Manuskripte

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Woche vom 15.06.2008 bis 21.06.2008




Wolf-Dieter Steinmann

Von Wolf-Dieter Steinmann, Ettlingen, Evangelische Kirche

das Böse, das man lässt

Sonntag, 15. Juni 2008     [Druckversion]

Das Böse hat was Faszinierendes. Würden wir sonst millionenfach Tatort schauen?
Das Böse ist spannend. Und eine Versuchung steckt im Bösen.
Sie ist da, da hilft kein Wegreden und sie verschwindet auch nicht, wenn man meint, mir kann so was nicht passieren. Ich glaube, es ist gut, wenn man ahnt, wo man seine Schwachstellen hat.
Ich kenne bei mir und vielen anderen zB. die Versuchung, mit Worten zurück zu hauen, wenn man sich verletzt fühlt. Oft nicht bloß mit gleicher Münze, sondern nach dem Motto, auf einen groben Klotz einen noch groberen Keil. Tust Du mir weh, tu ich Dir mehr weh. Obwohl ich aus Erfahrung weiß, da kommt selten was Gutes dabei raus, nicht für den anderen, nicht einmal für mich selber. Wilhelm Busch hat es auf den Punkt gebracht wie’s einem auch mit dem kleinen Bösen gehen kann:
„Es macht Pläsier, wenn man es ist,
es macht Verdruss, wenn man's gewesen.“

Das ist ja oft der Punkt. In dem Moment, wo ich zurückkeile, meine ich noch, es tut
mir gut. Kurzfristig mag es auch stimmen. Aber wenn man sich dann mit ein bisschen Abstand betrachtet oder wenn das Ganze eskaliert, kommt oft das Erschrecken: Wie konnt’ ich nur. Hätte ich bloß eine andere Weisheit von Wilhelm Busch beherzigt:
„Das Gute - dieser Satz steht fest - ist stets das Böse, was man lässt.“
Lassen können, nicht schnell schießen aus einer Verletzung heraus: Das ist das Mindeste, was man sich antrainieren muss, wenn sich eine Boshaftigkeit nicht auswachsen soll. Gut biblisch dieser Wilhelm Busch, finde ich.
Es geht aber noch besser: In der Bibel gibt Paulus einen Rat, der ist so etwas wie
die hohe Kunst, mit dem Bösen umzugehen:
„Lass Dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
Nicht nur die böse Reaktion lassen, sondern das Böse - umpolen. Von minus nach plus. Dafür braucht es Rückgrat, Charakter und Phantasie.
Rückgrat und Charakter: Erst mal muss ich ja eine Verletzung aushalten:
Zeit nehmen, um wieder runter zu kommen. Erst danach, mit kühlem Herzen und Köpfchen agieren.
Kriegen Sie das hin? Oder was machen Sie mit den Versuchungen,
die im Bösen stecken? Per E-Mail empfehlen