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Woche vom 01.06.2008 bis 07.06.2008




Bruno Sonnen trifft Hans Rams, Kirchenkünstler

Sonntag, 01. Juni 2008     [Druckversion]

Kirche und Kunst, das ist kein spannungsfreies Verhältnis, wie erst neulich die Debatte um das neue Kirchenfenster im Kölner Dom gezeigt hat. Ein Künstler, der sich vorwiegend der Gestaltung sakraler Räume verschrieben hat, ist Hans Rams. Gerade hat er den neuen Altar der altehrwürdigen Benediktinerabtei St. Matthias in Trier geschaffen.

Das war sicherlich ein Highlight. Es gab einen großen Wettbewerb, ich war damals eigentlich schon sehr glücklich, dass ich zu diesem Wettbewerb eingeladen wurde und hatte nie damit gerechnet, dass ich da zum Zuge kommen könnte, aber wie das manchmal so geht ...

Hans Rams erwartet mich an der offenen Tür seiner Werkstatt, als ich an einem sonnigen Samstagmorgen im nahe Neuwied gelegenen Ort Niederbreitbach ankomme. Offener Blick, freundliches Lächeln, sympathisches Gesicht, Jeans und Freizeithemd, die leicht angegrauten Haare eher unmodisch lang als kurz: Der 56 Jahre alte Künstler sieht auf den ersten Blick nicht unbedingt aus wie einer, dessen Arbeitsschwerpunkt die sakrale Kunst ist: Vor allem Ambos und Altäre, Chorräume und Kirchenfenster hat der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder in den letzten Jahrzehnten gestaltet. Dass das so kommen würde, war aber frühzeitig klar:

Mein Vater war Kirchenkünstler, hat nach dem Krieg sehr viele Kirchenfenster gestaltet, aber auch später dann nach dem Konzil Chorräume umgestaltet, Altäre neu geschaffen, und bin dann sehr früh damit konfrontiert worden. Außerdem war wohl irgendwie ne Begabung da. Das war also immer so mein mehr oder weniger bestes Schulfach.

Seine spätere Tätigkeit wurde ihm quasi in die Wiege gelegt:

Es gibt so ein Foto, wo mein Vater mir als fast Baby noch einen Pinsel gibt, weil ich da irgendwie unruhig war oder geschrieen hab und dann war’s gut.

In der Werkstatt von Hans Rams fallen vor allem die Modelle aktueller Projekte ins Auge. Eines davon ist die Neugestaltung einer Kapelle im Mainzer Priesterseminar

Eine ganz spannende Angelegenheit, weil da auch mit dem Thema »Orientierte Versammlung« gearbeitet wird, wo Altar und Ambo sich gegenüber stehen und die Gemeinde hufeisenförmig um die beiden Objekte versammelt ist. Altar und Ambo sind gewissermaßen aus einem Stück gearbeitet, man kann das in diesem Haus gut machen, weil es andere Möglichkeiten, ne andere Kirche und auch noch nen anderen Kapellenraum gibt, so dass also die Studierenden da in verschiedener Weise Gottesdienst feiern können.

Eine besondere Herausforderung war für den Künstler auch der vor kurzem geweihte neue Altar der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier:

Weil die Aufgabe im Grunde sehr schwierig war mit den vielen verschiedenen Gottesdienstgemeinschaften, die da ihren Platz haben mussten. Es gibt einmal die Klostergemeinschaft und dann gibt es die Pilgergemeinschaft und es gibt die normale Gemeinde. Es gab verschiedene Gremien, die alle ihre Ansprüche geltend gemacht haben, zu Recht, aber alles unter einen Hut zu bringen war eine nicht einfache Aufgabe.

