Manuskripte

SWR1 Sonntagmorgen 3vor8

Aktuelle Woche   Archiv

Woche vom 04.01.2009 bis 10.01.2009




Dr. Peter Kottlorz

Von Dr. Peter Kottlorz, Rottenburg/N., Katholische Kirche

Heilige Drei Könige

Dienstag, 06. Januar 2009     [Druckversion]

Der Rottenburger Dompfarrer will ein paar seiner Ministranten testen, was sie denn so an christlichem Glauben drauf haben und fragt: „Was ist die heilige Dreifaltigkeit?“
Die Messdiener antworten wie aus der Pistole geschossen „Kaspar, Melchior, Balthasar“. Wunderbar daneben geschossen, denn unter der Heiligen Dreifaltigkeit versteht man seit rund 1700 Jahren Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist. Macht aber nix, denn diese nicht erfundene Geschichte zeigt welchen Stellenwert die Heiligen drei Könige bei jungen Menschen haben, die in der Kirche aktiv sind. Aber nicht nur weil von den 3 Königen heute in den katholischen Gottesdiensten zu hören ist. Vielleicht eher weil heute die Sternsinger wieder durchs Land touren. Zum 51. mal laufen die als Heilige Drei Könige verkleideten Mädchen und Jungen durch jedes Wetter und bitten um Spenden für Kinder in den armen Gegenden der Welt. Zur weltweit größten Aktion, in der Kinder Kindern helfen sind die Sternsinger geworden. Letztes Jahr, in ihrem Jubiläumsjahr haben sie in Deutschland rund 40 Millionen Euro ersungen! 40 Millionen von Kindern ersungen. Ein Drittel davon aus Diözesen, die im Sendegebiet des SWR liegen. Die Kinder wollen was Gutes tun und wissen, dass sie damit Aidswaisen, Straßenkindern und ehemaligen Kindersoldaten helfen.
Ihr Motto in diesem Jahr heißt „Kinder suchen Frieden“. Dafür haben sie sich Kolumbien als Beispielland ausgesucht. Ein Land in dem es nach mehr als 40 Jahren Bürgerkrieg kaum jemanden gibt der nicht Gewalt und Tod in der eigenen Familie zu beklagen hat.
Mit dem Geld das die Sternsinger heute gespendet bekommen wird zum Beispiel eine Menschenrechtsorganisation in Medellin, der zweitgrößten Stadt Kolumbiens unterstützt. Sie heißt „Convivamos“, auf deutsch „Lasst uns zusammen leben!“ In Workshops mit Eltern und Kindern werden traumatische Gewalterfahrungen therapeutisch aufgearbeitet. Friedenskonzepte werden besprochen und spielerisch eingeübt. Ein Symbol dafür ist die Cometa, ein Winddrachen. Er ist in Kolumbien zu einem Symbol für Frieden und Freiheit geworden. Ihn basteln die Kinder in verschiedensten Varianten. Als wirklichen Drachen, der in den Himmel steigt oder als kleine Anstecker die daran erinnern an dem Traum vom Frieden festzuhalten.
Und es ist einfach schön, dass Kinder hier in Deutschland sich einsetzen für die Träume und das Leben anderer Kinder, denen es schlechter geht. Dass sie ihre ungetrübte Zuversicht durch die Strassen tragen. Sichtbar und hörbar. Als kleine Könige mit wunderbar großen Visionen.
Einen schönen Drei-Königstag wünsch ich Ihnen! Per E-Mail empfehlen


Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

bin ich Jesus?

Sonntag, 04. Januar 2009     [Druckversion]

...Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie (seine Eltern) ihn (den 12. jährigen Jesus) im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. ... Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum hast du uns das getan?.. Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist?

„Bin ich Jesus?“ habe ich als Jugendlicher manchmal frech zurück gefragt, wenn meine Mutter was von mir wissen wollte. Ich habe keine Ahnung, oder jedenfalls keine Lust, auf mütterliche Fragen zu antworten. Ich bin doch nicht Jesus.
Wo kommt diese Redensart eigentlich her?
Ich vermute, sie geht auf die Geschichte zurück, über die heute in den evangelischen Kirchen gepredigt wird.
Die erzählt vom 12- jährigen Jesus, der genau das Gegenteil von ahnungslos ist, und zwar sehr zum Erstaunen, seiner Eltern.
Sie hatten den 12 jährigen mitgenommen nach Jerusalem auf eine Pilgerreise, das halbe Land ist auf den Beinen.
So weit alles ganz normal. Dann ist das Fest vorbei, alles macht sich auf den Heimweg. Abends erst merken Maria und Josef: Jesus fehlt. Sie kehren wieder um, klappern alle Verwandten ab in Jerusalem, bei denen er sein könnte. Nach drei Tagen finden sie ihn dort, wo sie ihren 12 jährigen nie erwartet hätten. Sehen ihr Kind, wie sie es noch
nie gesehen haben. Ihr Junge ist ihnen ein Rätsel: Er sitzt im Tempel, im Haus Gottes, mitten zwischen den Religionsgelehrten, hört ihnen zu, fragt und diskutiert mit ihnen über Gott und das Leben. Dass er das kann. Und dann kommt es richtig dick:
Seine Mutter sagt zu ihm: 'Junge, warum hast du uns das angetan? Wir haben uns Sorgen gemacht.' Und er: Warum habt ihr mich gesucht? Wisst ihr nicht, dass ich sein muss im Haus meines Vaters?
Der Tempel, sein Vaterhaus? Will er damit sagen, dass Gott sein Vater ist? Seine Eltern verstanden ihren Sohn nicht. Aber schließlich geht Jesus wieder mit ihnen nach Hause. Erst fast 20 Jahre später wird sich zeigen, was für ein besonderes Verhältnis er zu Gott hat.--
„Bin ich Jesus?“ Klar, ich hatte schon recht mit dieser Redensart, dass ich nicht Jesus bin, sondern ganz anders. Andererseits: Ein bisschen ist doch jedes Kind wie dieser 12 jährige Jesus: Geheimnisvoll, eigensinnig. Und Eltern ab und zu ein Rätsel. Und noch etwas: Kinder Gottes sind unsere Kinder auch, nicht bloß die Nachkommen ihrer Eltern. Und deshalb haben sie auch ein Anrecht wie Jesus, Gotteshäuser kennen zu lernen als Orte, wo man seinem himmlischen Vater begegnen kann, auch als Kind. Und wenn sie nicht von allein auf die Idee kommen, weil sie halt nicht Jesus sind. Dann sollten Erwachsene ihnen dieses Haus zeigen, und ihnen erzählen, dass jedes Kind ein Kind Gottes ist. Finde ich. Per E-Mail empfehlen