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Woche vom 17.07.2011 bis 23.07.2011




mit Hanspeter Faas

Sonntag, 17. Juli 2011     [Druckversion]

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Teil 1: Die Bundesgartenschau und die Bewahrung der Schöpfung 

Hanspeter Faas ist Geschäftsführer der Bundesgartenschau in Koblenz und bekennender Christ. Die Bewahrung der Schöpfung liegt ihm besonders am Herzen, und dazu kann eine Gartenschau durchaus einen Beitrag leisten, meint er: 

Wir führen viele Diskussionen, Veranstaltungen durch, wo genau diese Themen angesprochen werden, wo es darum  geht, wie wichtig ist zum Beispiel Grün in der Stadt, wie wichtig sind Freiräume, Lebensräume in der Stadt, Spielplätze in der Stadt, was ja alles mit diesem Respekt vor der Schöpfung letztendlich zu tun hat. Und ich glaube, es sind so die ganz kleinen Schritte, die dahin führen. 

Aufgefallen ist er mir, weil er im Zusammenhang mit der Gartenschau mehrfach den Begriff der Nachhaltigkeit ins Spiel gebracht hat und statt von Umweltschutz gern von der Bewahrung der Schöpfung spricht, also Kirchensprache spricht. Und tatsächlich, die Kontaktaufnahme bestätigt es: Hanspeter Faas ist bekennender evangelischer Christ.

Geboren 1954 in Lörrach, studierte er nach der Ausbildung zum Gärtner Gartenbau in Berlin und ist seit mittlerweile 30 Jahren in der Planung und Durchführung von Landes- oder Bundesgartenschauen tätig. Dabei hat er neben den gärtnerischen Inhalten das Thema Nachhaltigkeit immer stärker in den Mittelpunkt gerückt. Als ich ihn frage, wie denn eine Gartenschau zur Bewahrung der Schöpfung beitragen könne, holt er weit aus, und ich merke, da ist einer tatsächlich mit Ernst, Eifer und Kompetenz bei der Sache.

 Wir leben ja in einer etwas besonderen Situation, wir alle verwenden heute den Begriff Nachhaltigkeit, wir wissen, dass sich die Erde erwärmt, wir wissen, dass wir weit über unsere Verhältnisse leben und trotzdem sind wir nicht bereit, unsere Lebensweise zu verändern, das ist etwas was mich persönlich sehr beschäftigt. Und jetzt will ich nicht so weit gehen und sagen, eine Gartenschau kann hier alles verändern, aber ich glaube schon, dass eine Gartenschau aufzeigen kann, dass wir Respekt haben sollen vor der Schöpfung und ich glaube es sind so die ganz kleinen Schritte, die dahin führen.

 Aber wie sieht das konkret aus, will ich wissen.

 Wir führen viele Diskussionen, Veranstaltungen durch, wo genau diese Themen angesprochen werden, wo es darum  geht, wie wichtig ist zum Beispiel Grün in der Stadt, wie wichtig sind Freiräume, Lebensräume in der Stadt, Spielplätze in der Stadt, und ich denke grad in Koblenz spürt man das auch ganz gut, hier wird heute über Stadtentwicklung anders diskutiert als noch vor vier, fünf Jahren, und auch Stadtentwicklung hat ja was mit dem Thema Umwelt, Natur, Ökologie zu tun und ich denke die Menschen heute sind viel aufgeschlossener und erkennen dass vielleicht der Baum, die Freifläche, der Kinderspielplatz doch wichtiger ist als der Parkplatz.

Solche Prozesse anzustoßen, dazu beizutragen, dass sich in den Köpfen und Herzen der Menschen etwas bewegt, Haltungen zu verändern, das ist seine Vision, seine Grundidee davon, was eine Gartenschau bewirken soll. Das versucht er auch bei der Bundesgartenschau in Koblenz umzusetzen. Und das hat auch eine soziale Komponente, erklärt er mir und überrascht mich:

 Also ich denke zunächst einmal ist es wichtig, dass sich Menschen verändern, dass neue Qualitäten in die Stadt kommen, und grad in Koblenz merkt man das auch, dass die Menschen ein ganz neues soziales Miteinander haben, sie sind stolz auf ihre Stadt, sie sind stolz darauf, Koblenzer zu sein, sie erkennen plötzlich ihre Nachbarn auch, gehen mit denen über die Gartenschau, also ich glaub hier passiert sehr viel Gemeinsames. Der wesentliche Wert einer Gartenschau ist, dass sich in den Köpfen der Menschen etwas verändert.

