Manuskripte

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Woche vom 16.08.2009 bis 22.08.2009




Lucie Panzer

Von Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Lk 19, 41f

Sonntag, 16. August 2009     [Druckversion]

„Als Jesus nahe hinzu kam sah er die Stadt und weinte über sie und sprach: Wenn du doch erkennen würdest, was zum Frieden dient!“

Was braucht man für den Frieden? Dass man mit seinem Leben zufrieden sein kann und dass die Menschen sich gegenseitig in Frieden lassen, in der Nachbarschaft und weltweit die Völker und Nationen: Was braucht man dazu?
Jesus hat geweint, weil die Leute zu seiner Zeit das nicht gewusst haben. Und eigentlich ist es noch immer zum Weinen. Bis heute wissen wir es nicht besser. Bis heute sind viele Menschen unzufrieden mit sich und ihrem Leben. Und Frieden gibt es noch immer nicht in der Welt.
Damals wie heute versuchen es viele, indem sie andere einschüchtern und bedrohen. Natürlich kann man auf den Tisch hauen und sagen: „Jetzt halt endlich den Mund, ich will nichts mehr davon hören.“ Dann ist wahrscheinlich erst einmal Ruhe. Aber Frieden bestimmt nicht und bei nächster Gelegenheit geht der Streit wieder los. Und wo Staaten oder Gruppen versuchen, Recht mit Gewalt durchzusetzen, da hört das Töten nie auf und die Angst auch nicht.
Man braucht Wohlstand, damit Frieden herrscht, sagen andere. Aber die Krise, die wir jetzt haben, zeigt: mit dem Wohlstand der einen ist die Armut der anderen gewachsen. Und mit der Armut wachsen immer auch Neid und Hass. Und wer wohlhabend ist, der findet auch keinen Frieden, weil er sich Sorgen macht, ob das wohl so bleibt. Und weil es immer noch ein bisschen mehr sein könnte.
Was braucht man für den Frieden, den inneren und den äußeren? Von Jesus kann man lernen, dass es jedenfalls nicht einfach eine friedfertige Natur ist, die keiner Fliege was zu leide tut und sich alles gefallen lässt. Als er den Unfrieden in seiner Zeit beklagt hat, ging er in den Tempel und hat dort mit deutlichen Worten und Peitschenhieben die Händler und Geldwechsler vertrieben. Keine Räuberhöhle soll der Tempel sein, hat er gesagt, sondern ein Haus zum Beten.
Vielleicht ist es ja das, was man für den Frieden braucht: Dass nicht jeder nur seine eigenen Interessen im Auge hat. Und sie durchsetzt so gut er kann, damit alles so läuft, wie es für ihn gut ist. Dabei bleiben nämlich viele links liegen und kriegen das Gefühl: Wenn ich mich nicht wehre, dann gehe ich unter. So wird bestimmt kein Frieden.
Nicht immer bloß ans Geschäft denken also. Das ist der Rat Jesu. Stattdessen ab und zu beten. Mit Gott im Kontakt bleiben, könnte man vielleicht auch sagen. Dann hat man nämlich einen Punkt, an dem man sich orientieren kann. Das kann eine Hilfe sein, wenn man sich fragt, was dem Frieden dient. Per E-Mail empfehlen