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Woche vom 03.05.2009 bis 09.05.2009




Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Leisten heißt weitergeben

Sonntag, 03. Mai 2009     [Druckversion]

Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt
viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Johannes 15,4f)


„Ich will etwas zurückgeben, von dem, was ich geschenkt bekommen habe.“ Das habe ich vor kurzem von einer Firmenchefin gehört. Sie ist eine von den Menschen, die manche die Leistungsträger in unserer Gesellschaft nennen.
„Ich gebe etwas von dem zurück, was ich geschenkt bekommen habe,“ sagt sie von sich. Eher bescheiden. Dabei führt sie ihre Firma seit 30 Jahren erfolgreich und sozial verantwortlich. Engagiert sich ehrenamtlich.
Was sie sagt, klingt fast wie das Gegenteil einer Lebenseinstellung, die man auch öfter hören kann bei so genannten Leistungsträgern. „Mir ist nichts geschenkt worden, ich habe mir alles, was ich bin selber erarbeitet.“
Ich gebe zu, dass mir die erste Lebenseinstellung besser gefällt.
Denn ich meine, kein Mensch kann sich die Grundlagen seines Lebens, selbst geben. Sicher, man kann mit dem, was man geschenkt bekommen hat, sehr unterschiedlich umgehen, das ja. Man kann es brach liegen lassen oder pflegen und zur Blüte bringen. Man kann fleißig sein oder bequem. Aber
keiner kann sich zum Musiker machen, wenn er kein Talent bekommen hat. Oder zum guten Unternehmer, wenn er nicht mit Menschen sozial umgehen kann oder keinen Mut zum Risiko hat. Und all das, was ich kann: Wie viele Menschen haben mir dabei geholfen, es auszubilden. Wie viel habe ich von anderen aufgesogen und es mir dann zu Eigen gemacht. Niemand ist, was er ist, ohne lebendigen Austausch mit den Menschen um sich herum, ohne Beziehung auch zu Gott.
„Ich gebe zurück von dem, was ich geschenkt bekomme habe.“ Ich glaube, die Firmenchefin liegt richtig mit ihrer Einstellung.

Sie ist eine engagierte Christin – vielleicht hat sie die ja von Jesus gelernt.
Der hat nämlich mal gesagt:

„Eine Rebe kann keine Frucht bringen, wenn sie nicht am Weinstock bleibt.
So ist es auch mit Euch: Wer in mir bleibt, der bringt viel Frucht, aber ohne mich könnt ihr nichts tun.“


Dieses Stück aus der Bibel steht heute in den evangelischen Kirchen im Mittelpunkt. Es
erinnert daran für Christen ist lebendiger Austausch fundamental.
Man kann nicht aus sich selbst Christ werden, nicht sein und auch nicht bleiben.
Man braucht Eltern oder Lehrer, die einem den Glauben nahe bringen, die Geschichten erzählen.
Man braucht Menschen, die Zweifel mit einem teilen. Mit denen man zusammen feiern und schaffen kann.
Und vor allem die Orientierung daran, was Jesus gesagt hat und wie er gelebt hat.
Daraus kommt christliche Leistungskraft. Per E-Mail empfehlen