Teil 2. Warum dem Gartenschaumanager die Ökumene wichtig ist

 Hanspeter Faas bemüht sich als Gartenschaumacher, den Umweltgedanken einzubringen. Aber was tut der Bürger und Christ Hanspeter Faas für die Bewahrung der Schöpfung?

 Also wir versuchen schon ganz stark zum Beispiel die Region herauszustellen in unserem Leben, das heißt gerade im Bereich Ernährung versuchen wir Produkte aus der Region zu genießen, und eben nicht hier ein Produkt zu nehmen was vielleicht ne weite Reise hinter sich hat.

Hanspeter Faas ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Die Familie wohnt in Memmingen im Allgäu und bemüht sich um einen schonenden Umgang mit der Natur, etwa wenn sie in den Bergen unterwegs ist.

Wir genießen auch sehr die Ruhe zum Beispiel in den Bergen und versuchen auch sehr ebendort wie soll ich sagen die Zusammenhänge darzustellen, das halt nicht die Milch aus dem Supermarkt kommt, sondern dass da viel Arbeit dahinter steckt, und das sich irgendjemand anstrengen muss, dass es diese Milch gibt, also hier aufzuzeigen, dass vieles, was für uns heute so selbstverständlich ist, dass es eben nicht so ist, und ich glaube es sind dann auch hier die kleinen Dinge die vielleicht etwas verändern.

Da ist er wieder, der Ansatz eines Managers, der mir mit jeder Minute unseres Gesprächs sympathischer wird: Er will Denkanstöße geben, Haltungen verändern, privat wie beruflich. Die nächste Überraschung wartet, als ich ihn auf das ökumenische Projekt „Kirche auf der BUGA 2011 anspreche, ein breit gefächertes Veranstaltungsangebot, mit dem katholische und evangelische Kirche ihren Beitrag zum Gelingen der Gartenschau leisten wollen. Das freut Faas besonders, denn:

Ökumene ist für mich persönlich ein ganz ganz wichtiges Thema, das hängt einfach auch mit meiner persönlichen Situation zusammen, meine Frau ist katholisch, ich bin evangelisch, unsere Kinder sind evangelisch getauft, es gibt aber da überhaupt keine Berührungsängste, unsere Kinder gehen genauso in die katholische Kirche wie sie in die evangelische Kirche gehen, meine Frau geht in die evangelische Kirche mit, ich gehen in die katholische Kirche mit, also insofern ist bei uns gelebte Ökumene, das würde ich gerne so sagen. Für mich als Christ ist das etwas ganz Entscheidendes, dass wir hier offen und ohne irgendwelche Vorbehalte miteinander umgehen.

Ein wirkliches Problem waren die konfessionellen Unterschiede in der Familie Faas eigentlich nie, erzählt er:

Das hat bei uns nie eine Rolle gespielt, wir haben nie die Frage diskutiert und es war nie ein Konflikt, dass meine Frau katholisch ist und ich evangelisch, sondern man lebt es einfach, und wenn unsere Tochter in die katholische Jugendgruppe möchte, dann geht sie, obwohl sie evangelisch ist, und deshalb finde ich es schade, dass es hier manchmal Diskussionen gibt, die eigentlich an der Basis keiner mehr versteht, weil ich glaube da die Basis viel viel weiter ist und viel realistischer und viel einfacher dieses Thema angeht.

Die theologischen Differenzen zwischen katholischer und evangelischer Kirche sind für Hanspeter Faas eher zweitrangig. Wichtiger sind für ihn Grundhaltungen.

Es sind die Werte, die hier ne Rolle spielen und die Werte da kann ich jetzt als Nicht-Theologe keinen Unterschied feststellen, also ich kann die gleichen christlichen Werte bei jemand erkennen der katholisch erzogen ist wie bei jemandem, der evangelisch erzogen ist. 

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