SWR4 Abendgedanken B-W
Woche vom 20.12.2009 bis 26.12.2009 
Von Dr. Madeleine Spendier, Katholische Kirche
Gastgeber sein
Mittwoch, 23. Dezember 2009
Mich freut es, wenn ich Gastgeberin sein kann. Und das nicht nur an Weihnachten. Ich glaube auch, dass Gott so etwas gerne sieht.
Morgen ist Heiligabend. Für manche ist das kein Anlass zu großer Freude, weil sie alleine feiern müssen. An den Weihnachtsfeiertagen empfinden viele Menschen noch stärker als sonst ihre Einsamkeit.
Seit Jahren hängt vor den Weihnachtsfeiertagen eine Familie aus Reutlingen einen Zettel in einem Wohnheim in Tübingen aus. Darauf steht, dass Studentinnen aus dem Ausland, die nicht nach Hause fahren können, eingeladen sind, Heiligabend mit dieser Familie zu feiern.
Diese Einladung soll sehr gerne angenommen werden. Ich finde das gut.
Und ich überlege, wie ich Gastgeberin sein könnte.
Wo gibt es in meiner Nähe einen Menschen, der alleine lebt, der jemanden brauchen könnte? Kenne ich jemanden, der im vergangenen Jahr einen lieben Menschen verloren hat und der sich über meinen Anruf freuen würde?
Ich kann mir auch vorstellen, dass ich mich an Heiligabend ehrenamtlich in einer Tagesstätte engagiere. Oder dass ich einen Friedhofsbesuch mache, dort eine Kerze anzünde, vielleicht ein Weihnachtslied singe, für einen Menschen, den ich vermisse.
Mich freut es, wenn ich jemandem eine Freude machen kann, der überhaupt nicht damit rechnet. Ich glaube auch, dass Gott so etwas gerne sieht.
Morgen ist Heiligabend. Für manche ist das kein Anlass zu großer Freude, weil sie alleine feiern müssen. An den Weihnachtsfeiertagen empfinden viele Menschen noch stärker als sonst ihre Einsamkeit.
Seit Jahren hängt vor den Weihnachtsfeiertagen eine Familie aus Reutlingen einen Zettel in einem Wohnheim in Tübingen aus. Darauf steht, dass Studentinnen aus dem Ausland, die nicht nach Hause fahren können, eingeladen sind, Heiligabend mit dieser Familie zu feiern.
Diese Einladung soll sehr gerne angenommen werden. Ich finde das gut.
Und ich überlege, wie ich Gastgeberin sein könnte.
Wo gibt es in meiner Nähe einen Menschen, der alleine lebt, der jemanden brauchen könnte? Kenne ich jemanden, der im vergangenen Jahr einen lieben Menschen verloren hat und der sich über meinen Anruf freuen würde?
Ich kann mir auch vorstellen, dass ich mich an Heiligabend ehrenamtlich in einer Tagesstätte engagiere. Oder dass ich einen Friedhofsbesuch mache, dort eine Kerze anzünde, vielleicht ein Weihnachtslied singe, für einen Menschen, den ich vermisse.
Mich freut es, wenn ich jemandem eine Freude machen kann, der überhaupt nicht damit rechnet. Ich glaube auch, dass Gott so etwas gerne sieht.
Meine Zeit steht in deinen Händen
Dienstag, 22. Dezember 2009
Nicht ich muss Weihnachten machen, sondern Weihnachten wird – wenn ich es zulasse, wenn ich still werde, und mich ganz darauf einlasse.
Wenn ich in diesen Tagen durch die Stadt hetze, dann vergesse ich meistens, dass der Advent die stillste Zeit im Jahr sein könnte. Aber wo, bitte schön? Am Weihnachtsmarkt ja gerade nicht.
