Manuskripte

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Woche vom 05.06.2011 bis 11.06.2011




Dr. Lucie Panzer

Von Dr. Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Lebendiges Wasser

Sonntag, 05. Juni 2011     [Druckversion]

Eine Quelle, die sprudelt und sprudelt. Ein Brunnen, der überfließt. Und alles drum herum blüht auf. So kann etwas wachsen für die Zukunft. Ich finde, das ist ein wunderbares Bild. So wäre ich gern. Eine Quelle von Leben.
Wenn jemand an mich glaubt, werden aus seinem Inneren Ströme von lebendigem Wasser fließen." (Joh 7, 38)
Das hat Jesus gesagt. In den evangelischen Gottesdiensten wird darüber heute gepredigt.
Wovon kann ich abgeben, wenn ich auf Jesus vertraue?
Vielleicht von meinem Mut, wenn ich glauben kann, was er versprochen hat: „Ich bin bei euch, alle Tage, bis ans Ende der Welt". Wenn ich das glaube, dann kann ich auch anderen sagen: Ich lasse dich nicht im Stich. Lass uns zusammen nach einer Lösung suchen.
Vielleicht kann ich von meinem Selbstvertrauen abgeben, wenn ich Jesus glaube: Er hat gesagt, Gott macht denen einen neuen Anfang möglich, die Fehler gemacht haben. Wie jener Vater, der seinem gescheiterten Sohn eine neue Chance gegeben hat. Der ihn aufgerichtet und mit neuen Kleidern versehen hat, damit er sich sehen lassen kann und sich nicht schämen muss. So ist Gott, hat Jesus gesagt. Das gibt mir Selbstvertrauen - denn ich weiß ja von meinen eigenen Fehlern. Für die muss ich mich nicht schämen und mich verstecken. Und das kann ich weiter geben. So kann ich andere auch behandeln: Ich werde sie nicht beschämen und auf ihren Fehlern herumreiten, dass sie sich am liebsten verkriechen möchten. Ich kann versuchen, sie aufzurichten, dass sie wieder anfangen können, zu leben.
So kann das Leben aufblühen. Mein Leben. Und das Leben um mich herum. Deshalb versuche ich, Jesus zu glauben. Deshalb will ich auf ihn setzen. Ich will ihm mein Herz hinhalten, mein Innerstes, damit es voll wird mit dem, was er den Menschen mitgegeben hat.
Worauf wir vertrauen, woran wir glauben: Das strahlt von mir uns aus. Von Ihnen und mir. Es kommt also darauf an, worauf ich mein Herz setze und vertraue. Wenn ich glaube, dass nur der voran kommt, der alles richtig macht und besonders viel leistet - was wird dann von mir ausstrahlen? Wenn ich daran glaube, dass nur Geld die Welt regiert - was wird dann von mir ausstrahlen? Und was passiert dann mit den Menschen um mich herum? Wie wird dann die Welt um mich herum? Worauf setzen dann meine Kinder, meine Schüler oder meine Mitarbeiter ihr Vertrauen?
Wo dein Herz ist, das entscheidet über die Zukunft, haben in den letzten Tagen die evangelischen Christen auf dem Kirchentag in Dresden behauptet. Ich hoffe, was sie heute von Dresden mit nach Hause bringen, ist auch Wasser, das lebendig macht.

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