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Woche vom 12.11.2006 bis 18.11.2006




Bernd Gerle

Von Bernd Gerle, Stuttgart, Freikirche

Samstag, 18. November 2006     [Druckversion]

„Was wäre“ - wenn ich solchen Glauben hätte? – das habe ich mich gefragt, als ich wieder mal in der Bibel die Begebenheit mit dem Befehlshaber der römischen Truppen in Kapernaum gelesen habe.
Die Ausgangslage ist klar. Der Mann ist in Not, weil sein persönlicher Referent krank ist, ster-benskrank. Er schätzt ihn sehr, darum liegt ihm viel daran, dass er wieder gesund wird. Er hatte von Jesus und seinen Möglichkeiten gehört, und darum macht er sich auf den Weg zu ihm. Er will ihn um Hilfe bitten.
So weit kann ich mit; würde ich auch so tun. Aber dann: dieser Glaube?!
Er kommt tatsächlich durch zu Jesus, und kann ihm seine Bitte vortragen. Er tut es vertrauens-voll. Schließlich will er sich ja nicht umsonst auf den Weg gemacht haben. Er erwartet von Jesus Hilfe.
Und der sagt sie ihm sofort zu. Wer hätte das gedacht. „Gut“, sagt Jesus, „ich komme mit und werde ihn heilen.“ – Jetzt ist er doch etwas verdattert. So einfach ist das?! Und erst jetzt wird ihm so richtig bewusst, was er da von Jesus verlangte.
„Herr, es ist nicht nötig, dass Du zu mir nach Hause kommst. Sprich nur ein Wort, und mein An-gestellter wird gesund werden.“ Welch ein Glaube! Ein Wort von Jesus reicht ihm. Mehr ist nicht nötig.
Wie wäre es mir an seiner Stelle ergangen? Ich denke, ich wäre froh gewesen, dass Jesus mit mir kommen will. Ich denke, ich hätte mich gefreut, dass Jesus auf meine Bitte eingeht. Vielleicht wäre ich auch ein bisschen stolz gewesen; auf jeden Fall aber froh.
„Herr, es ist nicht nötig, dass Du extra zu mir nach Hause kommst.“ sagt der Mann, „Sprich nur ein Wort, und mein Angestellter wird gesund werden.“
Der Glaube dieses Mannes war so groß, dass ihm ein Wort Jesu genügt. Mehr erwartet, mehr braucht er nicht. Solchen Glauben lobt Jesus im Anschluss an diese Begegnung. Und, so etwas ist ihm noch nicht begegnet, sagt er.
Ich bin froh, dass Jesus das nicht für alle voraussetzt. Ihm genügt es offensichtlich, wenn Men-schen kommen, ihn bitten, und ihm vertrauen. Solche „Ausnahmeerscheinungen“ wie hier, sagt er selbst, sind nicht die Regel.
Und damit bin ich wieder mit drin. Es reicht, wenn ich Jesus bitte und darauf vertraue, dass er eingreift und hilft. Wie, das überlasse ich ihm. Da muss ich keine „geistlichen Klimmzüge“ ma-chen oder vorher die Größe meines Glaubens unter Beweis stellen.
„Was wäre“ – wenn ich solchen Glauben hätte wie dieser Mann? Manches wäre vielleicht einfa-cher. Aber „Gott sei Dank“ kommt es nicht auf die Größe des Glaubens an. Vertrauen genügt!
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Freitag, 17. November 2006     [Druckversion]