Und dann wundere ich mich, wenn ich zwei Tage vor Weihnachten noch immer sagen muss: „Ich bin noch nicht soweit.“ Oder ich ärgere mich, wenn ich mir nach Weihnachten sagen muss: „Es ging viel zu schnell.“
Irgendwie nehme ich mir da etwas weg, glaube ich. Und mir wird wieder klar, dass der Advent dazu da ist, dass ich mich einstimme auf Weihnachten, dass ich mich vorbereite auf die Geburt Jesu. „Ich bin für euch da“, das ist die Botschaft, die Gott uns schenkt.
Das heißt für mich auch, dass ich mir die Zeit nehme, das zu verstehen. Nicht ich muss Weihnachten machen, sondern Weihnachten wird – wenn ich es zulasse, wenn ich still werde, und mich ganz darauf einlasse.
Mir hilft dabei dieses Psalmwort:
„Meine Zeit steht in deinen Händen - nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden, gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.“ (Psalm 31, 16)
Meine Zeit steht in deinen Händen. Aus diesen Worten spricht für mich ein großes Vertrauen, dass Gott mir Zeit schenken will und Geborgenheit dazu. Gott will bei mir ankommen, ankommen in meinem Herzen. Darauf möchte ich mich an Weihnachten einlassen. Noch habe ich Zeit dazu.
Wenn ich in diesen Tagen durch die Stadt hetze, dann vergesse ich meistens, dass der Advent die stillste Zeit im Jahr sein könnte. Aber wo, bitte schön? Am Weihnachtsmarkt ja gerade nicht.
Und dann wundere ich mich, wenn ich zwei Tage vor Weihnachten noch immer sagen muss: „Ich bin noch nicht soweit.“ Oder ich ärgere mich, wenn ich mir nach Weihnachten sagen muss: „Es ging viel zu schnell.“
Irgendwie nehme ich mir da etwas weg, glaube ich. Und mir wird wieder klar, dass der Advent dazu da ist, dass ich mich einstimme auf Weihnachten, dass ich mich vorbereite auf die Geburt Jesu. „Ich bin für euch da“, das ist die Botschaft, die Gott uns schenkt.
Das heißt für mich auch, dass ich mir die Zeit nehme, das zu verstehen. Nicht ich muss Weihnachten machen, sondern Weihnachten wird – wenn ich es zulasse, wenn ich still werde, und mich ganz darauf einlasse.
Mir hilft dabei dieses Psalmwort:
„Meine Zeit steht in deinen Händen - nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden, gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir.“ (Psalm 31, 16)
Meine Zeit steht in deinen Händen. Aus diesen Worten spricht für mich ein großes Vertrauen, dass Gott mir Zeit schenken will und Geborgenheit dazu. Gott will bei mir ankommen, ankommen in meinem Herzen. Darauf möchte ich mich an Weihnachten einlassen. Noch habe ich Zeit dazu.
Sehen lernen
Montag, 21. Dezember 2009
Wenn ich mich einem Menschen zuwende, ihm Aufmerksamkeit schenke, dann mache ich ihm vielleicht auch Mut, selbst in eine andere Richtung zu sehen, sich aufzuraffen, ein neues Leben anzufangen.
Den Mann vor dem Einkaufszentrum habe ich nur ungern angesehen. Es war mir peinlich, dass er so da saß und meine Augen suchte und bettelte. Er braucht Geld, um zu überleben. Das war mir schon klar. Aber muss das sein?
Meistens habe ich nach Ausreden gesucht: Bestimmt gibt er das Geld, das ich ihm geben würde, für Alkohol aus. Vielleicht wäre es besser, wenn er sich eine Arbeitsstelle suchen würde. Er soll aufstehen, weitergehen. Weggehen.
