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Woche vom 16.03.2008 bis 22.03.2008




Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Ein Mann trauert

Samstag, 22. März 2008     [Druckversion]

Man muss der Trauer Zeit geben. Das sieht man auch am Karsamstag heute. Er ist wichtig. Es wäre nicht gut, wenn nach dem Karfreitag sofort Ostern käme. Es dauert bis Menschen nach einem Tod zu neuem Leben finden. Sogar Gott hat Zeit gebraucht, bis er Jesus aus den Toten auferweckt hat. Man muss der Trauer ihre Zeit geben.
Menschen brauchen Zeit und Mut, um zu trauern, glaube ich. Es wird einem ja von der Umgebung oft nicht leicht gemacht, zu trauern. Wer sichtbar trauert, erinnert auch die anderen daran, dass wir sterblich sind. Und das wollen viele nicht hören und nicht sehen.
Dass man zum Trauern Mut braucht, das wird auch in der Leidens- und Sterbensgeschichte Jesu erzählt, an die Christen in diesen Tagen denken und an die sie erinnern. Da heißt es:
Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef, ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann..Er war aus Arimathäa, einer Stadt der Juden.. Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch und legte ihn in ein Felsengrab. (Lk 23,50 ff)
Josef aus Arimathäa hat den Mut, zu trauern. Traut sich zu Pilatus, dem römischen Gouverneur, und bittet ihn um den Leichnam des toten Jesus. Obwohl der ja als Staatsfeind verurteilt worden war. Josef muss darum fürchten, dass er als Sympathisant auch ins Fadenkreuz gerät.
Aber er will auf keinen Fall, dass Jesus irgendwo anonym bestattet wird. Er will um ihn trauern können. Dem Toten persönlich Gutes tun. Er gibt ihm einen Platz in seinem eigenen Grab. Und was daran vielleicht noch wichtiger ist. Er schenkt dem Toten Achtung und Liebe. Nimmt sich Zeit für den Toten.
Dieser Mann ist ein Vorbild dafür, wie Christen bis heute mit ihren Toten umgehen. Wie man als Trauernder auch mit sich selbst umgeht. Josef hätte ja auch in Gedanken trauern können. Aber anscheinend hat er gewusst, dass es gut tut, wenn man für die eigene Trauer einen Ort hat, an den man gehen kann. Und vor allem, wenn man ihr Zeit einräumt. Man kann sich selbst nicht ins normale Leben zurück zwingen. Wer trauert braucht Geduld mit sich selbst. Genau wie die anderen, die mit einem Trauernden zusammenleben. Egal ob in der Familie oder bei der Arbeit. Man muss der Trauer ihre Zeit geben. Und Gott seine. Damit er aus der Trauer neues Leben wachsen lassen kann. Dass Gott das kann, das hat er gezeigt, an Ostern.
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Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Allein gelassen

Freitag, 21. März 2008     [Druckversion]

