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Woche vom 02.10.2011 bis 08.10.2011




Dr. Peter Kottlorz

Von Dr. Peter Kottlorz, Rottenburg/N., Katholische Kirche

Das Gleichnis von den bösen Winzern

Sonntag, 02. Oktober 2011     [Druckversion]

Matthäus 21,33-45  

Da langt Jesus aber mal wieder richtig hin: Im Gleichnis von den bösen Winzern haut er der religiösen Elite Jerusalems ihr Versagen drastisch um die Ohren. Zu hören heute in den katholischen Gottesdiensten. In diesem Gleichnis geht es darum wie ich mit einem mir an vertrautem Gut umgehe. Hier natürlich mit dem Glauben umgehe. Im Gleichnis Jesu verpachtet ein Gutsbesitzer seinen Weinberg an Winzer und verlässt das Land. Als er zur Erntezeit seine Knechte losschickt um seinen Anteil zu holen, werden sie von den Winzern umgebracht. Nachdem das mehrmals passiert ist, schickt er seinen Sohn in der Hoffnung, dass sie ihn respektieren. Doch auch er wird umgebracht. Es ist überdeutlich, dass Jesus mit den Winzern die religiösen Machthaber Israels, mit den Knechten die Propheten und mit dem Sohn sich selbst meint. Und er tut etwas für ihn sehr seltenes: Er droht dem religiösen Establishment. Er sagt ihnen glatt ihren Untergang voraus, weil sie mit dem ihnen anvertrauten Glaubensschatz nicht gut umgegangen sind. Ich finde das ist ein so hammerhartes wie zeitloses Gleichnis. Weil es so radikal anfragt: Wie gehe ich mit einem mir anvertrauten Schatz um? Wie gehe ich mit meinem Glauben um? Wie wichtig ist mir mein Glaube, wie wirksam ist er, wie hege und pflege ich ihn? Rede ich nur fromm dahin oder tue ich auch was ich sage? Wie lebendig, wie echt oder  glaubwürdig ist mein Glaube? Weil ich mir diese Fragen immer wieder persönlich stelle, kann ich sie auch der Kirche, meiner Kirche stellen. Wie wichtig ist ihr also der Glaube und nicht (nur) Macht oder Ämter? Wie wirksam ist er, der Glaube der Kirche? Hilft er den Menschen an Leib und Seele? Sorgt er für mehr Gerechtigkeit? Redet die Kirche oft nur schön christlich und handelt dann knallhart nach Gesetzen, der Macht? Gesetze, die Jesus letztlich ans Kreuz gebracht haben? Und wie lebendig, wie glaubwürdig ist ein Glaube noch, der durch den Missbrauch von Menschen in seinen Grundfesten erschüttert wurde? Unangenehme Fragen. Not-wendige Fragen. Und damit - hoffentlich - auch heilsame Fragen! Es ist wohl kein Zufall, dass in den katholischen Gottesdiensten heute noch ein kleiner, feiner Text des Apostels Paulus gelesen wird. Darin geht es genau um die eben beschriebenen Fragen, die ins Herz des christlichen Glaubens zielen. In seinem Brief an die Gemeinde in Philipi beschreibt Paulus geradezu einen kleinen christlichen Verhaltenskatalog. In meine Glaubenssprache übersetzt sagt er folgendes: „Was immer echt, von Herzen, gerecht, auf Gott bezogen, liebenswert, unaufdringlich, rechtschaffen und wohltuend ist, das tut!"...
Einen schönen Sonntag wünsch ich Ihnen.

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