen, wer hat verloren?



Guido Groß

Von Guido Groß, Koblenz, Katholische Kirche

Petrus und Paulus

Mittwoch, 29. Juni 2011     [Druckversion]

Vielleicht kennen sie das auch: Man hat sich über das Verhalten eines Menschen geärgert. Man ist fest entschlossen, das dem anderen auch zu sagen. Und dann steht man dem anderen gegenüber und - schweigt. Man sagt nichts, obwohl man es sich vorgenommen hatte, aus Bequemlichkeit oder aus Angst. Hinterher ist man mit sich unzufrieden und wünscht sich beim nächsten Mal mehr Mumm. Mir fallen in diesem Zusammenhang die Apostel Petrus und Paulus ein, deren Gedenktag heute ist. Paulus jedenfalls scheint ein Mensch gewesen zu sein, der Klartext reden konnte. Zumindest hat er Petrus einmal deutlich die Meinung gesagt. Er hatte sich über ihn mächtig aufgeregt, weil Petrus sich nicht an eine gemeinsam getroffene Vereinbarung gehalten hatte. Es ging um die wichtige Frage, wer zur Jesusgemeinde dazu gehören darf und wer nicht. Petrus, der einfache Fischer aus der Provinz, wollte die Latte ziemlich hoch legen. Paulus dagegen, der umfassend gebildete Weltbürger, wollte nicht so streng sein. Sein Anliegen war es, möglichst vielen den Zugang zur Gemeinde ermöglichen. Ein Kompromiss musste her. Endlich, nach heftigen Diskussionen, wurde eine Vereinbarung getroffen. Doch als dann die Probe aufs Exempel kam, hielt sich Petrus nicht daran. Paulus war außer sich. Er stellte Petrus zur Rede. Leider wissen wir nicht, was er genau gesagt hat. Wir wissen nur, dass er später in einem Brief über den Vorfall geschrieben hat: „Ich widerstand Petrus ins Angesicht." Dieser Satz ist deutlich: Paulus scheute sich offensichtlich nicht, Petrus ins Gesicht zu sagen, was ihn an ihm störte. Er hatte den Mut, Petrus offen zu sagen, was er an seinem Verhalten schlecht fand. Es ist schon gut, wenn das jemand kann - statt hinten herum zu reden dem anderen die Dinge freundlich, aber offen ins Gesicht zu sagen.

Balu und Du

Dienstag, 28. Juni 2011     [Druckversion]

Wenn die Lehrerin früher fragte: „Was habt ihr denn zuhause Schönes unternommen und erlebt?" dann wurde der zehnjährige Kai immer ganz schweigsam. Denn seine Eltern hatten nicht die Möglichkeit, um mit ihm etwas zu unternehmen. So hing er in der Freizeit meistens vor dem Fernseher rum. Und wenn die anderen von ihren tollen Erlebnissen erzählten, fühlte sich Kai gar nicht gut. Doch das ist jetzt anders. Jede Woche trifft sich der Zehnjährige mit Martin, einem Studenten. Und dann unternehmen die zwei das, was ihnen Spaß macht. Das Kind aus der vierten Klasse und der Student machen nämlich mit beim Projekt „Balu und Du". Balu, das ist der sympathische Bär aus dem Film Dschungelbuch, der sich so rührend um das Menschenkind Mogli kümmert. Balu hat diesem Projekt seinen Namen gegeben. Junge Erwachsene wie Martin kümmern sich mittlerweile in vielen deutschen Städten ehrenamtlich um Grundschulkinder. Es sind genau die Kinder, bei denen die Eltern nicht soviel mit ihren Kindern unternehmen können, aus welchen Gründen auch immer. Martin hat sich für ein Jahr verpflichtet, einmal in der Woche ein paar Stunden mit Kai zu verbringen. Spielen, Lesen, Ausflüge machen, ein Museum besuchen, eine Radtour machen, gemeinsam kochen, basteln, was auch immer. Hauptsache: beide wollen es und haben Spaß daran. So kann der Junge jetzt endlich mitreden, wenn es darum geht, von schönen Erlebnissen zu erzählen. Außerdem lernt Kai vieles ganz nebenbei. Vor kurzem stand er staunend dabei, als Martin einen Kontoauszugsdrucker bediente. Martin hat ihm auch gezeigt, wie man eine Schultasche so packen kann, dass in ihr nicht das totale Chaos herrscht. Kai ist durch das Zusammensein mit Martin viel selbstsicherer geworden. Er kann sich auch besser ausdrücken. Und Martin ist auch begeistert. Er will einmal Lehrer werden. Er bekommt jetzt mit, was in einer Schülerseele so alles vor sich geht. Vor allem aber: die Freundschaft des Kindes ist großartig und schön.

Kein magischer Ritus

Montag, 27. Juni 2011     [Druckversion]

„Weiß jemand, wer meinem Polo Gottes Segen geben kann?" Diese Frage löste unter jugendlichen Autofahrern eine lebhafte Diskussion im Internet aus. Einige fanden die Idee mit der Autosegnung ganz cool. Jemand wusste von einem Busunternehmen, wo der Chef jedes Jahr Zweige segnen und sie in den Bus legen lässt. Die Firma hätte schon seit Jahren keinen Unfall mehr gehabt. Andere waren da viel skeptischer. Jemand schrieb: „Wenn dir bei 180 der Hinterreifen platzt, nutzt die Segnung wenig. Da brauchste nur jede Menge Glück." So gingen die Beiträge hin und her. Offensichtlich hatte der Fragesteller einen Nerv getroffen. Nämlich, dass es Gefahren gibt in unserem Leben, die wir nicht im Griff haben, aber vor denen wir uns doch irgendwie gerne schützen würden. So bekannte jemand in dieser Diskussion ganz offen: „Ich habe bei mir ein Maskottchen im Auto, einen Elch aus Schweden. Der soll mich beschützen." Das Anbringen eines Glücksbringers hat allerdings mit einer Autosegnung nur sehr wenig zu tun. Sie ist gerade kein magischer Ritus. Kein Segen, auch nicht der der Kirche, garantiert unfallfreies Fahren. Wer in ein Auto steigt, kann nie wissen, ob er auch heil ans Ziel gelangt, egal, ob der Wagen nun gesegnet ist oder nicht. Die Segnung eines Fahrzeuges ist vielmehr Ausdruck dafür, dass gläubige Menschen in allen Situationen auf die Hilfe Gottes vertrauen. Den Jugendlichen im Internet möchte ich sagen: Um sicher ans Ziel zu kommen, musst du dein Auto nicht segnen lassen. Da ist es viel wichtiger, dass du anständig fährst. Wenn du aber ein gläubiger Mensch bist, kannst du vor Beginn einer Fahrt vielleicht einen Segensspruch sprechen. Vielleicht ein paar Sätze aus dem Segensgebet, wie sie bei einer Autosegnung verwendet werden: Gott, beschütze mich vor Unglück und Schaden. Gib, dass ich im Straßenverkehr immer verantwortungsbewusst bleibe. Lass mich rücksichtsvoll und hilfsbereit sein.