„Was wäre“ - wenn ich immer nur einer unter Vielen wäre? nur so ein Teil der Quote oder irgend-eine Nummer in einer Umfrage? persönlich aber gar nicht gesehen und wahrgenommen würde? – O.K., manchmal erlebt man das ja so, aber hoffentlich nicht immer. Die Menge, die Masse ist a-nonym, aber ich als Einzelner bin doch einmalig und unverwechselbar. Darum lege ich Wert dar-auf, dass man mich sieht und wahrnimmt.
Was wäre, wenn Gott auch nur „die Menschen“ sehen würde, ohne jegliches Interesse am Einzel-nen? Was wäre, wenn Jesus damals auch so mit den Leuten umgegangen wäre, so, dass nur die Vielen zählen?
Das wäre furchtbar. Aber glücklicherweise ist es anders. Bei Gott zählt jeder Einzelne in seiner besonderen Art und Ausprägung.
Das wird in einer Begebenheit deutlich, die in der Bibel steht. Da ist ein Mann, im ganzen Ort an-gesehen, ja gefürchtet. Er hat als Zollbeamter einfach den falschen Job, weil damals die Höhe des Zolls in seinem eigenen Ermessen lag. Er verdiente gut und konnte bestens davon leben. Dass er kaum Kontakte hatte zu seinen Mitmenschen, das musste er nun mal in Kauf nehmen.
Dieser Mann nun hört, dass Jesus vorbeikommt. Und er denkt: „Den musst du sehen. Schon so viel von ihm gehört. Ob das alles zutrifft?“ Er macht sich auf den Weg. Doch es sind schon einige vor ihm da. Sie rücken enger zusammen, als er durch will. „Die Rache des Volkes“. Sie zeigen ihm: Hier und außerhalb des Dienstes hat er nichts zu sagen.
So bleibt ihm nichts anderes übrig, als auf einen Baum zu steigen. Hauptsache er kann ihn sehen.
Was jetzt geschieht ist außergewöhnlich. Jesus bleibt genau unter dem Baum stehen. Schaut hin-auf, und spricht ihn an. Entdeckt! Peinlich, vor all den Leuten.
Aber er ist am Ziel, sogar weiter, als er dachte. „Ich will zu Dir nach Hause kommen“, sagt Jesus. Und dort, bei sich zu Hause, erlebt er Jesus – und sein Leben bekommt eine neue Richtung und einen neuen Sinn.
Was wäre, wenn Jesus einfach vorbeigegangen wäre; eben nicht hoch geschaut hätte. Nichts wä-re passiert. Zachäus, so heißt dieser Mann, Zachäus hätte Jesus zwar gesehen, aber nicht kennen gelernt. Und damit hätte er eben doch nicht gewusst, was alles dran ist an dem Reden von ihm.
Wie gut, dass Gott sich für uns persönlich interessiert. Wie wäre es, heute einmal darauf zu ach-ten, wo Gott uns ansieht und begegnen will?!
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Donnerstag, 16. November 2006     [Druckversion]

„Was wäre wenn“ – Was wäre, wenn das schief geht? Solche Überlegungen kommen einem un-weigerlich, wenn die nächsten Schritte unklar sind oder zu risikoreich erscheinen. Wenn das schief geht, dann: bin ich ganz schön blamiert; dann „hab ich reingepackt“; oder dann bin ich am Ende; dann weiß ich auch nicht mehr weiter.
Manches lässt sich im Voraus überblicken und abschätzen. Manches ergibt sich aber auch erst. Es bleibt die Angst: wenn das schief geht?! Dabei ist das Sich-Blamieren noch das Harmloseste – aber auch das kann schon ganz schön peinlich sein. Denn, wer will schon gern „ins Gerede“ kommen.
„Was wäre wenn“ – Solche Gedanken, so kann ich mir vorstellen, solche Gedanken könnten auch Manchem gekommen sein, der damals Jesus begegnete. Die Bibel berichtet z.B. von einzelnen Kranken, die zu Jesus gekommen sind, um sich heilen zu lassen. Nicht immer hat er das gleich und einfach so getan. Manch einer musste seinen Teil dazu beitragen.
So war es auch bei dem Blinden, der zu Jesus kam, um wieder sehen zu können. Anstatt schlag-artig einzugreifen, legte Jesus ihm einen Brei aus Lehm und Speichel auf und schickte ihn an den Teich um sich zu waschen.
Wie weit reicht sein Vertrauen, sein Zutrauen zu Jesus jetzt? Soll er das ernst nehmen und ge-hen? Was ist, wenn’s nicht klappt, schief geht? Was ist, wenn nichts passiert? Blamiert bis auf die Knochen, zum Gespött der Leute geworden.
Er ging, wusch sich, und konnte wieder sehen.
Manchmal sind auch wir herausgefordert, etwas zu wagen. Manchmal muss man sich auf etwas einlassen, einfach vertrauen. Auch „glauben“ entscheidet sich ja nicht am grünen Tisch, sondern im Leben.
Warum also nicht beten? Gott bitten, und ihm zutrauen, dass er handelt? Warum dann anschlie-ßend nicht auf seine Hinweise eingehen, und erleben, dass es zutrifft, sich erfüllt?!
Mir geht es hin und wieder so, dass mir, nach dem Beten, spontan ein Gedanke kommt: ruf doch Den mal an; geh zu Jenem; tu jetzt Dies. Was ist, wenn’s schief geht, nicht hinhaut? Auch diese Gedanken schießen mir durch den Kopf.
Aber oft genug habe ich erlebt, dass es genau das Richtige war, dass es geholfen hat, gut war. Manches „was wäre wenn“ scheint unnötig, wenn nicht sogar hinderlich. Darum lohnt es sich, an dieser Stelle, einfach das Risiko einzugehen und zu vertrauen!
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Kerstin Mühlmann

