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Woche vom 12.01.2014 bis 18.01.2014




Uwe Beck trifft Dieter Schmid

Sonntag, 12. Januar 2014     [Druckversion]

Kirchen sind Vorreiter und Vorbild in Sachen Ökologie

Dieter Schmid ist kein Öko-Freak, aber die Umwelt, der ökologische Gedanke – das ist sein Thema seit vielen Jahren. In der Diözese Rottenburg-Stuttgart leitet er den Ausschuss „Nachhaltige Entwicklung“. Bei allen Bauprojekten hat  er ein Auge darauf, ob der Umweltschutz eingehalten wird. Das gilt auch für sein privates Umfeld:

Also, wenn irgendwo ein Licht brennt und es ist niemand im Raum, das ist für mich etwas, was ich wirklich nicht mag. Was kann ich sonst nicht brauchen?  Ja, früher war ich ein Autofahrer, der recht zügig losgedonnert ist. Heute muss ich mir manchmal an den Kopf langen, wie ich überholt werde auf der Autobahn.

Dieter Schmid ist schon lange aktiv in seiner katholischen Kirche – als Kirchengemeinderat und in diözesanen Gremien. Er ist ein freundliche Mann, bei einem Thema aber hört für ihn der Spaß auf: Wie gehen wir mit unserer Umwelt, mit „Gottes guter Schöpfung“ um? Er ist eine Art Prophet von heute, wird nicht laut, bleibt aber in unserem Gespräch unbeirrt.

Es ist der Glaube, dass Gott die Welt erschaffen hat, und es ist mit unsere Verantwortung und die Verantwortung der Kirchen, hier ihren Beitrag zu leisten, damit wir eine Welt auch haben, die – wenn wir Gerechtigkeit wollen und umsetzen wollen – dann eben auch für alle die natürlichen Ressourcen erhalten, die Umwelt erhalten, das ist unser Auftrag.

Vor  über 10 Jahren war Dieter Schmid maßgeblich daran beteiligt, für die Diözese Rottenburg-Stuttgart sog. „Pastorale Leitlinien“ zu entwickeln. Mit einigen Mitstreitern hat er darin Grundsätze für die Nachhaltige Entwicklung und Vorschläge für erneuerbare Energien formuliert. Die Vorschläge waren sehr konkret.

Wir haben für die Kirchengemeinden, aber dann auch für die Diözese, einen Fond gebildet, aus dem solche energiesparende Maßnahmen gestützt und gefördert werden. Das waren 6 Millionen für die Kirchengemeinden, die ein Vielfaches an Investitionsvolumen angestoßen und begleitet hat.

Der Fond musste inzwischen aufgestockt werden, weil die gesamte Summe abgerufen worden ist. Darauf ist Dieter Schmid ein klein wenig stolz. Und er lässt nicht locker – kein Bauprojekt der Diözese Rottenburg-Stuttgart geht in Planung ohne Prüfung durch den Ausschuss „Nachhaltige Entwicklung“. Umweltschutz fängt im Kleinen an, Zuhause und in der Kirche vor Ort.

Das fängt (vielleicht) schon im Pfarrbüro an. Was wir im Pfarrbüro an Verbrauchsmaterialien haben, z. B. an Papier, ist das Öko-Papier oder anders? Was wir an Stromverbrauch haben, brennt das Licht unnötig, haben wir unsere Geräte – PCs, Drucker – werden die über Nacht abgeschaltet, steht das im Standby weiter – kleine Sachen, wo man anfangen kann.

Dieter Schmid ist eine Art „ökologisches Gewissen“ seiner Kirche. Er geht den Dingen auf den Grund. Sein Haus in Freiberg ist voller Fachlektüre, und wenn es ein muss, dann schaltet er sich mit Fach-Artikeln selbst mit ein in die Diskussion. Die Kirchen müssen Vorbild und Vorreiter in Sachen Ökologie sein.

Es ist auch eine Frage, wie gestalten wir und organisieren wir unsere Gemeindefeste. Wo kommt der Kaffee her, sind das fair gehandelte Sachen?  Kommt das aus der Region? Oder beziehen wir es von irgendwoher von einer Kette? Das sind schon konkrete Punkte, wo die Kirchengemeinde selbst anpacken kann.

Der Geruch von Harz – eine Glückerfahrung

Der Fernseher im Wohnzimmer von Dieter Schmid ist komplett ausgeschaltet, als ich das kleine Wohnhaus betrete. Kein PC, kein Drucker steht auf Stand-By. Das ist bei ihm kein Ausdruck der sprichwörtlichen Sparsamkeit der Schwaben. Ihm liegt die Natur, die Schöpfung Gottes, wie er sagt, besonders am Herzen.

Ich bin als Bub aufgewachsenen auf dem Land, und da hat man eine andere Beziehung zur Natur, und zu sehen, was sich da in den 30 - 40 Jahren verändert hat, auch in der Landwirtschaft, da verändert sich Natur.

Aufgewachsen ist der 69-jährige Dieter Schmid in Meßkirch zwischen Bodensee und Donautal. Wenn er heute die alte Heimat besucht, ist ein Abstecher ans „Schwäbische Meer“ immer drin. Und auch dort bleibt er in erster Linie ein Umweltschützer. Und er freut sich.

Der Bodensee war, als ich dort gelebt habe, keine Kloake, das wäre jetzt übertrieben, aber er war sehr stark verschmutzt. Heute höre ich von den Fischern, dass der See zu sauber ist und die Fische keine Nahrung mehr haben.

Der dreifache Familienvater erzählt mir von seiner Kindheit, die einfach war, aber unbeschwert. Und er erzählt, als sei dies gestern gewesen.

Ich bin mit meinem Vater, der ein Holzfuhrwerk hatte, oft in den Ferien in den Wald zum Holzrausfahren, und mir ist noch in Erinnerung an Sonnenplätzen, wie das Holz, das Harz gut gerochen hat, und diese Momente – da geht einem das Herz auf, mir jedenfalls. Ich weiß nicht, ob das eine Gotteserfahrung ist, aber es ist eine Glückserfahrung.

Mir imponiert, wie hartnäckig Dieter Schmid in seinem Engagement bleibt. Er wirkt dabei nie verbissen.  Aber eine große Sorge kam mit den Jahren hinzu: Die zahllosen Naturkatastrophen sind für ihn ein Fingerzeig Gottes.

Es gab ja mal ne Zeit, die gedacht hat, das ist die Strafe Gottes – ich kann mir das nicht vorstellen, dass der so grausam ist, Es ist ein Anstoß, und wir müssen eine Antwort geben – jeder nach seinen Möglichkeiten, nach seinem eigenen inneren Gewissen.

Der Einsatz für die Umwelt, für „Gottes gute Schöpfung“, bleibt für Dieter Schmid das Thema seines Lebens. Und er erzählt mir am Ende unseres Gespräches, wie sich sein Glaube ihm Laufe seines Lebens verändert hat.

Ich bin mit meinem Glauben groß geworden, von Jugend an in diesem Glauben erzogen, und habe in einem Umfeld gelebt, das diesen Glauben auch ernsthaft gelebt hat. Verändert hat sich die Ernsthaftigkeit, um wirklich selber sich zu bemühen, danach zu leben, was in jüngeren Jahren noch nicht so ausgeprägt ist. Das ist eine Frage des Alters, des Älterwerdens.

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