Manuskripte

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Woche vom 28.03.2010 bis 03.04.2010




Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Ich meine es doch gut...

Freitag, 02. April 2010     [Druckversion]

Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu ....  So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!
(2. Kor 5,19 ff)

„Ich meine es doch gut mit Dir. Ich liebe Dich doch. Glaub mir, Du tust Dir nicht gut, wenn Du so weiter machst." Haben Sie so schon mal um Einverständnis bei Ihrem heranwachsenden Sohn oder ihrer Tochter geworben? Oder bei einem anderen lieben Menschen. Sie meinen es wirklich gut und sehen, dass er in einer Sackgasse steckt, schlagen einen Weg vor, eine andere Sicht der Dinge. Aber Ihr Sohn oder die Tochter misstraut Ihnen, meint Sie gönnen ihm nichts. Er hat ein ganz anderes Bild von sich und unterstellt, Sie wollten ihm Böses. In so einer Situation kann man nur inständig und geduldig bitten.

So ähnlich wie es einem als Vater oder Mutter mit großen Kindern gehen kann, so ähnlich geht es Gott mit uns Menschen, meint Paulus, der große Theologe der frühen Christen.
In einem Brief in der Bibel, der heute am Karfreitag in den evangelischen Gottesdiensten im Mittelpunkt steht, schreibt er:
„Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich. Darum bitten wir Euch in Gottes Namen: Lasst euch versöhnen, mit Gott."

Gott meint es gut mit Ihnen und mir, erinnert uns Paulus und bittet, dass wir ihm das glauben und darauf unser Leben gründen. Gerade an dem was an Karfreitag passiert ist, macht Paulus das fest. Es hat für ihn einen ganz positiven Sinn. Der Karfreitag setzt fort, was an Weihnachten angefangen hat. Gott kommt herunter in die Tiefen des Lebens: Der ewige Gott, der alles Leben geschaffen hat, thront nicht irgendwo oben, fern von uns. Gott ist hier, bei Jesus, als er in einem Stall geboren wurde und sogar als er leiden muss, von allen verlassen wird und stirbt. „Gott war in Christus." Schreibt Paulus und meint: Wenn Gott in Christus war, dann ist er bei jedem Menschen, der allein ist, der sich verloren fühlt, der leiden muss. Auch wenn man sich in seinem Leben verrannt hat oder in einer Sackgasse steckt. Sich versündigt hat.

Gott ist da und meint es auch dann noch gut mit uns, wenn wir uns selbst nicht mehr gut finden können. Gott liebt uns, obwohl wir nicht perfekt sind, trotz unserer Schattenseiten. Wenn wir klein sind, schwach oder schuldig und versagt haben. Gott zieht seine Liebe nicht von Ihnen und mir ab, und er bittet uns: „Stempelt euch nicht ab als ‚hässlich'‚ als Versager' oder ‚boshaft', nicht als ‚Unmensch' oder ‚Feind.' Euch selbst nicht und andere auch nicht. ‚Gott meint es gut mit uns'; das heißt für mich: Wir können versöhnt leben: mit Gott, mit uns selber und mit anderen. Auch wenn wir nicht schön, toll und gut sind.

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Michael Broch

Von Michael Broch, Leonberg, Katholische Kirche

Seltsame Dinge

Sonntag, 28. März 2010     [Druckversion]

Palmsonntag  Lukas 19,28

Was da innerhalb weniger Tage passiert, ist schon sehr seltsam. Jesus reitet auf einem Esel nach Jerusalem hinein. Seine Weggefährten überstürzen sich schier vor Freude. Ein paar Tage später hauen die selben, die noch zuvor gejubelt haben, Hals über Kopf ab - als Jesus gekreuzigt wurde. Bleibt anzumerken: Die Männer sind auf und davon. Einige Frauen aus der Gefolgschaft Jesu setzen sich dem grausigen Geschehen aus und bleiben bei ihrem geliebten Meister. Das alles steht im Lukas Evangelium und ist heute am Palmsonntag in den katholischen Gottesdiensten zu hören. Dieser Umschwung ist doch seltsam. Einige Jahre sind sie mit Jesus gezogen, haben seine Botschaft gehört und waren Zeugen seiner wunderbaren Taten. Wie lässt sich dann dieses Verhalten erklären? Haben sie Jesus und seine Botschaft doch nicht verstanden? Für mich reimt sich da manches zusammen, wenn ich bedenke, was für eine Mannschaft Jesus da zusammengestellt hat. Bei der Auswahl hat er keine Gesinnungstests angestellt. Auf bürgerliche Wohlanständigkeit hat er keinen Wert gelegt. Welchen Ruf jemand hatte, ist ihm völlig gleich gültig gewesen. Also konnte man mit einer illustren Gesellschaft rechnen. Da ist Petrus, ein einfacher Mann und bodenständiger Fischer. Matthäus, Zöllner und Beamter der bei den Juden verhassten römischen Besatzungsmacht. Judas, Mitglied einer extremistischen Bewegung, die gegen die römischen Besatzer kämpfte. Dann die Frauen um Jesus. Nicht wenige waren alleinstehend, bettelarme Witwen, Frauen, die sich nur als Prostituierte über Wasser halten konnten und die in ihren Dörfern wie Aussätzige behandelt wurden. Die Gesellschaft um Jesus ist also ein ziemlich bunter Haufen gewesen. Jede und jeder hatte so seine eigene Vorstellung von Jesus. Trotzdem sind sie ihm gefolgt, so unterschiedlich sie auch waren. Der unehrenhafte und grausame Tod Jesu am Kreuz machte ihren Hoffnungen ein jähes Ende. - Und das soll es dann gewesen sein? Nein! Es gibt noch einmal eine Wende - durch Jesus, als er vom Tod zu Gott auferstanden war, wie es die Christen  glauben. Sehr erregt hat Jesus zwar einmal gesagt: „Wer mich vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen." (Matthäus 10,33) Aber Jesus macht seine Ankündigung dann doch nicht wahr. Er verleugnet seine Gefährten -  die ihn alle verlassen hatten - nicht. Er gibt ihnen eine unglaubliche Chance und  betraut sie mit wichtigen Aufgaben in der jungen Kirche. Er übt Nachsicht, mehr noch: Er ist inkonsequent - aus Liebe! Inkonsequent - aus Liebe! Da fühl ich mich auch angesprochen. Wenn ich daran denke, wie schwach mein Glaube und wie wenig überzeugend mein Leben als Christ auch sein kann - dann tut eine solche Botschaft gut, bis in die Seele hinein gut.

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