Von Kerstin Mühlmann, Stuttgart, Freikirche

Zweifeln und Staunen

Mittwoch, 15. November 2006     [Druckversion]

Ich glaub das einfach nicht! Zweifel und Bedenken machen sich in meinem Kopf oft breit. Warum sollte ich gerade diesem Menschen glauben, dass er mich liebt, jenem Shampoo, dass es meine Haare glänzender macht, dem Politiker, dass er ehrlich ist und dann noch einem Gott, den ich nicht sehen kann? Kennen Sie das auch? Wir Menschen suchen immer nach Beweisen, Bestätigungen, Sicherheit.
Bei einem physikalischen Experiment ist das kein großes Problem, aber wie kann Gott bewiesen werden? Einen echten naturwissenschaftlichen Beweis gibt es nicht. Spannend zu sehen ist aber, wie Gott Menschen begegnet, die an ihm Zweifeln, vielleicht sogar verzweifeln, aber trotzdem nach ihm fragen.
Thomas ist so einer. Er gehört zu den Jüngern von Jesus, sozusagen zum persönlichen Mitarbeiterstab. Thomas kann einfach nicht glauben, dass Jesus nach seinem Tod auferstanden und wieder lebendig sein soll. Das ist auch einfach unfassbar! Die anderen Jünger erzählen ihm zwar davon, was sie erlebt haben, aber Thomas ist das nicht genug. „Erst wenn ich die Spuren der Nägel in seinen Händen sehen und die Hand in seine Seitenwunde legen kann, dann glaube ich das. Vorher nicht!“
Ganz schön frech, was er da fordert! Aber Thomas will keine halben Sachen, er glaubt nur, was er sieht. Er zweifelt und grübelt. So wie ich und Sie das vielleicht auch oft tun. Jesus hätte eingeschnappt sein können, dass Thomas nicht an seine Auferstehung geglaubt hat. Oder zu stolz, um ihm noch ein zweites Mal ganz persönlich zu beweisen, was passiert ist. Doch er tut es trotzdem und zeigt Thomas seine Wunden. Warum? Weil er vermutlich ganz genau weiß, wie wichtig dieser sinnliche Eindruck für Thomas ist. Er hat ihn ernst genommen und in seiner ganzen Persönlichkeit respektiert: als einen Verstandesmensch mit allen seinen Zweifeln.
Jesus gibt Thomas die Gelegenheit, seine Zweifel auszuschalten, indem er auf seine ganz persönlichen Bedürfnisse eingeht. Er begegnet ihm gerade mitten in seinem Zweifel. Und er zeigt ihm deutlich: Wir dürfen zweifeln, sogar an Gott. Denn er liebt uns so sehr, dass er auch unsere Skepsis akzeptiert. Gerade der Umgang mit dem zweifelnden Thomas zeigt, wie wichtig Gott die Beziehung zu jedem Einzelnen von uns ist.
Gott gibt uns niemals auf, zweifellos.
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Moralfrage

Dienstag, 14. November 2006     [Druckversion]

Die Moral ist zurück. Ohne sie, läuft anscheinend gerade gar nichts mehr in Deutschland. Ob in der Politik, in der Kultur, in der Wissenschaft oder der Religion…überall wird die Rückkehr zu Anstand, Disziplin und Rücksicht gefordert.
Viele Deutsche sind z.B. der Meinung, dass straffällig gewordene Ausländer, möglichst schnell aus unserem Land abgeschoben werden sollten. Denn wer sich nicht an die Spielregeln hält, der fliegt raus, heißt die Begründung. Das ist doch gerecht so. Prominente, die Steuern hinterziehen oder von ihrer Frau betrogen werden, sind überall auf den Titelseiten der Klatschblätter. Wir reden doch gerne über Moral….vor allem wenn sie andere und deren Schwächen betrifft.
Was wäre gewesen, frage ich mich dann manchmal…wenn Jesus genauso „gerecht“ gehandelt hätte, wie wir heute. Denn schon zu seinen Zeiten war es mit der Moral nicht so weit her. Da ist z.B. die Ehebrecherin, der er begegnet. Sie wurde beim Seitensprung ertappt, in flagranti. Da war was los! Die Zeugen schleppen die Frau mit viel Getöse zu Jesus. Sie wollen von ihm nur eins hören: Jesus soll sie schuldig sprechen, dann soll sie, wie es das Gesetz fordert, gesteinigt werden.
Das Volk fordert Gerechtigkeit, menschliche Gerechtigkeit und eine saftige Strafe zu seiner Genugtuung. Aber was tut Jesus? Er dreht den Spieß komplett um. Es ist ihm nicht wichtig, diese Frau bloßzustellen, denn sie hat längst erkannt, dass sie Fehler gemacht hat. Aber die, die sie für ihren Seitensprung verurteilen wollen, halten sich für perfekt und makellos. Ihnen hält Jesus den Spiegel vor, als er sagt: „Wer frei von Sünden ist, der soll den ersten Stein werfen“. Kein einziger wagt es. Jesus verurteilt die Frau nicht. Er bestraft sie nicht. Trotzdem begreift sie, dass sie falsch gehandelt hat.
Jesus ist nicht in diese Welt gekommen, um uns zu zeigen, wie schlecht und unfähig wir sind. Im Gegenteil, er will uns helfen, das Beste aus uns herauszuholen und uns von dem zu trennen, was uns und anderen schadet. In der Geschichte begegnet er der Frau auf eine sehr ermutigende und positive Weise. Auch uns traut er zu, dass wir unser Leben verändern können und verdammt uns nicht, für das, was bisher war. Gerade mit unseren größten Problemen und Nöten dürfen wir zu Gott kommen und ihn um Hilfe bitten. Denn eins ist sicher: Bei ihm fliegen wir nicht gleich wieder raus.
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Stürmische Zeiten

