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Woche vom 01.02.2009 bis 07.02.2009




Pfarrer Wolf-Dieter Steinmann trifft Frank Aranowski; Chor- und Orchesterleiter aus Heidelberg

Sonntag, 01. Februar 2009     [Druckversion]



Dirigieren: Ein Traum(beruf)?

Frank Aranowski liebt Musik. Sein Traumberuf war Dirigent eines Sinfonieorchesters. Aber dann kam es anders. So ein unerfüllter Traum lässt manchen resignieren. Frank Aranowski nicht, er hat es geschafft, seinen Traum zu verwandeln. Heute leitet er mehrere ambitionierte Laienchöre in Baden und unterrichtet. Gibt dort seine Liebe zur Musik ungebrochen weiter.

Ich arbeite eigentlich lieber mit Laien zusammen, die vielleicht nicht alles können, aber alles wollen. Das ist mir lieber als mit Profis zu arbeiten, die zwar alles Mögliche können, aber keine Lust hatten.

Und sogar seinen Traum hat er sich erfüllt, anders als ursprünglich gedacht, auf Umwegen.
Den Berliner hört man ihm sofort an, auch wenn er schon lange in Heidelberg lebt. Ein wenig sieht er aus, wie man sich einen Künstler vielleicht vorstellt: Lange Haare, Zopf. Vor allem eins aber spürt man bei Frank Aranowski: Begeisterung für die Musik. Sie sprudelt nur so aus ihm heraus. Dabei könnte ich verstehen, wenn er von der Musik enttäuscht wäre. Wollte er doch schon als Schüler Dirigent werden.

Ich bin in der glücklichen Situation gewesen, an eine Lehrerin zu geraten, die hat mich dann auch sehr früh dirigieren lassen, nachdem ich im Orchester immer rumgemotzt hatte über die anderen Schüler, die nicht so spielten wie ich mir das vorstellte. Und dann reichte sie mir irgendwann den Dirigentenstab und sagte: ‚So wenn Du es besser weißt, dann machs selber besser.’ Und dann hab ich studiert in Salzburg bei Michael Gielen. Nach dem Studium, ich wollte halt sinfonische Konzerte machen und das hat aber erst mal überhaupt nicht geklappt.

Wie geht man mit so einer Enttäuschung um? Sich hochzukämpfen in einem Musiktheater war nicht sein Weg. Vor 10 Jahren hat er darum angefangen, sich seine berufliche Existenz aufzubauen als Chorleiter. Mit Laienchören, die motiviert sind, auch Neues und Anspruchsvolles zu erarbeiten und zu singen.

Für mich ist Musik vor allem Kommunikation. Meine Aufgabe ist es, den Menschen den Raum zu geben, dass sie das, was sie hineinlegen wollen, dass sie das 100 Prozent einbringen können und dass aber trotzdem ein Gesamtwerk daraus wird.

Den Traum vom Sinfonie dirigieren hat Frank Aranowski aber nicht aufgegeben. Er hat ihn verwandelt. Eine gute Art mit Träumen umzugehen. Verwandeln statt aufgeben. Wenn schon kein Orchester auf Dauer, dann eben Orchesterprojekte. Auch dabei gab es Enttäuschungen. Viele Musiker wollten weniger mit der Musik als er. Bis er sich gesagt hat:

Es muss doch noch Leute geben, die Profis sind und die trotzdem noch nicht diese ursprüngliche Lust am Musizieren verloren haben und die auch bereit sind, in einem Berufsorchester zu spielen, wo es jetzt nicht nur ums Geld geht oder nur um Karriere geht.

Musik ist für Frank Aranowski nämlich mehr:

Es ist ja ein Ausdrucksmittel. Das ist ja eigentlich ein Medium, ein Ausdrucksmittel, eine Sprache, mit der ich etwas mitteilen will. Was sagen wir eigentlich aus? Wem dienen wir eigentlich? Dann habe ich irgendwie gedacht: ‚Mensch, das wäre doch eine tolle Sache, mit Leuten zusammen zu arbeiten, wo zumindest diese Grundlage klar ist, dass wir wissen, dass es noch eben ein höheres Ziel gibt, dass nicht die Musik Selbstzweck ist oder Kultur oder Geld, sondern wir loben Gott mit unserem tun.’

Christen sollten am ehesten diesen Idealismus haben, hat er sich gedacht. Und hat vor 3 Jahren ein Sinfonieorchesterprojekt mit Namen Oekumenische Philharmonie ins Leben gerufen. Sein Traum ist wahr geworden. Jetzt mit vierzig. 300 Berufsmusiker aus ganz Deutschland muss er anfragen, damit 50 Musiker für ein Projekt Zeit haben. Und er spürt einen christlichen Geist, auch bei den Proben.

