Manuskripte

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Woche vom 01.01.2012 bis 07.01.2012




Dr. Maria Meesters

Von Dr. Maria Meesters, Baden-Baden, Katholische Kirche

Frieden in Israel?

Freitag, 06. Januar 2012     [Druckversion]

Auch Israel wird Frieden finden. So der Prophet Jesaja, einer der vielen Autoren der Bibel. Heute, am Dreikönigstag, werden Sätze von ihm in vielen Kirchen gelesen. Jesaja spricht von Zion, und Zion steht für Jerusalem, sogar für ganz Israel, da wo immer wieder soviel Blut vergossen wird.
„Auf, Zion, werde licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn geht leuchtend auf über dir. ...Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz. Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu dir. Deine Söhne kommen von fern, deine Töchter trägt man auf den Armen herbei. Du wirst es sehen, und du wirst strahlen, dein Herz bebt vor Freude und öffnet sich weit."Wahrscheinlich im 6. Jahrhundert vor Christus ist dieser grandiose Text geschrieben worden. Israel hatte wieder einmal Kriege hinter sich, diesmal auch ein jahrzehntelanges Exil in Babylonien. Und jetzt so ein Text - die uralte Vision vom Frieden in Israel, im heutigen Heiligen Land der Juden, Christen und Muslime. Friede und Eintracht und Gemeinschaft und Freude und Licht. Und zwar deshalb, weil Gott leuchtend aufgeht über Zion. Nicht die Menschen bewirken diesen Frieden, sondern Gott. Solche Sätze zu hören angesichts der realen Verhältnisse, ist so unerträglich wie faszinierend. Wer kann denn noch glauben, dass dieses Land jemals Frieden finden wird? Welchen Ausweg kann es geben, wenn mehrere Völker dasselbe Land als ihre Heimat sehen, mit guten Gründen? Wenn von außen Kräfte und Mächte dort ihre eigenen Interessen verfolgen - als Verbündete der einen oder der anderen Seite oder als Nutznießer des Konflikts? Wenn sich die Gegner immer neu verletzen und demütigen und so der Haß ständig neue Nahrung erhält? Es erscheint so hoffnungslos.Vielleicht gehören ja genau da die Worte des Propheten hin. In diese Situation, in der die Menschen sich so todbringend verstrickt haben. Da hilft vielleicht nur ein Impuls, der sagt: es kann und es wird auch hier Lösungen geben, wenn die einen nicht resignieren und die andern aufhören, auf Gewalt zu bauen.Auf werde licht, denn es kommt dein Licht - ein uralter Hoffnungstext zu einem uralten Thema von Blut und Tränen.

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Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

unverzagt

Sonntag, 01. Januar 2012     [Druckversion]

Wie halten Sie es mit guten Worten zu Beginn des Neuen Jahres? Sind Sie großzügig damit oder eher sparsam?
Und umgekehrt: Haben Sie es gern, wenn man ihnen gute Worte fürs Neue Jahr mit gibt, oder denken Sie eher: ‚'Ach je, Worte? Es kommt eh wie es kommt.'
Ich glaube: Mir sind gute Worte wichtiger als früher.
Ja ich traue guten Worten mehr zu. Wenn ich spüre, der andere meint das ernst und ehrlich, dann zieh ich aus guten Worten Kraft.
Wir können einander mit Worten Kraft geben. Erstaunlich und gut, oder?
In Worten kann einem sogar Kraft von Gott zufließen.
Was sind das für Worte?
Davon erzählt eine Geschichte aus dem Alten Testament, die heute in den evangelischen Kirchen erzählt wird.
Die Hauptperson ist Josua. Bisher stand er immer in der zweiten Reihe. Er hatte seine Verantwortung. Aber im Zweifel war da immer noch Mose, der Anführer. Irgendwann war er nicht mehr da. Jetzt muss Josua übernehmen. Aber die Fußstapfen, in die er da treten soll, sind so groß. Ob er dem gewachsen sein wird?
Ich kenne dieses Gefühl, wenn Neues kommt. Das geht nicht. Kann das nicht ein anderer für mich übernehmen? Oder ich denke: Muss das unbedingt sein? Kann man diese Sache nicht einfach aussitzen?
Ich kenne auch die Angst vor etwas, dem man eben nicht ausweichen kann: Eine Prüfung, eine Operation, eine großen Veränderung, ihre neue Lebensphase. Das kann mutlos machen und zaghaft.
In solchen Situationen braucht man Kraft von außen.
Wie Josua. Er hört gute Worte, die seiner Verzagtheit aufhelfen. Diese Worte ermutigen ihn. Sie ermutigen mich und Sie vielleicht auch, für das, was auf uns zukommt: Sie versprechen Gottes Kraft. „Mach Dich auf, zieh los. Ich bin mit Mose gewesen, ich will auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt."
Solche Worte sind gut, weil sie zB sagen: Man muss nicht versuchen, die Fußstapfen eines großen Vorgängers ausfüllen. Josua soll Josua sein. Es ist wichtig, dass ich meine Aufgaben angehe mit meinen Gaben, Stärken und Schwächen. Gott wird mich begleiten. Gott traut mir zu, dass meine Gaben gut sind. Und manches, dem ich mich jetzt nicht gewachsen fühle, in das kann ich hineinwachsen, wenn ich losgehe. Und daran wachsen.
Ich finde das sind gute Worte für ein Neues Jahr: ‚Ich will Dich nicht verlassen noch von Dir weichen. Sei getrost und unverzagt.' Solche Worte zu hören tut gut. Wir sollten sie einander sagen.
In diesem Sinn, ein gesegnetes 2012 für Sie.

Nachdem Mose, der Knecht des HERRN, gestorben war, sprach der HERR zu Josua, dem Sohn Nuns, Moses Diener:
Mein Knecht Mose ist gestorben; so mach dich nun auf und zieh über den Jordan, du und dies ganze Volk, in das Land, das ich ihnen, den Israeliten, gegeben habe. Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.
Sei nur getrost und ganz unverzagt, dass du hältst und tust in allen Dingen nach dem Gesetz, das dir Mose, mein Knecht, geboten hat. Weiche nicht davon, weder zur Rechten noch zur Linken, damit du es recht ausrichten kannst, wohin du auch gehst. (Josua 1,1.2.6-7)

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