Montag, 13. November 2006     [Druckversion]

Das war knapp! Was wäre gewesen, wenn… nach brenzligen Situationen schwirren diese Gedanken in meinem Kopf herum. „Gott sei Dank“, sagen dann manche. Ehrlich gesagt, in Extremsituationen fehlt es mir oft an Gottvertrauen. Denn gerade wenn es hart auf hart kommt, werde ich zum Einzelkämpfer. Statt um Hilfe zu rufen, beiße ich die Zähne zusammen und will alles alleine schaffen. Ein Stoßgebet schicke ich meist erst dann los, wenn die Lage schon aussichtslos ist. Gott wirklich vertrauen, dass ist gar nicht so einfach.
Selbst den Jüngern, also den 12 Männern, die Jesus jahrelang auf seinen Reisen begleitet haben, fiel es schwer ihm zu vertrauen. Einmal gerieten sie auf einem See in ein heftiges Unwetter. Die Männer waren wirklich keine Angsthasen, aber der grünlich-schwarze Himmel über ihnen wurde immer dunkler, eisige Sturmböen peitschten ihnen ins Gesicht und die Wellen schleuderten das Boot so heftig hin und her, dass sie sich nur noch mit Mühe an Bord halten konnten. An Jesus dachte niemand. Was sollte er auch damit zu tun haben? Schließlich fand ihn ein Jünger, selig schlafend! Dass sie gerade um das nackte Überleben kämpften, schien Jesus nicht zu interessieren. Die Jünger weckten ihn; wütend, verwirrt und sicherlich auch enttäuscht. Sie schrien ihm zu: „Herr, wir gehen unter, tu doch was!“
Aber Jesus fragte nur: „Warum habt ihr solche Angst, wo ist euer Vertrauen?“ Dann sprach er etwas in Richtung Wind und Wellen und urplötzlich wurde es still. Dass Jesus sogar der Sturm und das Meer gehorchen, damit hatten die Jünger nicht gerechnet. Ein Happy End.
Trotzdem frage ich mich: „Was wäre gewesen….wenn“ die Jünger Jesus nicht geweckt hätten? Wären sie alle gestorben, oder hätte Gott noch rechtzeitig eingegriffen? Jesus hat mehr Vertrauen von ihnen gefordert, aber kann man Gott vertrauen, wenn man in Lebensgefahr ist? Vielleicht ging es den Jüngern da genau wie mir, sie kamen gar nicht auf die Idee, Jesus gleich um Hilfe zu bitten, denn die Situation erschien ihnen einfach unlösbar, eben übermenschlich.
Trotzdem war ihnen klar, dass hier nur noch einer helfen kann. Da hatten sie schon viel von Gott verstanden. Denn er gibt uns keine Garantie, dass wir vor allen Schwierigkeiten des Lebens verschont bleiben. Aber Gott hat versprochen immer bei uns zu sein und die Stürme und Wellen unseres Lebens zu beruhigen, wenn wir ihm vertrauen. Natürlich klappt das nur, wenn wir ihn auch ans Ruder lassen. An welchem Ufer unser Schiff später landen wird, bleibt dann zwar eine Überraschung, aber in einem können wir uns sicher sein: kentern lässt Gott uns nicht.
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