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Woche vom 05.10.2008 bis 11.10.2008




Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

Erntedank

Sonntag, 05. Oktober 2008     [Druckversion]

Wir wollen nicht aufhören, Gott im Namen Jesu zu loben und ihm zu danken.
Das sind unsere Opfer, mit denen wir uns zu Gott bekennen. Und vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen. An solchen Opfern hat Gott Freude. (Hebräer 13,15f)


Bloß gut, dass der liebe Gott nicht so ist wie manche Tante oder Oma früher, die immer das „Zauberwort“ hören wollten. Der liebe Gott gönnt uns, was seine Schöpfung an Gutem parat hat, ohne dass wir hinterher artig „danke“ sagen müssen.
Ich konnte das nicht leiden als Junge. Und bei Freunden war es ähnlich. Man bekommt was geschenkt und bevor man auspacken darf, kommt die Quälfrage: „Wie sagt man?“ Ich hätte es lieber freiwillig gesagt, wenn mir danach ist. Manchmal wäre es auch einfach nur schön gewesen, sie hätten mein schweigsames Danke angenommen. Sie konnten doch sehen, wie ich mich freue und dankbar bin. Manchmal sagen Augen mehr als der Mund. Aufgefordert jedenfalls, kann so ein „danke“ schnell gequält und auch unecht werden. --
Kann das sein, dass sich Jungs mit dem „danke“ sagen“ schwerer tun als Mädchen. Und Männer schwerer als Frauen? Auch Gott gegenüber?
Bloß gut, dass der liebe Gott gönnt, was seine Schöpfung an Gutem parat hat, ohne dass wir artig „danke“ sagen müssen. Er gönnt die Gaben der Erde auch denen, die sich nicht ausdrücklich bei ihm bedanken. Und denen, die ohne Worte danke sagen, mit den Augen oder mit einem tiefen Glücksgefühl, für das was wächst. Und denen, die „danke“ von Herzen sagen, natürlich auch.
Grund dazu gibt es wieder genug in diesem Jahr: Eigentlich eine unglaubliche Fülle an Wachstum und Ernte. Vom ersten Spargel im April. Über das Getreide im Sommer. Und jetzt: Überall leuchtet das Obst, Kastanien und Nüsse fallen einem vor die Füße. Und die ersten Trauben werden auch schon gelesen.
Der liebe Gott könnte mit Recht fragen: „Wie sagt man“? Aber ich glaube, er hat es lieber, wenn das „Ernte-danke“ aus uns kommt. Mit Worten, gesungen oder gebetet. Oder auch geschwiegen. Auf die vielleicht eher männliche Art und Weise: Für einen Augenblick still sein, die Augen innerlich gegen den Himmel gerichtet, spüren, wie gut er es mit uns meint und denken: „Haste gut gemacht und deine Helfershelfer in der Landwirtschaft auch.“
Es gibt noch eine Art, wie man Gott danke sagen kann, ohne Worte. Steht in einem Gemeindebrief aus der Bibel, der heute in den evangelischen Kirchen vorgelesen wird: „Vergesst nicht, Gutes zu tun und mit anderen zu teilen.“ Per E-Mail empfehlen