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Woche vom 24.12.2011 bis 30.12.2011




Dr. Peter Kottlorz

Von Dr. Peter Kottlorz, Rottenburg/N., Katholische Kirche

„Bitte-Danke-Amen“

Donnerstag, 29. Dezember 2011     [Druckversion]

Es ist eines der kürzesten Gebete, die es gibt: Bitte, Danke, Amen. Und es passt auch ganz gut zum Jahresende. Weil es so kurz und gleichzeitig so umfassend ist: Bitte, Danke, Amen. Es liegt so viel in diesen Worten. Und am Jahreswechsel verdichten sich oft die Bitten: Der Hilferuf einer verzweifelten Mutter um den rechten Weg ihres Kindes. Der Hunger nach Licht und Lebenskraft von Mutlosen und depressiven Menschen. Die Bitte eines 50jährigen um Arbeit - nach Hunderten von Bewerbungen. Das Flehen eines Mannes um die Gesundheit seiner Frau, die Sehnsucht eines Menschen nach Liebe, der Wunsch nach Versöhnung und Frieden.  Bitte mein Gott, hilf ihnen, schick' ihnen Menschen, die ihnen Hilfe sind. Gib ihnen Kraft, einen Teil deiner unendlichen Kraft, damit es ihnen so geht wie es dir gefällt: gut! Du willst doch, dass es den Menschen gut geht und dass sie einander gut sind. Bitte. Danke. Was kann nicht alles in dem schlichten Wort danke stecken! Die tiefe Erleichterung, dass etwas gut gegangen ist. Eine Untersuchung, eine Prüfung, eine Liebeserklärung. Für ein Geschenk des Himmels oder der Menschen. Die Geburt eines gesunden Kindes, die Hilfe in finanzieller oder in seelischer Not. Im Wort danke kann auch das Bewusstsein stecken, dass vieles im Leben nicht selbstverständlich ist. Die Menschen an meiner Seite. Dass ich jeden Tag zu essen und zu trinken habe, ein Dach über dem Kopf und regelmäßige warme Mahlzeiten. Danke dafür, danke. Bitte, Danke, Amen. Das letzte Wort dieses kürzesten aller Kurzgebete ist mir so wichtig wie die beiden ersten. Amen, so sei es. Wenn ich gegen etwas hadere und es nicht einsehen kann oder wahrhaben will. Und irgendwann an den Punkt gekommen bin, an dem ich es akzeptieren muss oder kann und sage: In Gottes Namen, dann sei's halt so, Amen. Oder wenn ich etwas einfach nicht ändern kann, wenn ich Grenzen erfahre oder mir die Hände gebunden sind und ich ohne Resignation oder falsche Schicksalsergebenheit sagen kann: So ist's dann halt, so sei es eben. Amen. Und wenn ich bei einer Sache alles gegeben habe und sie kommt zu einem Ende, und ich weiß, nun kann ich nichts mehr machen und sage: „den Rest geb Gott. Dann heißt auch das nichts anderes als, ja, so sei es. Amen...

„Und das soll alles gewesen sein?“

Mittwoch, 28. Dezember 2011     [Druckversion]

„Und das soll alles gewesen sein?" Das hat ein mir ein Mensch drei Monate vor seinem Tod gesagt. Ein Satz, der mich nie mehr verlassen hat.  „Und das soll alles gewesen sein?". Ein solcher Satz am Lebensende gesprochen ist mehr als bitter. Weil da ein Übermaß an ungelebtem Leben ausgesprochen ist.
Lebensende - Jahressende. Man kann es nicht wirklich vergleichen. Aber das Jahresende hat so einen Hauch von Lebensende. Nicht das Leben ist vorbei, aber wieder ein Teil davon. Und die Summe all dieser Teile ergibt das Leben, mein Leben.
Der Gott, an den ich glaube, wird ein Gott des Lebens genannt, ein Gott der Freude am gelebten Leben hat. Darum sagt sein Sohn: Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben, das Leben in Fülle haben... Das Leben in Fülle. Das wär' schön. So läuft's aber leider meistens nicht. Weder materiell noch seelisch. Wir Menschen sind Mängelwesen. Dieser Gott des Lebens hat uns Menschen als Wesen mit Schwächen und Fehlern geschaffen. Aber auch mit der Gabe damit umzugehen. Er hat uns geradezu aufgefordert sich ihnen zu stellen, an ihnen zu arbeiten. „Steh auf", „kehr um" - das sind Schlüsselworte des christlichen Glaubens. Worte, die das Leben wollen. Das gelebte Leben, das geglückte Leben. Und was gehört zu einem geglückten Leben? Zu einem geglückten Leben gehört die Dinge zu tun die dran und möglich sind. Sie nicht auf die lange Bank, auf morgen oder die Rente zu verschieben.  Zu einem geglückten Leben gehört aber auch mit dem umzugehen was nicht möglich. Mit den Enttäuschungen, mit den verpassten Gelegenheiten. Das ist eine der Lebensaufgaben denen sich jeder irgendwann mal stellen muss. Und weiß Gott, das ist schwer, sehr schwer. Deshalb wird sie auch oft nicht angegangen. Weil es so weh tut ungelebtes Leben anzunehmen, von Hoffnungen Abschied zu nehmen. Vom passenden Lebenspartner oder der großen Liebe. Vom Traumberuf. Oder vom eigenen Kind. Mich mit den Dingen zu befassen, die mir nicht möglich waren das kann auch zu gelebtem Leben werden. Wenn ich sie ansehe, um sie trauere und sie dann irgendwann auch annehmen kann. Wenn ich den Fels meiner Enttäuschung langsam von der Seele gerollt habe, dann kann ich die Landschaften meines Lebens erkennen. Und dort werden sich blühende Wiesen zeigen, Wüsten, Oasen und staubige Wege - wie bei allen Menschen.