Es gibt Leute, die sind immer dann da, wenn etwas schief gegangen ist. Wenn einer gescheitert ist, der sich was getraut hat. Dann sind sie da und müssen zeigen, dass sie es von Anfang an gewusst haben: Dann sagen sie, ein bisschen hinterhältig: „Jetzt zeig mal, was du kannst. Du hast doch immer so fromm getan und so klug. Dann wirst du es jetzt ja wohl schaffen. Dann wirst du doch jetzt nicht einknicken und aufgeben.“ Ob der Mensch zugrunde geht, die Sache verloren ist, das interessiert sie nicht. Sie wollen nur, dass sich zeigt: wir haben Recht gehabt, der war auch nichts Besseres als wir, wer so große Träume hat, der landet irgendwann ganz hart auf dem Boden der Tatsachen.
Auch Jesus ist das so gegangen. Viele hatten ihn bewundert, auf ihn vertraut, gehofft, dass mit ihm die neue, die bessere Welt Gottes wirklich anfangen könnte. Aber als er dann verhaftet wird und schließlich zum Tode verurteilt wie ein gemeiner Verbrecher, da sind sie da, die es schon immer gewusst haben. „Was soll aus Nazareth Gutes kommen?“ so haben sie schon von Anfang an ein bisschen misstrauisch gefragt, sind immer auf Distanz geblieben und am Ende gleich wieder auf der richtigen Seite. Vielleicht sind manche sogar sogar enttäuscht von ihm, vielleicht haben sie wirklich gehofft, er könnte es schaffen. Vielleicht soll das jetzt keiner merken. „Wenn du Gottes Sohn bist, dann hilf dir selbst!“ rufen sie ihm zu, als er am Kreuz hängt. und wollen sich und allen anderen klar machen: Mit dem ist es aus. Wir haben es ja gewusst.
Solche Besserwisserei tut weh. Denn sie zeigt dem, der am Ende ist, dass er auch allein ist. Niemand ist da, der zu ihm hält. Und seine Verzweiflung- auch Jesus ruft ja: “Mein Gott, warum hat du mich verlassen?“ - die Verzweiflung und die Einsamkeit des Leidens werden damit immer noch größer und schwerer.
Anscheinend gibt es keinen, der ihn getröstet hätte. Keinen, der mit ihm gebetet hätte: „Mein Gott, verlass mich nicht!“, keinen, der ihn erinnert hätte: Da, wo es ganz dunkel ist, da ist Gott ganz nah. Er hält dich, er wird nicht nicht verlassen. Keiner, der für den Sterbenden geglaubt und mit ihm ausgehalten hätte.
So herzlos können Menschen sein. Daran erinnert der Karfreitag. Sie und ich, wir können uns überlegen, wie wir es gemacht hätten, damals. Und ob wir es heute genauso machen, wenn Menschen am Ende sind.
Gott allerdings, Gott hat Jesus nicht verlassen. Auch wenn es eine Weile so aussah. Gott lässt keinen allein, der am Ende ist. Auch daran erinnert der Karfreitag. Per E-Mail empfehlen


Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Zwei machen Druck

Donnerstag, 20. März 2008     [Druckversion]

Warum um Himmels willen machen die beiden das? Ist es gedankenlos, oder boshafte Absicht? Oder macht es uns Spaß, andere unter Druck zu setzen?
Die zwei spielen nur kleine Rollen in der Geschichte, die an diesem Gründonnerstag vor fast 2000 Jahren passiert ist und die sich seither millionenfach wiederholt hat:
Jesus ist verhaftet und abgeführt worden. Petrus, einer seiner Jünger folgt, von weitem. Draußen, im Hof vor dem Gebäude, in dem sie Jesus verhören, setzt er sich ganz unauffällig an ein Feuer, das die niederen Chargen angezündet haben.
Und da kommen die zwei und setzen Petrus ganz schnell unter Druck:
Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen, sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm. Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne ihn nicht. Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein anderer und sprach: Du bist auch einer von denen. Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht. (Lk 22,56ff)
Warum machen die beiden das? Petrus hat ihnen persönlich nichts getan. Macht es einfach Spaß, andere unter Druck zu setzen? Wahrscheinlich, weil es das Gefühl von Macht geben kann, wenn man die Angst des anderen spürt. Verräterisch ist, was der Mann am Feuer sagt: Du bist auch einer „von denen“. Damit sagt er zugleich: Ich gehöre zu den Guten, zu denen, die Macht haben.
Er ist zwar eine kleine Nummer, aber er wächst, weil er das Gefühl hat, dazu zu gehören. Und wer sich am Drücker fühlt, der macht auch gern Druck. Spürt in sich die Lizenz zum verpetzen und denunzieren. Vielleicht sogar die Pflicht. Dass er damit einen anderen Menschen unter Druck setzt, beschädigt, verletzt vielleicht sogar ans Messer liefert. Das spielt keine Rolle. Er spielt seine Rolle im Apparat. Im System. Ohne groß zu denken. Er kommt sich wichtig und gut vor, weil er dem, der nicht dazugehört, Böses antut.
Ganz banal ist das Böse oft. Es ist nichts Großes, was die beiden machen. Ein bisschen verdächtigen, ein bisschen streng gucken, bohren. Gerade mit den Kleinigkeiten des Alltags können wir böse Wirkung erzielen.
Und was wäre gut in so einer Situation? Die beiden müssten bloß still sein.
Das Gute ist manchmal genauso einfach, wie das Böse banal ist. Still sein. Man muss doch nicht die, die eh schon unter Druck stehen, auch noch bedrängen. Sie könnten den Petrus einfach am Feuer sitzen lassen. Das wäre gut.

