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Woche vom 01.03.2009 bis 07.03.2009




Dr. Maria Meesters

Von Dr. Maria Meesters, Baden-Baden, Katholische Kirche

Sonntag, 01. März 2009     [Druckversion]

Manche Gebete gehören zu meinem Leben. Eines davon ist das Vaterunser. Ich habe es schon als kleines Kind gelernt, vom Mitsprechen mit den Erwachsenen. Immer wieder schwierig finde ich inzwischen die letzte Bitte: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Kann es sein, daß Gott uns in Versuchung führt? Daß er selber uns in die Gefahr bringt, Böses zu tun?
Zumindest soviel muß ich sagen: Glaube schützt nicht vor Versuchung. Mit Gott verbunden sein schützt nicht davor, dem Bösen zu begegnen. Sogar von Jesus wird ja erzählt, daß er vom Geist in die Wüste geführt, wörtlich: in die Wüste getrieben wird. 40 Tage ist er in der Wüste, und dort versucht ihn der Teufel. Es gibt einfach kein menschliches Leben ohne Versuchung. Kein Leben, in dem man nicht ständig entscheiden muß: das will ich - das will ich nicht; bin ich mir selbst die Nächste, bin ich mir selbst der Größte - oder schaue ich auch, daß andere leben können. Wie oft weiß ich ja einfach nicht so genau, was ich will und ahne dabei: dieser Schritt, der mich jetzt lockt, führt mich von mir selber weg, vielleicht sogar in die persönliche Katastrophe. Und wie nah liegen auch oft Versuchung und Chance beieinander! Es ist nicht immer offensichtlich, ob der nächste Schritt mich einem Abgrund näherbringt oder zu neuen Ufern führt.
Versuchung hat zu tun mit erkennen und bewerten und entscheiden. Übrigens, eine der ersten biblischen Geschichten vom Menschen ist die Geschichte einer Versuchung: Adam und Eva im Paradies vor dem Baum der Erkenntnis, von dessen Früchten sie nicht essen dürfen und die doch so unwiderstehlich sind.
Also: kein menschliches Leben ohne Versuchung. Und wenn das so ist, dann ist Gott hier mit im Spiel. Deshalb die Bitte im Vaterunser: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Versuchung kann süß sein, das Ergebnis ist oft bitter. Aber das Evangelium ist überzeugt, daß Gott uns damit nicht allein läßt. Auch davon spricht die Geschichte von den Versuchungen Jesu. Per E-Mail empfehlen