Kirche und Kunst, das ist ein spannungsvolles Verhältnis. Kirchenkunst, sagt Rams, ist selten reine Selbstverwirklichung des Künstlers, sondern oft die Kunst des Kompromisses:

Also das, was wir jetzt zum Beispiel in Mainz probieren in dieser kleinen Kapelle, ist sicherlich nicht übertragbar auf alle Pfarrkirchen. Das würde zu großen Konflikten führen, denke ich, aber da lebt Kirche ja eigentlich auch davon, dass es diese Spannungsfelder gibt und dass es da ein Ringen gibt um eine gute Lösung und eine gute Lösung muss nicht überall gleich aussehen.

Stein und Bronze, Keramik, Holz und Glas: Hans Rams arbeitet mit den unterschiedlichsten Materialien, denn er denkt die Gestaltung eines Raums vom Raum her, wie er sagt. Das gilt für seine Arbeiten in Krankenhäusern oder Schulen und ganz besonders auch für Kirchen, Klöster und Kapellen.

Bestimmte Räume verlangen auch bestimmte Materialien und da kann man eigentlich nicht sagen, es gibt da eine besondere Vorliebe. Die Vorliebe ist immer für das Material, was ich für angebracht halte.

Was das konkret bedeutet, macht der Künstler an einem Beispiel deutlich:

Also wir haben beispielsweise in der Klosterkirche in Hausen hier damals uns für einen Bronzealtar entschieden, weil der Bronzealtar anders als der Steinaltar einen Hohlraum bildet. Da die Kirche im ersten Stock liegt, wäre es im Grunde genommen so ein bisschen eine Unehrlichkeit, wenn man so tut, als ob so der Stein mit dem Boden verwachsen ist. Man weiß genau, da drunter ist noch was. Da hatten wir so den Eindruck, dass es der Raum einfach verlangt, ein Material zu wählen, was überwölbt, was nicht wächst aus dem Boden heraus, sondern was den Boden noch mal überwölbt.

Hans Rams ist in einer gläubigen Familie groß geworden, schon sein Vater war Kirchenkünstler, mit zehn kam Sohn Hans ins Bischöfliche Internat.

Das alles hat natürlich Spuren hinterlassen und selbst wenn so im Rückblick diese sehr streng katholische Erziehung mir nicht mehr an allen Stellen gut gefällt, aber so das Grundsätzliche ist trotzdem sehr prägend gewesen.

Arbeit und Leben, Alltag und Glauben sind für Hans Rams eine Einheit, die Arbeit hat seinen Glauben mit geprägt.

Ich glaube, es gibt so eine Parallele auch zu meinen Arbeiten, die eigentlich immer klarer, immer einfacher, kompakter in der Form werden. Und ich denke, das ist auch Ausdruck meiner eigenen Überzeugung. Vom Grundsätzlichen her bin ich da ein ziemlich überzeugter Christ, wenn mich auch manchmal diese vielen Regeln und Regelchen und noch mal Regelchen dann auch mal nerven.

Kirche sollte, so meint der Künstler, sich vor allem auf das Wesentliche konzentrieren, will heißen, die Gottesfrage wach halten:

Die Gottesfrage ist eine ganz wichtige. Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin? Das ist ja vielleicht auch sowieso ein Grundanliegen eines Künstlers: Nach Wahrheiten zu suchen, Ausdrucksmöglichkeiten dieser Wahrheiten dann im künstlerischen Bereich.

Sein eigenes Gottesbild hat sich im Laufe seines Arbeits- und Künstlerlebens durchaus verändert, nicht zuletzt durch die Begegnung mit zahlreichen Priestern, aber auch anderen engagierten Christen:

Ja, also als Kind hat man ja sicherlich so gelernt, dass da jemand ist, der alles aufschreibt und Striche macht und gut und böse unterscheidet, irgendwann richtet. Mittlerweile denke ich eher, dass wir da irgendwo alle gut aufgehoben sind mit unseren Fehlern, dass wir angenommen sind und dass wir so sein dürfen wie wir sind, was nicht heißt, dass jeder machen kann was er will.