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Woche vom 26.04.2009 bis 02.05.2009




Dr. Peter Kottlorz

Von Dr. Peter Kottlorz, Rottenburg/N., Katholische Kirche

Unvorstellbar – zu Lk. 24, 35 -48

Sonntag, 26. April 2009     [Druckversion]

Ich bin Peter Kottlorz von der Katholischen Kirche. Einen schönen guten Morgen!
Unvorstellbar – Unvorstellbares hört man heute in den katholischen Gottesdiensten. Die Frauen und Männer um Jesus waren zutiefst geschockt, und das doppelt. Zuerst wurde ihr über alles geliebter Meister auf die brutalste und schändlichste Art hingerichtet. Und dann der nächste Schock: er soll leben, von den Toten auferstanden sein. Viele seiner Anhänger sagen sie hätten ihn gesehen. Andere schwören er sei bei ihnen gewesen. Und im heutigen Evangelium ist zu hören wie der auferstandene Jesus sogar die Zweifel seiner Jünger aufnimmt. Ihnen sagt dass er kein Geist sei, sich anfassen lässt, und zum Beweis, dass er tatsächlich lebt sich ein Stück Fisch geben lässt und es vor ihnen isst.
Unvorstellbar – Was mach ich nun mit solchen Zeugnissen? Sie abtun als später geschriebene Wunschphantasien? Sie abtun als durch Schock ausgelöste Hirngespinste? Sie unhinterfragt annehmen, nur weil sie in der Bibel stehen? Sie annehmen weil bei Gott nichts unmöglich ist und er sich deshalb auch über die Naturgesetze, selbst über Leben und Tod hinwegsetzen kann?
Unvorstellbar – Unvorstellbar, das ist für mich ein Schlüsselwort bei der Auferstehung. Weil ich mir das einfach schwer vorstellen kann: Tot sein und doch nicht tot sein. Das liegt nicht in meinem Erfahrungsbereich, das hab ich noch nicht erlebt. Noch nicht.
Aber es gibt schon rein innerweltlich viele Dinge, die für mich unvorstellbar waren oder sind. Bis vor 10 Jahren war es für mich auch unvorstellbar, dass ich einen elektronischen Brief durch die Luft bis ans andere Ende der Welt schicken kann. Und bis heute kann ich mir nicht vorstellen, dass die kleinste Einheit von Materie eine Art unsichtbarer Energie sein soll.
Was ich aber kenne ist die Erfahrung, dass Menschen, wenn sie weg sind oft noch sehr präsent sind in meinem Leben. Dass sie, selbst wenn sie gestorben sind, noch da sind, anwesend sind. Leben - in meinem Herzen, meinen Gedanken, meinen Erinnerungen. In ihren Räumen oder an den Orten, die uns verbinden.
Und was ich auch kenne ist, dass ich Menschen, die mir etwas ganz Großes, Außergewöhnliches sagen wollen, ernst nehme. Sehr ernst nehme. Vor allem, wenn es viele Menschen zu verschiedenen Zeiten sind. Selbst wenn das was sie sagen für mich noch unvorstellbar ist. Aber sie helfen mir mich in das Unvorstellbare hineinzuwagen. (Man nennt das auch glauben…)
Einen schönen Sonntag wünsch‘ ich Ihnen! Per E-Mail empfehlen