Vielleicht ist auch der ein oder andere nur da und genießt bei uns die Atmosphäre, die wirklich sehr von Nächstenliebe geprägt ist, von einem nicht so harten Konkurrenzkampf. Obwohl natürlich, die Proben sind anstrengend, sind hart, aber man geht menschlich gut miteinander um.

Frank Aranowski ist auch angefeindet worden, er schließe Andersgläubige aus der „Ökumenischen Philharmonie aus.“

Ich will da niemanden ausschließen, aber ich versuche einmal wieder ein bisschen Klarheit hineinzubringen und einfach zu zeigen. Wofür stehen wir eigentlich? Toleranz kann es ja nur geben, wenn ich auch einen eigenen Standpunkt habe, sonst ist es ja Beliebigkeit.

Wenn Frank Aranowski von seinem kleinen Sohn erzählt, spürt man den Vaterstolz aus jedem Wort.

Der ist schon sehr aktiv, der will immer tanzen. Wenn ich nach Hause komme, schreit er lala, reißt die Arme hoch und dann muss ich zu Dvoraks Slawischen Tänzen durch das Wohnzimmer wirbeln. Und seit neuestem antwortet er auf die Frage nach seinem Lieblingsinstrument ‚Oboe’ (lacht) und die erkannt er sogar.

19 Monate ist der Kleine alt. Musik ist jetzt schon wichtig, wie für jeden Menschen, findet Frank Aranowski. Was heißt „wichtig“.

Ich sag es mal ganz krass: Die Musik macht den Menschen erst zum Menschen. Musik ist einfach ein ureigenstes menschliches Ausdrucksmittel, eben jenseits der Sprache, jenseits von dieser Dinglichkeit, von dieser harten ‚Ja-nein’, „schwarz-weiß’. Sondern wo man von Herz zu Herz, von Seele zu Seele sprechen kann.

Musik- eine Menschheitssprache. Und es gäbe für ihn wohl nicht viel Schlimmeres als einem Kind Musik vorzuenthalten.

Das wäre ein Fall für amnesty international, würde ich sagen. Nur so als Beispiel, man lernt wirkliche Kommunikation, wirkliches soziales Zusammenleben nirgendwo besser als beim Musizieren.

Beim Sport in einer Mannschaft lernt man das zwar auch, aber da geht es immer auch um Konkurrenz: Gegen andere, um den Sieg, in der Musik ist das für Frank Aranowski einfach anders.

Es geht am Ende immer ums Miteinander. Es geht nie ums Gegeneinander. Sondern das Schönste Erlebnis für alle Beteiligten ist dann, wenn man wirklich das Gefühl hat, alle habe wirklich ihr bestes gegeben und das Ganze potenziert sich dann auch noch. Also jeder wächst ja dann auch in so einer Aufführung über sich selbst hinaus, weil er schafft etwas, was er allein so nie geschafft hätte, aber die Gemeinschaft schafft das ja ohne den Einzelnen auch nicht. Und das ist so ein Erlebnis, wer das einmal gemacht hat, der will das immer wieder haben.

Genau so wichtig wie fürs Menschwerden ist die Musik auch fürs Christsein. Kein Gottesdienst ohne Musik. Schon für Martin Luther kam die „Frau Musica“ gleich nach der Theologie. Bei der Musik ist der ganze Mensch dabei, mit Körper, Seele und Geist. Vor allem dann, wenn man sie selber macht und nicht nur konsumiert. Recht hat er, auch wenn in unseren Breiten noch viel Luft nach oben ist, grad auch in der Kirche. Frank Aranowski macht Eltern darum Mut, Kindern Musik zu gönnen.

Kinder lernen ja einfach durch Vorbilder. Man sollte im Grunde selber Freude an der Musik haben. Man soll den Kindern vorsingen, selbst wenn man keine Opernstimme hat und wenn man sonst vielleicht mal grade in der Badewanne sich traut zu singen.

„Yes, we can.“ Ja, wir können die Sprache der Musik in uns und mit anderen entwickeln. Davon ist er beseelt. Egal, ob es um seinen Kleinen geht, oder ob er – wie demnächst - mit seinen Chören und der Ökumenischen Philharmonie Musik von Mendelssohn aufführt.

Wir wollen im Grund Gott loben, wir wollen im Grunde zeigen, dass wir nicht nur um uns selbst drehen, sondern dass wir halt einen liebenden Vater im Himmel haben, der vor allem durch Menschen diese Liebe offenbart. Und das möchte ich durch die Musik zeigen. Ein Musiker muss Menschen lieben.


weitere Informationen zum "Traumprojekt" Oekumenische Philharmonie