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Judas – der Verkämpfer

Mittwoch, 19. März 2008     [Druckversion]

„Versager, Verräter. Schlampe.“ Oft reicht ein Wort und ein Mensch ist bei den anderen total unten durch. Soll es ja geben, in Schulklassen, Lehrerkollegien, in Großraumbüros, in Familien. Dabei weiß jeder. Man kann einem Menschen mit einem einzigen Wort nicht gerecht werden. Mobben kann man jemand damit, an den Pranger stellen, ins Unglück treiben. Das geht, mit einem Wort.
Wie gut, sieht man an Judas. Seit 2000 Jahren heißt der Mann „Verräter“. Wie ein Nachname hängt das an ihm: Judas hat Jesus verraten. Schluss fertig aus. Dass so einer ins Abseits gerät und sich den Strick nimmt.. Selber schuld.
Aber ich glaube nicht, dass man einem Menschen mit einem Wort gerecht wird. Muss man nicht wenigstens fragen: Wie kam es? Oder noch wichtiger, kann man so was wie damals vermeiden, wenn man einen Menschen um sich hat, der so ähnlich gestrickt ist wie Judas?
Ich glaube; Judas ist eigentlich einer gewesen, der sich verkämpft hat. Von Haus aus ein ganz ernsthafter/gewissenhafter ??. Einer der sich voll und ganz einsetzt. Für die Menschen, für das eine Ziel, für das Reich Gottes. Aber diese Kämpfer haben oft das Problem, dass sie sich ver-kämpfen. Sich in die gute Sache verrennen. Sie denken, der gute Zweck heiligt jedes Mittel. Vielleicht war Judas so ein Mensch. Er wollte Jesus zum Letzten herausfordern. Vielleicht sogar Gott, damit der vom Himmel her eingreift, wenn sein Sohn von der Tempelclique und den Römern bedroht wird. Und so ist dieser Verkämpfer Judas hingegangen und wollte Jesu Verhaftung durch die Behörden beschleunigen. Deshalb verrät er ihn. Als er sieht, wie sein Plan total schief geht, da begreift er, was er getan hat.
Und wieder schlägt seine Ernsthaftigkeit zu. Diesmal richtet sie sich gegen ihn selber. Er kann sich selbst nicht mehr aushalten. Damit kann er nicht leben, dass er an Jesus zum „Verräter“ geworden ist. Er mobbt sich quasi selbst raus. Kann sich selbst nur noch dieses eine Wort anhängen: „Verräter!“
Ich frage mich immer. Ist Judas in den Augen Jesu auch bloß der Verräter? Oder hat der mehr Worte für ihn übrig? Worte, mit denen man Menschen wie Judas besser gerecht wird und sie nicht ins Unglück treibt? Ich glaube und hoffe: Dass für Jesus Judas ein Bruder ist, der sich verrannt hat, aber zu ihm gehört. Genau wie die ganz Ernsthaften heute auch zu uns gehören.
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Maria – eine Mutter muss zuschauen

Dienstag, 18. März 2008     [Druckversion]