Zwischen den Jahren

Dienstag, 27. Dezember 2011     [Druckversion]

Zwischen den Jahren - so werden diese Tage zwischen Weihnachten und Silvester auch genannt. Ich mag diese Tage. Sie sind nicht so gefühlsbeladen wie Weihnachten und nicht so knallig wie Silvester.     Diese Tage zwischen den Jahren haben was von einer Dämmerung. Wenn der Tag noch nicht ganz gegangen ist und die Nacht noch nicht ganz da. Ein kurzer Zustand des sanften Übergangs, mit dem alles so mild einhüllenden Licht. Die Tage zwischen den Jahren sind für mich wie die Abenddämmerung des Jahres. Meistens hab ich Urlaub in dieser Zeit. Mein Tempo in diesem Zwischenraum wird langsamer. Ich habe Zeit. Zeit zurückzuschauen, auf das Jahr. Dinge zu ordnen, für die ich das ganze Jahr keine Zeit hatte. Nachdenken, inne halten, wie zwischen zwei Atemzügen. Die Zeit zwischen den Jahren ist für mich eine Zeit, die genauso viel mit Religion zu tun hat, wie Weihnachten. In dieser Zwischenzeit fällt es mir leichter mein Leben zu betrachten, zu erkennen was ist. Zurückschauen und nach vorn. Was war gut? Was will ich beibehalten? Was war schlecht, schädlich für mich oder andere? Was muss sich ändern? Die Religion der ich angehöre ermutigt an vielen Stellen zur Veränderung, zum Aufbruch. Wenn Menschen in einer Sackgasse waren, innerlich verkantet waren, dann hat der Mann aus Nazareth seine große Gabe, seine heilige Gabe eingesetzt und die Menschen wieder zu sich gebracht, ihre Verkantung gelöst, ihre Seele wieder ins Lot gebracht. Einer, wenn nicht der zentrale Teil seiner Botschaft war die des „Schon und noch nicht". Die neue Welt des großen, ganz anderen, schönen, ewigen Lebens, ist schon da, in wunderbaren Ansätzen ahnbar, spürbar. Aber noch nicht in seiner ganzen Fülle. Schon und noch nicht. Wie die Zeit zwischen den Jahren. Das alte Jahr fast schon wieder zu Ende, das neue noch nicht da. Oder wie die Dämmerung. Die Nacht noch nicht zu Ende und der Tag schon fast da...



Daniel Renz

Von Daniel Renz, Stuttgart-Zuffenhausen, Evangelische Kirche

Unvollkommene Weihnachten

Samstag, 24. Dezember 2011     [Druckversion]

Noch ein paar Stunden bis Heiligabend! Haben Sie alles organisiert? Alles dekoriert? Und ... was ist mit den Menschen, die da feiern sollen? Stimmt die Stimmung? Sind alle lieb und nett zueinander? Fühlen Sie sich weihnachtlich?
... solche Gedanken können sich schon mal einschleichen, morgens am 24. Dezember. Für Weihnachten soll alles perfekt sein. Aber das klappt nicht immer. Und dann? Ich glaube, dann kann man erst recht Weihnachten feiern!
 „Es begab sich aber zu der Zeit, ..." So werden es viele wieder hören heute Abend. Die Weihnachtsgeschichte nimmt uns mit in die Welt, wie sie war vor 2.000 Jahren: Kaiser Augustus befiehlt eine Volkszählung. In Steuerlisten soll man sich eintragen. Ums liebe Geld geht es also. Und alle Welt rennt. (So anders als heute ist das gar nicht.) Mittendrin auch Josef und Maria. Kurz vor der Geburt müssen sie los, nach Bethlehem. Dort bleibt ihnen nur eine Notunterkunft im Stall.
Perfekte Bedingungen für ein Familienfest sind das nicht gerade. Die Geburt, auf die Maria und Josef sich freuen, - die Umstände dafür sind reichlich unvollkommen.
Und trotzdem: Dort in Bethlehem, im Stall, ausgerechnet da wird es zum ersten Mal Weihnachten. Mitten in aller Unvollkommenheit kommt nämlich Gott zur Welt: in diesem Kind, in diesem Stall. Gott braucht offenbar gar keine perfekten Umstände. Es reicht, wenn seine Liebe auf die Welt kommt - und bei den Menschen ankommt.
Weihnachten heißt also gerade nicht, dass alles perfekt sein muss. Auch wo es unvollkommen ist, auch da hat Gottes Liebe ihren Platz. Vielleicht gerade da.
Auch bei mir muss es nicht perfekt sein heute Abend. Was unvollkommen ist, brauche ich nicht mühsam zurechtpolieren. Was das Jahr über schwierig war, muss jetzt nicht plötzlich funktionieren. Die Umstände sind, wie sie sind: in Familien und Freundeskreisen, in Häusern und Heimen. Besser, wir machen uns da gar nichts vor.
Und doch könnte es heute Abend anders sein. Denn wie wäre das, - wenn Gott gerade in meine Unvollkommenheit kommt? Wenn seine Liebe auf die Welt kommt - in Familien und Freundeskreise, in Häuser und Heime? Allein damit zu rechnen, macht einen Unterschied, glaube ich.
Dann kann aus diesem Abend tatsächlich ein „Heiligabend" werden. Ein heiliger, ein besonderer Abend, an dem wir einander nichts vormachen - und dann um so fröhlicher feiern.
Gerade dann, wenn nicht alles perfekt ist: Ich wünsche Ihnen von Herzen gesegnete Weihnachten.