Woche vom 01.08.2010 bis 07.08.2010 
mit der Journalistin Dr. Petra Altmann
Sonntag, 01. August 2010

Impulse für die Gesellschaft
Wenn´s um den Urlaub geht, sind die Geschmäcker verschieden: Balkon und Berge, Seen oder Sehenswürdigkeiten. Und manche bevorzugen ein paar ruhige Tage im Kloster. Eine Adresse nicht nur für besonders Fromme, wie die Journalistin Petra Altmann erfahren hat:
Ich bin bei meinen vielen Klosterbesuchen kein einziges mal gefragt wurde, ob ich überhaupt einer Kirche angehöre. Die Ordensleute pflegen eine sehr offene Gastfreundschaft. Es wird niemand gefragt, wo er herkommt, was er vor hat, ob er einer Religionsgemeinschaft angehört. Die sind offen und deshalb kommen auch viele Menschen ins Kloster, die mit Kirche überhaupt nichts am Hut haben.
Rund ein Dutzend Bücher über alle möglichen Aspekte des Klosterlebens von Spiritualität bis Klosterkräuter hat Petra Altmann inzwischen geschrieben. Natürlich gibt es auch die, die im Wortsinn von Kloster - claustrum - verschlossen sind. Aber viele Gemeinschaften öffnen sich und ihre Häuser auch für Gäste. Kennen gelernt habe ich Petra Altmann - wo wohl? In einem Kloster. Sie traf sich dort mit einer alten Schwester, die seit Jahrzehnten ihren Kräutergarten pflegt und als große Expertin gilt. Mit ihr zusammen hat Petra Altmann ein Buch über „Die Kraft der Klosterkräuter" veröffentlicht. Ursprünglich war sie aber über ein ganz anderes Thema gestolpert:
Ich bin zum Kloster aus reiner Neugierde gekommen am Anfang. Ich habe in einer Zeitung einen Artikel gelesen über Managementtraining im Kloster. Das fand ich hoch interessant, weil für mich zur damaligen Zeit Management und Kloster nicht zusammen passten. Also ich dachte mir, die Ordensleute, die leben abgeschottet von unserer Welt, da ist der Begriff Management überhaupt noch nicht angekommen. Die Idee, mal ins Kloster rein zu schnuppern, die war geboren und ich habe dann ein bisschen recherchiert und mir ein Kloster ausgesucht, wo ich einfach mal ein paar Tage ausprobieren wollte, wie das so ist, wie man dort lebt und was ich da so machen könnte.
Und offenkundig fand Petra Altmann das Klosterleben so spannend, dass sie inzwischen gut ein Dutzend Bücher rund ums Mönche, Nonnen und Klöster geschrieben hat. Die Themen reichen von spirituellen Erfahrungen bis zur Ernährung im Kloster. Wer im Geschichtsunterricht ein bisschen aufgepasst hat, weiß ja, welche entscheidende Rolle die Klöster für die Kultur und Entwicklung Europas gespielt haben. Aber, das entdeckte Petra Altmann bei ihren Recherchen, die Klöster haben auch heute noch etwas zu bieten:
Ich fand, dass dort viele Traditionen herrschen bzw. inzwischen dort teilweise verborgen sind, die ich für unheimlich wertvoll erachte auch für unser heutiges Leben außerhalb der Klöster. Also zum Beispiel ein Leben nach Maß, um die Balance zu finden zwischen Ruhe und Arbeit beispielsweise, die Balance der richtigen Ernährung, die Balance zwischen reden und schweigen. Zum anderen gibt es ja die Tradition der Klosterheilkunde, die basiert auf Kräutern. Dann gibt es ja die Ernährung selbst, die ja auch basiert auf einer sehr ausgewogenen Kost, auf regionalen Produkten der Saison. Und eben nicht aus Kost, die man einfliegt aus Chile oder irgendwo aus der weiten Ferne, sondern dass man das isst, was man selber im Garten anpflanzen könnte.
Das wird alle freuen, die sich für Ökologie und Umweltschutz einsetzen. Wenn die Ordensleute in diesem Zusammenhang von der „Bewahrung der Schöpfung" sprechen, mag das etwas mit ihren besonderen religiösen Motivation zu tun haben, aber sie geben uns, wie Petra Altmann meint, nicht nur auf diesem Feld wichtige Impulse:
Ich finde, dass Klöster einen ganz wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leisten. Sie sind nämlich Orte der Stille. Und unsere Gesellschaft wird immer hektischer. Wir sind im Hamsterrad und drehen immer schneller und wissen nicht wie wir da raus kommen. Und wo finden wir in unserer Welt wirklich noch Orte der Stille, Plätze, an die ich mich zurückziehen kann, wo ich auch für mich selbst sein kann und wo ich mal alles von mir ablassen kann, was an Anforderungen auf mich zukommt in der Gesellschaft?