Die letzten Tage müssen sehr hart für sie gewesen sein, stelle ich mir vor. Es ist wohl das Schwerste was einer Mutter überhaupt geschehen kann. Dass sie miterleben muss, wie das eigene Kind auf sein Ende zugeht. Sie ist dabei, wie Jesus verhaftet wird, man macht ihm dem Prozess und richtet ihn öffentlich hin. Wie einen Verbrecher. Und Maria kann als Mutter nur in der Nähe sein und muss doch hilflos zuschauen. Wie er seinen Weg geht. Sie kann nicht wirklich helfen, sie kann weder aufhalten was passiert, noch kann sie ihren Sohn aufhalten. Jesus hat sich noch nie von ihr vorschreiben lassen, was er tun soll.
Drei Jahre zuvor, als er anfing öffentlich aufzutreten, da hat sie es versucht ihn zurück zu holen, nach Hause in die Familie. Aber da hat ihr Sohn sie auflaufen lassen. „Meine Familie sind die, die zu meinem Vater im Himmel gehören,“ hat er gesagt. „Dieses Dorf ist nicht mehr meine Welt.“
Sie war kurz davor, ihn abzuschreiben. Aber kann man das, als Mutter? Selbst wenn man das eigene Kind nicht mehr versteht. Nach und nach hat sie ihn dann wohl verstanden und akzeptiert, dass er seiner Berufung folgt, seinen Weg geht. Sie hat gesehen, dass er es gut macht. Den Menschen hilft. Ihnen ihr Rückgrat wieder gibt. Einen Sinn im Leben. Zuletzt hat Maria ihn unterstützt wie sie nur konnte.
Aber dann diese letzten Tage. Nur noch bergab. Immer schneller. Hat Jesus die Gefahr etwa ganz bewusst gesucht? Musste er in die Höhle des Löwen, nach Jerusalem? Musste das sein, dass er die Händler im Tempel so provoziert, ihre Stände umschmeißt und sie beschimpft, weil sie für Geld ihre Seele verkaufen und die der Menschen dazu. Musste das sein?
Aber seine Mutter bleibt in seiner Nähe. Auch als es fast nicht mehr zum Aushalten ist. Vor diesem Pilatus, als sie ihn gefoltert haben. So nah es geht, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Das ist das Beste, was sie tun kann. Dasein, aushalten, den Sohn spüren lassen, dass sie zu ihm hält. Sie verrät ihn nicht, sie verleugnet ihn nicht, sie kehrt ihm nicht den Rücken zu. Eine tapfere Frau.
So stelle ich mir vor, dass es Maria gegangen ist mit ihrem Sohn. Und wie vielen Müttern und auch Vätern nach ihr ging es ähnlich. Man möchte sie in den Arm nehmen und zu ihr sagen: Denk dran, Dein Sohn hat auch noch einen Vater. Nicht den leiblichen, der tot. Aber der Vater im Himmel, der ist da. Und vielleicht ist das für uns nach „bergab“ aussieht, ja in Wirklichkeit ein Weg „bergauf“. „Himmelauf“ gewissermaßen.
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Jesus weint – mit uns

Montag, 17. März 2008     [Druckversion]

Sie ist immer noch nicht zu Ende. Wir sind immer noch mittendrin. In der Geschichte von Jesus, an die Christen in dieser Woche auf der ganzen Welt denken und erinnern. Es ist zwar 2000 Jahre her, dass sie ihn zum Tod verurteilt und gekreuzigt haben. Aber sie haben es nicht geschafft, ihn vergessen zu machen. Im Gegenteil. Seine Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wir sind immer noch mittendrin, denn es hat sich nicht viel verändert. Und das ist traurig und bitter.
Ja bitter, weil sich anscheinend so wenig verändert hat in der Welt. Oder kommt Ihnen das nicht vertraut vor, was die Bibel von damals erzählt: „Als Jesus die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn du doch an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.“ (Luk. 19,41 ff)
Als Jesus die Stadt Jerusalem sieht, weint er. Weil sie nicht erkennt was ihr Frieden bringen könnte. Frieden, das war seine Mission, Frieden für die Menschen, vor allem auch für die einfachen. Dafür hat Jesus ganz gelebt, sogar sein Leben gelassen. Und er war davon überzeugt: Das ist nicht bloß meine Privatidee, dass es Frieden und Gerechtigkeit für alle geben soll. Das ist die Idee, die Gott mit der Welt hat. Und weil Jesus voll und ganz für diese Idee des Friedens gelebt hat, darum weint er, als er sieht, dass die Menschen den Frieden mit Füßen treten und ihn nicht schaffen, oder nicht schaffen wollen. Bis heute ist das nicht anders geworden. Das ist traurig und bitter.
Aber es hat auch etwas Gutes, dass Jesus weint. Er zeigt, wie sehr er mit fühlt und mit leidet. Und mit Jesus weint auch Gott. Denn Gott leidet mit jedem Menschen, der Unfrieden ertragen muss. Gewalt und Unrecht.
Was soll das helfen, dass Gott mit leidet, fragen Sie? Doch, ich glaube, das hilft. Dann muss nämlich kein Mensch denken, dass Gott sich abwendet, wenn es ihm dreckig geht und er unverschuldet zum Opfer wird.
Und ich finde, es hilft sehr wohl, wenn wir wie Jesus mitfühlen und mitleiden. Mitgefühl gibt Kraft, gegen Unfrieden und Unrecht zu kämpfen. Mitgefühl und Mitleiden sind göttliche Kräfte, die uns besser machen können.
Gott ist der Unfriede nicht egal ist. Deshalb hält er seine Idee vom Frieden wach. Hoffentlich auch in Ihnen und mir. Seine Geschichte mit der Welt ist noch nicht zu Ende. Wir sind mittendrin. Und er zählt auf uns.
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Fähnchen im Wind

