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Woche vom 24.04.2011 bis 30.04.2011




Michael Broch

Von Michael Broch, Leonberg, Katholische Kirche

In den Anfängen verwurzelt

Montag, 25. April 2011     [Druckversion]

In den Anfängen verwurzelt - Apostelgeschichte 2,14.22-33
Ostermontag
Das Christentum hat sich außerordentlich schnell ausgebreitet vor 2000 Jahren - und das alles ohne Fernseher, Handy und Internet. Man weiß zwar nicht genau, was sich damals alles abgespielt hat. Doch eine Erklärung scheint für die Erfolgsgeschichte des frühen Christentums sicher: Es waren die engen sozialen Netze der ersten Christen. Und wohltätig sein, das hat es in der heidnischen Antike nicht gegeben. Die Christen haben für Alte und Kranke gesorgt. Sie haben sich darum gekümmert, dass die Toten würdig bestattet wurden. Das ist für uns selbstverständlich, ist aber für die Antike revolutionär gewesen. Erst mit den Christen sind Mitleid, Barmherzigkeit und Nächstenliebe salonfähig geworden. Das geht zurück auf Jesus. Davon ist heute und immer wieder in der Zeit nach Ostern - in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Wie Jesus „Wohltaten spendend"    (Apostelgeschichte 10,38) umherzog, Gutes tat, Kranke heilte und sich mit Wundern und Zeichen auf die Seite der Erniedrigten und Beleidigten gestellt hatte. Für Jesus sind nicht die Fragen entscheidend, wer Leid, Krankheit und Tod verursacht hat. Wichtig ist für Jesus das Mitleiden, das Helfen und Heilen. Und wie ich Jesus verstehe, gibt es für ihn kein dringlicheres Gebot als das: Leiden zu heilen oder wenigstens zu lindern. Ihm geht es darum, alle heilsamen und heilenden Kräfte zu mobilisieren, die es gibt - vor allem die Liebe. Für ihn ist es allein die Liebe, die die vielfältigen Zumutungen des Lebens erträglich macht und aushalten lässt. Aus diesen Anfängen haben sich höchste Werte in unserer Zivilisation entwickelt: die Würde und Freiheit des Menschen, Menschenrechte, Toleranz und Solidarität. Diese Werte sind alles andere als selbstverständlich. Die hat man nicht einfach. Sie sind zerbrechlich. Um all das zu erreichen, wurde lange, mühsam und schmerzlich gerungen und gekämpft - oft gegen die Widerstände der Kirche. Doch die tiefsten Wurzeln liegen in der jüdisch-christlichen Sicht des Menschen: Der Gott der Bibel hat ihn mit einer einmaligen, unverwechselbaren, einzigartigen Würde ausgestattet. Immer wieder laufen die Menschen Gefahr, diese Wurzeln zu vergessen oder gar zu verleugnen. Wollen wir eine Zukunft haben in Frieden, Freiheit und in sozialer Gerechtigkeit - bei uns und im Blick auf die Herausforderungen der einen Welt - dann ist es notwendig, dass wir uns unserer geistigen Wurzeln erinnern. Dann können wir das, was uns geprägt hat, lebendig erhalten. Denn: Wer weiß, wo er her kommt, der kann vielleicht auch besser sagen, wo es lang geht.  

Ich wünsche Ihnen einen schönen Ostermontag.

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Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

durchschaut den Tod

Sonntag, 24. April 2011     [Druckversion]

Eigentlich würde ich jetzt gern ein Lied mit Ihnen zusammen singen. „Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit" z.B. Oder „Auf, auf mein Herz, mit Freuden." Beim Singen bringe ich manches über die Lippen, wenn ich das sagen soll, ist das viel schwieriger. Da ringe ich nach Worten. Weil der kritische Verstand sich meldet und einem ins Wort fällt. Mir passiert das an Ostern, dass mein Verstand sagt: Wie kann es das geben, was da in der Bibel erzählt wird:
Da kommen zwei Frauen zu dem Grab, in das sie den toten Jesus hinein gelegt haben. Dunkel ist es in ihnen, sie haben Angst vor ihrem Leben, fühlen sich so allein.
Aber statt in ein finsteres Grab, sehen sie auf einmal in ein helles Licht. Und hören: „. Christus ist auferstanden. Gott hat ihn vom Tod auferweckt. Habt keine Angst vor dem Tod und vor denen die euch damit Angst machen." Wenn man das heute 2011 wiederholen soll. Da kann man ins stottern kommen. Kann ich mir das vorstellen? Kann man sich darauf verlassen?
Zu singen trau ich mich mehr: „Christ ist erstanden, des wollen wir alle froh sein." Miteinander singen geht leichter, weil da die anderen sind, die auch diese Sehnsucht und diese Hoffnung haben: Dass es nicht mit mir zu Ende ist, wenn ich mal sterben muss.
Beim Singen hilft man sich gegenseitig, wenn man allein nicht so viel Mut hat zu glauben. Wenn man miteinander singt, da verschwindet ja auch Angst schneller und ich kann mich lauter freuen. Beim Singen, wird unsere Seele größer und mutiger. Sie riskiert zu glauben, was ihr der Verstand sonst vielleicht ausreden will: Soll da wirklich einer dem Tod von der Schippe gesprungen sein. Obwohl er schon tot war? Soll es wirklich so sein, dass Gott aus mir und ihnen, auch wenn wir tot sein werden, etwas Neues, Lebendiges machen kann. Kann es sein, dass wir unsere Lieben wieder sehen? Und die anderen auch. Und dass dann gut ist, was jetzt noch schräg und schlimm ist und weh tut.
„Ja" sagt die helle Stimme aus dem Grab Jesu. „So wird es sein. Habt keine Angst vor dem Tod. Schaut durch den Tod hindurch. Durchschaut ihn. Durchschaut den Tod als das was er ist: Ein Ende, das in Wahrheit ein neuer Anfang ist. Gott hat diesen Anfang bei Jesus gemacht. Und er macht ihn auch für Sie und Dich", sagt die Stimme aus dem Grab Jesu.
Ich möchte mich gern darauf verlassen. Mir hilft das Singen dabei. Und ich wünsche Ihnen, dass Sie es auch können. Frohe Ostern!

Der Engel sagte zu den Frauen:
"Habt keine Angst! Ich weiß: Ihr sucht Jesus, der gekreuzigt wurde. Jesus ist nicht hier. Gott hat ihn vom Tod auferweckt...
Und jetzt geht schnell zu seinen Jüngern. .............
Die Frauen waren erschrocken und doch voller Freude. Schnell liefen sie vom Grab weg...(Matthäus 28,4ff)

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