Schwester Irmentraud aus Ulm sieht das anders. Sie ist Franziskanerin und kocht täglich für Menschen, die obdachlos oder arm sind. Sie sagt: „Es gibt so viele Menschen in der Stadt, die auf unsere Hilfe warten.“
Mit Kindern, die sich auf ihre Erstkommunion vorbereiten, übt Schwester Irmentraud daher gerne „den guten Blick“. Sie fragt die Kinder: „Seht ihr den Obdachlosen in der Stadt, seht ihr seine Armut? Was denkt ihr euch dabei, wenn ihr ihn so dasitzen seht? Lächelt ihr ihn an oder schaut ihr bewusst weg? Grüßt ihr ihn?“
Wenn ich mich einem Menschen zuwende, ihm Aufmerksamkeit schenke, dann mache ich ihm vielleicht auch Mut, selbst in eine andere Richtung zu sehen, sich aufzuraffen ein neues Leben anzufangen. Schwester Irmentraud hat das schon mehrmals erlebt, das hat sie mir erzählt. „Es ist immer wieder schön, wenn es jemandem gelingt, aus der Armutsspirale auszubrechen“, sagt sie.
Nach Auskunft der Bibel ist Gott es, der denen Beachtung schenkt, die immer wieder übersehen werden. Gott hat die unscheinbare junge Frau Maria angesehen, heißt es dort (Lukas 1, 46ff). Er hat Maria, die aus ärmlichen Verhältnissen kommt, nicht übersehen und er hat nicht auf sie herabgesehen. Er hat sie angesehen, hat ihr Ansehen geschenkt. Sie soll Jesus zur Welt bringen.
Seit mir das aufgegangen ist, versuche ich nicht mehr vorbeizugehen, wenn ich den Mann vor dem Einkaufszentrum sehe. Ein paar Sekunden für ein Lächeln, ein freundliches Zunicken oder einen Gruß und ein paar Cent aus meiner Tasche, die schenke ich ihm. Einfach so.
Den Mann vor dem Einkaufszentrum habe ich nur ungern angesehen. Es war mir peinlich, dass er so da saß und meine Augen suchte und bettelte. Er braucht Geld, um zu überleben. Das war mir schon klar. Aber muss das sein?
Meistens habe ich nach Ausreden gesucht: Bestimmt gibt er das Geld, das ich ihm geben würde, für Alkohol aus. Vielleicht wäre es besser, wenn er sich eine Arbeitsstelle suchen würde. Er soll aufstehen, weitergehen. Weggehen.
Schwester Irmentraud aus Ulm sieht das anders. Sie ist Franziskanerin und kocht täglich für Menschen, die obdachlos oder arm sind. Sie sagt: „Es gibt so viele Menschen in der Stadt, die auf unsere Hilfe warten.“
Mit Kindern, die sich auf ihre Erstkommunion vorbereiten, übt Schwester Irmentraud daher gerne „den guten Blick“. Sie fragt die Kinder: „Seht ihr den Obdachlosen in der Stadt, seht ihr seine Armut? Was denkt ihr euch dabei, wenn ihr ihn so dasitzen seht? Lächelt ihr ihn an oder schaut ihr bewusst weg? Grüßt ihr ihn?“
Wenn ich mich einem Menschen zuwende, ihm Aufmerksamkeit schenke, dann mache ich ihm vielleicht auch Mut, selbst in eine andere Richtung zu sehen, sich aufzuraffen ein neues Leben anzufangen. Schwester Irmentraud hat das schon mehrmals erlebt, das hat sie mir erzählt. „Es ist immer wieder schön, wenn es jemandem gelingt, aus der Armutsspirale auszubrechen“, sagt sie.
Nach Auskunft der Bibel ist Gott es, der denen Beachtung schenkt, die immer wieder übersehen werden. Gott hat die unscheinbare junge Frau Maria angesehen, heißt es dort (Lukas 1, 46ff). Er hat Maria, die aus ärmlichen Verhältnissen kommt, nicht übersehen und er hat nicht auf sie herabgesehen. Er hat sie angesehen, hat ihr Ansehen geschenkt. Sie soll Jesus zur Welt bringen.
Seit mir das aufgegangen ist, versuche ich nicht mehr vorbeizugehen, wenn ich den Mann vor dem Einkaufszentrum sehe. Ein paar Sekunden für ein Lächeln, ein freundliches Zunicken oder einen Gruß und ein paar Cent aus meiner Tasche, die schenke ich ihm. Einfach so.