Sonntag, 16. März 2008     [Druckversion]

In dieser Geschichte kommt jeder vor. Sie und ich, und die neben uns auch. Sie ist 2000 Jahre alt, aber es passiert bis heute, immer wieder ähnlich: Die letzten Tage Jesu bis zum Tod. Ich finde: Jeder und jede ist mittendrin in dieser Geschichte.
Der eine wird direkt schuldig, die andere muss hilflos miterleben, was einem Menschen angetan wird, den sie liebt und die dritten gucken zu und stecken so mittendrin.
Kennen Sie das auch? Man will irgendwie dabei sein, aber lieber nicht ganz vorne. Schon da sein, wo alle sind. Man will ja nichts verpassen. Aber nicht so ganz, die Option Rückzug muss immer offen bleiben. Man weiß ja nie…
Anfeuern, Beifall klatschen, aus der dritten oder vierten Reihe. Mitlaufen. Damit man im Zweifelsfall hinterher sagen kann. „Ich habe es gleich gewusst, das geht nicht gut.“
Verstehen Sie, warum Menschen so sind? Warum Sie und ich so sein können? Genau wie vor 2000 Jahren. Da zieht Jesus auf seinem Esel ein in die Hauptstadt Jerusalem. Ein großer Ruf eilt ihm voraus. Ein Wunderheiler soll er sein und jetzt kommt er selber und dann wird er diese ganze Baggage von Römern und Tempelclique einfach wegpusten, mit Gottes Hilfe. Und dann kommen wir, wir Zuschauer. Wir Mitläufer:
„Eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Menge aber, die ihm voran ging und nachfolgte, schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!(Mt 21,8ff)
Und vier Tage später: Da stehen dieselben Leute wieder in der dritten Reihe. Haben aber die Fronten gewechselt: Und schreien, weil die anderen auch schreien: „Kreuzige ihn, kreuzige Ihn.“ Und wenn sie gefragt würden: Hast Du nicht vor 4 Tagen ganz anders gerufen? Dann sagen sie wahrscheinlich: „Ich habe es gleich geahnt, das wird nichts.“
Enttäuscht wenden sie sich ab, hängen ihr Fähnchen in den neuen Wind. Was hält wohl der betroffene Jesus von solchen? Von Ihnen und mir, wenn wir so unentschlossen sind, aus Angst. So wankelmütig, weil wir enttäuscht worden sind oder schlechte Erfahrungen gemacht haben. So klein, weil wir manchmal einfach feige sind. Was hält Gott von uns? Wendet er sich ab, mit Schaudern?
Die Bibel sagt 'nein': Gott liebt weiter, das ist das Unglaublichste an diesem Drama in der Karwoche. Jesus geht seinen Weg wegen uns und für uns, liebt uns.
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