Aktive und kontemplative Orden
Petra Altmann hat Kunstgeschichte und Soziologie studiert, war viele Jahre im Verlagswesen tätig. Heute arbeitet sie als freie Journalistin und Autorin. Eher zufällig stieß sie auf das Thema Klöster, dem sie sich jetzt seit rund zehn Jahren widmet. Unter ihren Büchern sind auch mehrere, die sie zusammen mit Ordensleuten veröffentlicht hat.
Ganz grob kann man die Orden in zwei große Gruppen einteilen: die kontemplativen und die aktiven. Die Mitglieder der kontemplativen Orden verlassen das Kloster kaum und widmen sich überwiegend dem Gebet und der Meditation. Die Mitglieder der aktiven Orden trifft man in der sozial- caritativen Arbeit, im Bildungswesen und in der Seelsorge. Für ihren Lebensunterhalt müssen die einen wie die anderen selbst sorgen. Petra Altmann hat beide Formen kennen gelernt:
Die aktiven Orden gehen sehr stark auf die Menschen zu, sie gehen ja nach außen; sie kennen unsere Welt und da habe ich auch schon sehr gute Ratgeber gefunden, weil die ja einerseits die gleichen Probleme haben wie unsereiner. Sie sind Wirtschaftunternehmen, die überleben müssen, andererseits haben sie eine andere Lebensform und aus dieser Distanz heraus sind sie sehr gute Ratgeber. Aber wenn ich für mich persönlich einfach ein paar Tage abschalten will, dann ziehe ich die kontemplativen Orden vor, weil ich da absolute Ruhe habe.
Klöster sind nach der Erfahrung von Petra Altmann aber nicht nur zeitweilige Rückzugsräume für gestresste Zeitgenossen, sondern sie vermitteln auch Anstöße, die das ganze Jahr über im Alltag hilfreich sind.
Ich denke, wir können sehr viele Impulse übernehmen aus dem Kloster. Was für mich ganz wesentlich ist, sind eben diese Ruhepunkte, die im klösterlichen Tageslauf verankert sind durch dieses ora et labora, also diesen Wechsel zwischen Arbeit und Gebet. Das heißt, man ist verpflichtet, einfach mal einzuhalten, und ich finde, so eine Verpflichtung sollten wir uns selbst gegenüber in unserer Welt auch haben.
Kein Gelübde, Selbstverpflichtung. Es ist nicht so, dass Petra Altmann, in der Nähe von Koblenz geboren und heute nahe München lebend, zur Nonne geworden wäre. Aber der stete Kontakt zu den Ordensleuten ist nicht ohne Einfluss auf ihren Alltag geblieben:
Es haben sich schon einige Dinge anders reguliert. Ich bin ja selbständig als Journalistin und Autorin und wie ich mir meinen Tag gestalte, das muss ich mir selbst einteilen und da muss ich mich auch selbst verpflichten. Und da habe ich doch sehr viel aus den Klöstern gelernt, dass ich mir eine Tagesstruktur zurecht gebaut habe, kann man sagen, die für mich passt, aber auch bisschen so in dem Sinne ist, dass ich mir nicht zu viel auflaste, sondern dass ich irgendwann auch mal sage: Stopp, jetzt muss ich mir mal Einhalt gebieten und einfach mal wieder nachdenken, meine Batterien aufladen, damit ich wieder an neue Aufgaben gehen kann.
Und ehe Petra Altmann neue Aufgaben angeht, versucht sie zu erspüren, welche das sein könnten. Und dabei ist ihr ein kleines Wort aus der Ordensregel des hl. Benedikt wichtig geworden:
Das Wort „höre", mit dem die Regel beginnt. Höre, ja, das ist für mich ein wesentlicher Impuls. Höre bedeutet für mich aufhorchen, gib acht, pass auf. Höre auf den andern, höre auf die selbst. Sei aufmerksam, sei achtsam im Umgang mit dir selbst, damit du auch achtsam im Umgang mit anderen Menschen sein kannst.
Hinweis:
Mehr über die Autorin und ihre Bücher finden Sie auf der homepage von Petra Altmann:



