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David Roth

Von David Roth, Metzingen, Freikirche

Gefühle zeigen

Donnerstag, 09. September 2010     [Druckversion]

Immer wieder wird behauptet: „Männer können ihre Gefühle nicht zeigen." So habe ich das schon in verschiedenen Büchern und Zeitschriften gelesen. Und wenn es ganz dick kommt, dann wird das auch noch damit begründet, dass wir Männer das seit der Steinzeit schon so trainiert hätten.
Wenn ich das so lese, dann denke ich: Männer haben anscheinend keine Chance. Denn der Mann, seit Urzeiten geprägt, kann ja nicht aus seiner haarigen Haut heraus. Und anders herum: Wenn er eben doch Gefühle zeigt, dann ist er wohl kein Mann.
Bin ich froh, dass Gott mich nicht so festlegt! Denn von Haus aus und von meiner Erziehung her war ich auch einmal so geprägt. Ein Junge jammert nicht, zeigt nicht seine Gefühle, stellt sich nicht so an.
Das ist ein eingeschränktes Leben und das ist schade. Deshalb bin ich froh an der Bibel. Die Bibel ist voll von Männern, die ihre Gefühle gezeigt haben. Wut zum Beispiel; Wut ist ein guter Anfang. Die können Viele recht spontan zeigen, auch wenn sie sonst nicht so gefühlsbetont sind! In der Bibel ist Mose so zornig über die Israeliten gewesen, dass er die Tafeln mit den zehn Geboten zertrümmert hat. Aber auch von Jesus wird an verschiedenen Stellen berichtet, dass er wütend war und es auch gezeigt hat.
Und bei Jesus finde ich auch die ganze Palette von Gefühlen wieder, die wir Männer angeblich nicht zeigen können: Er zeigt Kindern und Erwachsenen, dass er sie nett findet, er weint vor seinen Freunden, er schimpft und er lobt, er singt.
Für mich ist Jesus ein leuchtendes Vorbild geworden; ein Mann, der seine Gefühle nicht in sich hineinfrisst, sondern zeigt. Ich bin der festen Überzeugung, dass Gott uns durch Jesus zeigen wollte, wie wir richtig leben können. Und wenn das stimmt, dann gehört zum richtigen Leben auch dazu, dass wir Gefühle zeigen.
Wut ist ein guter Anfang. So war es jedenfalls bei mir. Schmerz zu zeigen habe ich dann auch gelernt. Und Zuneigung und Zärtlichkeit zu zeigen, das habe ich am leichtesten bei den Kleinen und Schwachen geübt.
Am schwersten fällt es mir, Traurigkeit und das Bedürfnis nach Nähe zuzugeben. Auch das ist Jesus ein Vorbild: An einem Abend, so berichtet die Bibel, hat Jesus zum letzten Mal vor seinem Tod mit seinen Jüngern gegessen. Und er hat zu ihnen gesagt: „Ich habe mir das sehr gewünscht, noch einmal so mit euch zusammen zu sein."
Doch, wir Männer können Gefühle zeigen. Das steht schon in der Bibel. Alles andere sind Vorurteile.

Das Leben ist so

Mittwoch, 08. September 2010     [Druckversion]

Stimmt das eigentlich, dass Männer wegen einer kleinen Erkältung schon todkrank auf dem Sofa liegen, während Frauen auch mit hohem Fieber immer noch den ganzen Haushalt schmeißen?
Ist das womöglich unser genetisch festgelegtes Schicksal?
Ich bin froh, dass ich in der Bibel immer wieder Männer finde, an denen ich mich orientieren kann. Für mich ist Hiob so ein Mensch geworden.
Seine Geschichte füllt ein ganzes Buch in der Bibel. Und seine Geschichte ist die Geschichte von Leiden und Aushalten.

Hiob geht es ausgezeichnet bis plötzlich der Teufel los ist. In der Bibel wird das wirklich so beschrieben. Der Teufel sagt: „Nur weil es ihm gut geht, glaubt er an Gott." Und Gott sagt: „Nein, tut er nicht. Ich traue ihm zu, dass er auch Leid und Elend aushält." Und dann ist der Teufel los und hat es ausprobiert.
Hiob hat alles verloren, was er hatte. Der Reiche wird plötzlich arm. Er verliert seine Kinder. Eine schmerzhafte und ekelhafte Krankheit frisst ihn förmlich auf. Niemand könnte es ihm übel nehmen, wenn er jetzt auf dem Sofa liegen und sich bedauern würde. Er aber hält durch. Er gibt sich nicht auf.
Gibt es ein Geheimnis, das ihn das Leid aushalten lässt?
Alle um ihn herum fragen sich: Warum trifft es gerade ihn so hart? Hat er etwas falsch gemacht?
Doch solche Fragen setzen voraus, dass das Leben gerecht ist. Und sie setzen voraus, dass nur ein heiles Leben ein gutes Leben ist. Beides ist nicht wahr.
Hiob weiß das. Und er weiß, woher er die Kraft bekommt, den Schmerz und das Leid auszuhalten. Mitten drin in seinem unglaublichen Elend findet er zu einer Gelassenheit, wie ich sie mir auch wünsche. Er ist sich sicher, dass der Gott des Lebens bei ihm ist. Und darauf kommt es wirklich an. Mitten in seinem unglaublichen Elend sagt dieser Mann: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt", dass ich nicht allein bin. Das gibt ihm Kraft.
Bis ich auch nur annähernd so realistisch und so gelassen bin wie Hiob braucht es sicher noch lange. Wenn es wieder mal richtig weh tut, sage ich mir aber jetzt schon: Das Leben ist nicht gerecht, aber Gott bleibt an meiner Seite! Die biblische Geschichte lässt mich hoffen, dass ich viel mehr aushalten kann als ich selbst es mir zutraue. Obwohl ich doch „nur" ein Mann bin! So steht es in der Bibel.

Anders weitermachen

Dienstag, 07. September 2010     [Druckversion]

Eine junge Frau hat mir vor Kurzem gesagt, ich sei für einen Mann ganz schön flexibel. Ich weiß immer noch nicht, ob ich das eher als Lob oder eher als Beleidigung auffassen soll.
Sie ist da sicher einem Vorurteil aufgesessen, dass wir Männer immer geradlinig sind, einen Tunnelblick haben, nur von A nach B gehen können ohne Umwege. Wir könnten uns angeblich nicht auf Veränderungen einlassen.
Nur ein Vorurteil, aber mich hat es dennoch getroffen, so festgelegt zu werden. Für mich ist ein Trost, dass Gott mich nicht festlegt, er traut jedem zu, dass er sich verändert.
Die Veränderung des Saulus zum Paulus ist ja sprichwörtlich geworden. Das war so einer, der eben nicht flexibel war, der sich festgelegt hatte für alle Zeiten. Er wusste, was richtig ist, und da ließ er auch nicht mit sich diskutieren. Eigentlich war er wirklich so, wie manche meinen, dass wir Männer alle sind.
Aber dieser Saulus ändert sich. Er macht eine Kehrtwende. Erinnern Sie sich? Saulus hat die Christen nicht gemocht. In seinen Augen hatten sie gegen alle Werte verstoßen, die er selbst hatte. Und so hat er gegen sie gewettert und gewütet. Ja, er hat sogar dafür gesorgt, dass sie weggesperrt wurden. Alle, die an Jesus als den Sohn Gottes und Messias geglaubt haben, hat er verfolgt.
In der Bibel wird erzählt wie Jesus dann selbst eingegriffen hat.
Ein helles Licht aus heiterem Himmel, eine Stimme, die den sofort erblindeten Saulus fragt: „Warum verfolgst du mich?" Und Saulus, der dann auch schon bald Paulus genannt wurde, Saulus hat sich geändert. Hätte Jesus nicht daran geglaubt, dass Menschen, auch Männer, sich ändern können, dann hätte er sich den Aufwand sparen können.
Als Saulus dann Paulus ist, da geht es für ihn mit den Veränderungen weiter. Gerade da, wo Menschen beteiligt sind, ist das ja auch ein guter Zug.
Da war zum Beispiel der Reisebegleiter, Johannes Markus. Der hatte an einer brenzligen Stelle die Reisegruppe verlassen. Er hat gekniffen. Bei einer anderen Gelegenheit will ihn ein Freund wieder mitnehmen. Paulus kennt da nichts! Keine Diskussion - den Kerl braucht er nicht mehr in seiner Nähe! Den will er nicht mehr sehen!
Ein paar Jahre später hat sich Paulus wieder verändert. Dieses Mal ging es ganz ohne Blitz und Erblindung. In einem Brief an einen Freund schreibt er (2Tim 4,11): „Bring Markus mit!"
Auch Männer sind ganz schön flexibel. Steht schon in der Bibel. Paulus zeigt das. Alles andere ist nur ein Vorurteil, oder?

 

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Montag, 06. September 2010     [Druckversion]

Uns reifer werdenden Männern wirft man ja gerne vor, dass wir uns mit guten Entscheidungen schwer tun.
Wir „machen einfach" - ohne viel zu überlegen. Das ist die eine Variante.
Die andere: Wir wälzen Kataloge, lesen Testergebnisse oder gehen stundenlang suchend durch den Baumarkt - und wissen dann doch nicht, was wir tun sollen.
Natürlich stimmt das so nicht, aber es ist leider auch ein bisschen etwas dran, auch bei mir. Echte Entscheidungen, die ich dann auch begründen kann, kommen so sicher nicht zustande.
Deshalb bin ich ganz froh, dass ich in der Bibel immer wieder Menschen finde, an denen ich mich orientieren kann.
Mose ist so ein Mensch. Er war auch nicht mehr der Allerjüngste. Er stand mitten im Leben. Er hatte Familie, Beruf und Verantwortung.
Und er hatte eine große Entscheidung zu treffen. Er sollte eine neue Aufgabe in einem neuen Lebensabschnitt beginnen. Sie wissen schon: Gott sagt ihm, er soll die Israeliten aus Ägypten herausführen. Das ist keine einfache Aufgabe und er muss sich entscheiden, ob er das wirklich tun will.
Es ist ein interessantes Gespräch zwischen Mose und Gott, von dem in der Bibel berichtet wird.
Und das ist schon das erste, was ich daran sehe: Mose redet. So trifft man gute Entscheidungen. Er macht die Entscheidung nicht mit sich aus. Er macht nicht einfach das, was sein erster Impuls ist. Er macht erst einmal gar nichts, sondern redet. Mose fragt nach, zeigt seine Vorbehalte und Bedenken. Und davon hat er jede Menge! Er hat gewichtige Argumente gegen den Auftrag von Gott. Die nennt er. Und er hört zu, was Gott dazu zu sagen hat. So kommt er zu seiner Entscheidung.
In diesem Gespräch zeigt sich nämlich, welches sein größtes Aber gegen die neue Aufgabe ist. Mose meint, dass er nicht gut reden kann. Jedenfalls nicht vor vielen Leuten. Das müsste er aber, wenn er nach Ägypten gehen würde. Womit er nicht rechnet: Für dieses Problem gibt es eine Lösung. Sein Bruder Aaron ist schon unterwegs. Der kann das übernehmen! Dem fällt das Reden leicht!
Im Gespräch mit Gott wird Mose das klar, da kann er eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung mit positiven Folgen für viele, viele Menschen.
Ich finde, das ist ein guter Weg für uns reifer werdende Männer: Vor allem dann, wenn andere Menschen davon betroffen sind wägen wir ab und sprechen mit den Beteiligten. Und selbst bei unseren größten Einwänden sind wir offen für gute Lösungen. Meine Erfahrung ist: Das geht! Steht schon in der Bibel. Mose zeigt es. Es ist nur ein Vorurteil, dass wir das anders machen würden.