Manuskripte

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Woche vom 19.04.2009 bis 25.04.2009




Dr. Lucie Panzer

Von Dr. Lucie Panzer, Stuttgart, Evangelische Kirche

Glaube braucht Erfahrungen

Sonntag, 19. April 2009     [Druckversion]

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder versammelt und Thomas war dabei. …
Da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch. Joh 20, 26f


Wenn einer dem anderen nicht glauben kann, was er sagt, was dann? Du kannst mir viel erzählen, ich kann das nicht glauben: Es kann ja viele Gründe dafür geben, dass jemand das sagt. Das ist quälend für alle Beteiligten. Denn es macht den unsicher und allein, der nicht glauben kann. Und den anderen verletzt das Misstrauen:
‚Warum glaubt der mir denn nicht?'
Das gibt es in vielen Bereichen, dass man gern glauben würde. Und nicht kann. Ob der andere mich noch liebt? Oder sind das bloß Worte, schnell dahin gesagt, damit ich zufrieden bin?
Kann ich mich wirklich auf die Partner verlassen bei dem Projekt, dass wir uns vorgenommen haben? Oder warten die bloß darauf, dass sie abspringen können?
Mit solchen Fragen quälen viele sich selbst und quälen die anderen. Die Bibel erzählt: Das
gibt es auch in religiösen Fragen. Und sie gibt mir zu verstehen: das Wichtigste ist dann, dass man nicht auseinander läuft sondern beieinander bleibt. Nur so kann man erfahren, worauf man sich verlassen kann. Ich denke an die Geschichte von Thomas, den man sprichwörtlich den ungläubigen nennt. Heute wird sie in den evangelischen Gottesdiensten bedacht. Thomas war so einer, der es nicht glauben konnte, als seine Freunde ihm gesagt haben: Jesus lebt.
Er ist nicht tot, er ist auferstanden. Es geht weiter, jetzt können wir leben wie er es gesagt
hat. Aber Thomas sagt: Ihr Schwätzer! Ihr könnt mir viel erzählen. Ich kann das nicht glauben.
Und dann? Die Freunde könnten beleidigt sein, dass er ihnen nicht vertraut. Sie könnten ihn vor die Tür setzen. Sie könnten ihn unter Druck setzen: Du bist selber schuld. Wenn du uns nicht vertraust, dann kannst du auch nicht erleben, dass was dran ist an dem, was wir sagen. Sie könnten auf ihn einreden, immer und immer wieder. Bis er nichts mehr sagt. Oder bis er davon läuft.
Aber das tun sie alles nicht. Sie lassen ihn einfach in Ruhe. Bleiben mit ihm zusammen, wie vorher auch. Freundlich, denke ich, ruhig. Sie versuchen nicht, ihn zu überzeugen. Aber sie lassen ihn auch nicht allein mit seinem Misstrauen. Und die Bibel erzählt: Eine Woche später begreift Thomas es dann doch. Da ist Jesus mitten unter ihnen. So wie er es vorher angekündigt hatte: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Wenn Sie ihn hätten fallen lassen, wenn Thomas hätte davon laufen müssen, dann hätte er keine Chance gehabt. Dann wäre er mit seinem Misstrauen allein geblieben. So aber konnte
er erleben: Es ist wahr, was sie mir gesagt haben: Jesus lässt uns nicht allein. Darauf kann
ich mich verlassen. Per E-Mail empfehlen